Zelt-Zeit in Ratingen West begeistert Tausende Besucher

Ratingen : Die Zelt-Zeit fasziniert Tausende Gäste

Das Festival zeichnet sich seit vielen Jahren durch seine Vielfältigkeit, Einzigartigkeit und Familienfreundlichkeit aus.

Die junge Frau hat eine ziemlich große Klappe und ein bisschen böse ist sie auch. „Ich bin eine starke Frau, eine Feministin, ich erkenne schwache Frauen und nutze sie aus“, erklärt die 25-jährige Schweizerin regungslos den Menschen vor sich, um dann über erste Erfahrungen mit dem deutschen Fernsehen zu sinnieren: „Wetten dass? hat mir den Zugang zur deutschen Hochkultur ermöglicht“.

Hazel Brugger, so heißt die junge Frau, ist eine der derzeit erfolgreichsten Stand-up-­Comedian, mit ihrem Programm „Tropical“ sorgt sie an diesem ersten von vier Zelt-Zeit Abenden für frenetischen Szenenapplaus. „Was Hazel Brugger da auf die Beine gestellt hat, ist der absolute Wahnsinn“; schwärmt Bruno Schmitz, der bis kurz vor Beginn der Show noch unter Strom – oder besser gesagt: eben nicht unter Strom gestanden hatte.

„Wir hatten einen Total- Stromausfall“, erzählt der Veranstalter, der jetzt zum 21. Mal mit seinem Freund und Weggefährten Heiner van Schwamen das kleine Kulturfestival auf die Beine gestellt hat, „es ging nix mehr. Aber die Stadtwerke und die Feuerwehr haben uns innerhalb von einer halben Stunde mit Notstromaggregaten versorgt, so dass Hazel Brugger mit einer kurzen Verspätung loslegen konnte.“

Vor allem der Ratinger Abend begeisterte die Besucher

Vier Tage Zelt-Zeit, das Wetter spielt mit, nach der grandiosen Auftaktveranstaltung am Donnerstag begeistert am Freitag der Ratinger Abend mit seinem einzigartigen Konzept einmal mehr das Publikum, es ist ein lebendiges Potpourri lokaler Künstler, die Schüler-Kabarettgruppe Westhäkchen nimmt die Männerdomäne im Vatikan auf die Schüppe, Justus Alpmann und Linus Richter interpretieren Reinhard Meys „Sei wachsam“ auf anmutende Art und Weise, das Duo „Painting Brains“ berührt mit tiefsinnigen Texten, die Schüler der der Helen-Keller-Förderschule haben Street Dance Choreografien erarbeitet.

Es dämmert langsam, die unzähligen kleinen Lichter unterm Dachzelt sorgen für warme und ganz besondere Stimmung, der viele Applaus ist ehrlich und anerkennend. „Das ist das Besondere an unserem Konzept, dass hier an einem Abend die großen namenhaften Künstler auf der Bühne stehen und am anderen Abend Menschen unserer Stadt, die ebenfalls kulturell etwas zu sagen haben“, beschreibt es Heiner van Schwamen, der überhaupt- wie eigentlich jedes Jahr aufs Neue, überwältigt ist vom Zusammenhalt aller Mitwirkenden.

Max gehört zur eingefleischten Truppe, genau wie auch Katharina, die Jahr für Jahr dafür sorgt, dass der heisere Bringssänger seine Tee bekommt oder Hazel Brugger, wie im Vertrag vereinbart, vier gekochte Eier. „Es macht einfach wahnsinnig viel Spaß hier zu sein, man hat so viele nette Menschen um sich herum und ich persönlich habe hier meinen Ehemann kennengelernt, mittlerweile sind wir sogar Eltern.“

Am dritten Abend rocken die „Brings“ das Zelt, die Kölner Band reißt vom ersten Augenblick an alle Besucher mit, komplett ausverkauft heißt es an der Abendkasse. „Das war gigantisch“, schwärmt Michaela Schmidt, die extra für das Konzert aus Frankfurt angereist ist, „so was hab ich selten erlebt. Die Erde hat gebebt, die Lichtshow war mega, absoluter Wahnsinn, ich bin echt noch total geflasht“. Auch am letzten Tag der Zelt-Zeit 2019 ist die junge Frau zurückgekehrt zum Grünen See.

Es ist LEG Familientag mit Gottesdient, Seeuferlauf und Drachenbootrennen, die vielen Kinder klettern, werden als Schmetterling geschminkt, streicheln Tiere. Der Kölner Mitmachzirkus lässt die ganz Mutigen über eine Feuerfackel springen, es riecht nach Pizza und Bratwurst. „Heute Mittag sind uns doch tatsächlich Brötchen und Pommes ausgegangen“, erzählt Yvonne Blumentrath, während sie die Soße über eine Currywurst kippt, „dabei haben wir schon mehr eingekauft als in den Jahren zuvor. Es war einfach ein wahnsinniger Andrang“. Sie lacht, die Arbeit hier am Stand macht ihr Spaß und dient dann noch dem guten Zweck. „Wir von der KG Anger Garde sind ja seit vielen Jahren immer hier, alles was wir an Gewinn erzielen, kommt unserem Verein zugute.“

Es ist Wolfgang Trepper, der das Bühnenprogramm der Zelt-Zeit 2019 mit einem fulminanten Auftritt beendet. Er ist ein Kabarettist und notorischer Berufsnörgler, dass ihm alle politischen, sozialen und gesellschaftlichen Entwicklungen gewaltig „auf den Sack“ gehen, macht er mit klaren Worten deutlich.

Vier Tage grandiose Zelt-Zeit und ein Feuerwerk zum krönenden Abschluss. Für das kommende Jahr sind bereits zwei Künstler fest engagiert: Kurt Krömer und Faisal Kawusi.

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