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Tanz: Zu zweit im Dreivierteltakt

Tanz: Zu zweit im Dreivierteltakt

Tanzen boomt — nicht nur bei der Jugend, sondern auch bei Älteren. Auch Benimm-Regeln stehen hoch im Kurs.

Ratingen. „You . . . light up my life“ tönt es schluchzend aus den Lautsprechern. Discokugeln überziehen den in schummeriges Licht getauchten Raum mit silbernen Diamanten. Dicht an dicht bewegen sich die Paare auf der Tanzfläche im Takt der Musik — mal mehr, mal weniger sicher. Während hier komplizierte Figuren getanzt werden, hält man sich dort lieber an den Grundschritt, während die Lippen angespannt und lautlos den Takt mitzählen: Eins-Zwei-Drei, Eins-Zwei-Drei.

Die Faszination des Tanzens: Seit Jahrhunderten ist der Zauber des Parketts ungebrochen, und die Begeisterung für die gemeinsame Bewegung erlebt seit Jahren eine Renaissance. Das merkt auch Mathias Vossel, Inhaber der Ratinger Tanzschule am Wall. Gemeinsam mit seinem Team ist er dafür zuständig, aus einer Gruppe verklemmt herumstaksender Tanzschüler einen fröhlich hopsenden Haufen zu machen.

Er weiß, warum das Tanzen irgendwie nie so richtig aus der Mode kommt — und was sich trotz allem geändert hat: „Bei den Erwachsenen sind es vor allem die sogenannten „Nach-Eltern“, die die Tanzkurse besuchen“, berichtet er. „Die Kinder sind aus dem Haus, und man sucht wieder ein gemeinsames Hobby. Tanzen bietet die Möglichkeit, etwas wortwörtlich miteinander zu unternehmen, eine Auszeit vom Alltag zu nehmen, ohne dabei erst in den Urlaub fahren zu müssen.“

Früher war die Tanzschule ein wichtiger Faktor in der Erziehung der Jugendlichen: die Tanzstunde als Benimmschmiede. Und heute? Mathias Vossel lacht: „Die meisten Jugendlichen kommen durchaus freiwillig. Natürlich gibt es auch heute noch welche, die von ihren Eltern hergeschickt werden — aber auch die holen wir ins Boot. In der Tanzschule von heute geht es nicht so steif zu wie vor 20 Jahren — wir sind nicht nur Tanzlehrer, sondern vielmehr auch Entertainer. Die Teilnehmer sollen vor allem Spaß haben.“

Dennoch kommt der gute alte Knigge nicht zu kurz. Vossel: „Bei den Jugendlichen machen wir auch sogenannten Anti-Blamier-Unterricht. Da wird ihnen vermittelt, wie man sich auf Veranstaltungen und in Gesellschaften verhält. Darüber gibt’s dann sogar ein Zertifikat, das die Teilnehmer einem potenziellen Arbeitgeber vorlegen können. Das wird heute gar nicht so ungern gesehen, denn dann weiß man, dass derjenige sich zumindest grundlegend richtig zu benehmen weiß.“

Tanzen ist nicht an ein bestimmtes Alter oder eine Gesellschaftsschicht gebunden. Vossel: „Die Kursteilnehmer kommen aus allen Bevölkerungsschichten. Ob jung, ob alt, Akademiker oder Handwerker — Tanzen ist für jeden geeignet.“ Neben den klassischen Gesellschaftstänzen wie Walzer, Foxtrott oder ChaChaCha gibt es auch immer wieder neue Modetänze: Erst schwappte die Tango Argentino-Welle aus Südamerika via die USA zu uns, später folgten Salsa und der (wiederentdeckte) Swing. Im Moment spricht jeder von Zumba, einer Mischung aus Tanzen und Fitness. Allen gemeinsam ist die Freude an der Bewegung, vor allem als Paar. „Kaum eine andere Freizeitbeschäftigung ist so vielfältig und facettenreich, so kommunikativ, weltweit und übergreifend.“