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Ratingen: Zahl der Alkoholfahrten steigt

Ratingen : Zahl der Alkoholfahrten steigt

Kampagnen zeigten bisher wenig Wirkung. Was hilft, sind verstärkte Polizeikontrollen.

Vorbildlich handelnde Verkehrsteilnehmer meldeten vergangenen Samstag laut Kreispolizeibehörde die vermeintliche Trunkenheitsfahrt eines Autofahrers auf der außerörtlichen Asbrucher Straße in Velbert-Neviges. Die aufmerksamen Zeugen hatten einen silbergrauen Honda bemerkt, der die Landstraße 353 in sehr auffälligen Schlangenlinien nach Wuppertal befuhr und dabei wiederholt auf die Gegenfahrbahn oder gefährlich nahe an den Straßengraben geriet. Die Zeugen meldeten der Polizei umgehend Fahrzeug und Kennzeichen, und dank dieser Hinweise konnte die Polizei das beschriebene Fahrzeug und dessen Fahrer nur wenige Minuten später an der Nevigeser Halteranschrift antreffen und überprüfen.

Dabei bestätigte sich der begründete Verdacht der Zeugen. Der Fahrer hatte mehr als 1,8 Promille intus. Solche Meldungen von Verkehrsteilnehmern sind beileibe kein Einzelfall. „Das ist eine wertvolle Hilfe“, sagt Ulrich Löhe, Pressesprecher der Kreispolizeibehörde.

Hinter dieser Polizeimeldung, die es fast wöchentlich zu lesen gibt, steckt aber auch eine gefährliche Tendenz. Die Hemmschwelle, sich nach Alkoholkonsum hinters Lenkrad zu setzen, sinkt – trotz diverser öffentlicher Kampagnen. Nicht nur landes-, sondern auch kreisweit haben die Unfallzahlen mit Alkoholeinfluss seit dem Jahr 2016 deutlich zugenommen. Gab es 2016 noch 115 Unfälle im Kreis, stieg die Zahl 2019 auf 147 Unfälle an, steht im aktuellen Verkehrsunfallbericht der Kreispolizeibehörde. Das ist ein Anstieg von rund 27 Prozent. Was aber auch zur Statistik gehört: Im gleichen Zeitraum gab es kreisweit immer weniger Unfälle, die auf Drogen zurückzuführen sind.

Polizei vermutet, dass die Dunkelziffer sehr hoch liegt

Löhe kann die Zahlen sowie die Entwicklung im Verlaufe der vergangenen Jahren einordnen. „Die Anzahl festgestellter Alkohol- und Drogenfahrten unterliegt ständigen Schwankungen.“ Begründung: Der entscheidende Parameter sei hier, wie viel Zeit und Personal die Polizei für entsprechende Kontrollmaßnahmen im Straßenverkehr zur Verfügung stelle. Man müsse wissen, so Löhe, dass es sich bei den Zahlen nur um die Ergebnisse von Kontrolldelikten handelt. Die Dunkelziffer an Alkoholfahrten, die ohne Unfall endeten, dürfte weit höher liegen. Je mehr Löhes Kollegen kontrollierten, „umso mehr Feststellungen“ gebe es auch, heißt es von der Kreispolizeibehörde. Die Frage, ob tatsächlich mehr oder weniger Fahrzeuge unter Alkohol- und Drogeneinfluss gefahren werden, lässt sich anhand der Ergebnisse aus den Kontrollen letztlich abschließend „nicht valide klären“. Die Unfallzahlen mit Alkoholeinfluss hätten da etwas mehr Aussagekraft.

„Die Überwachung von Alkoholkonsum am Steuer ist bereits seit sehr vielen Jahren geübte Praxis aller im Straßenverkehr eingesetzten Kollegen. Viele von ihnen haben dafür eine sehr sensible und ‚geübte Nase‘ entwickelt“, erklärt Löhe. Dadurch würden Trunkenheitsfahrten auch im Zuge allgemeiner Kontrollmaßnahmen im Verkehr festgestellt. Dank der Alkoholtestgeräte könne man „Promillesünder“ leicht überführen.

Hingegen sei das Erkennen von Fahrten unter Drogeneinfluss deutlich schwieriger. „Dazu sind spezielle Kenntnisse und Testverfahren erforderlich, an deren Ende im konkreten Verdachtsfall nur eine oder mehrere Blutproben konkrete Ergebnisse versprechen. Hierzu werden immer mehr Kollegen geschult“, sagt Löhe. Kontrollmaßnahmen im Straßenverkehr zur Erkennung von Alkohol- und Drogenfahrten fänden im Kreis zu jeder Tages- und Nachtzeit statt. Dabei sind es überwiegend allgemeine Verkehrskontrollen der Streifen der jeweiligen Polizeiwachen, bei denen dann auch Alkohol festgestellt wird, heißt es von Ulrich Löhe. Zu besonderem Anlässen (Karneval oder Silvester) fänden auch personalintensivere Kontrollmaßnahmen an gezielt ausgesuchten Orten statt.