Streit um Pläne für neue Stadthalle

Ratingen : Die Stadthalle erregt die Gemüter

DIe SPD fordert mehr bezahlbare Wohnungen statt einer Erneuerung der Stadthalle.

Das Thema polarisiert und sorgt für eine heftige Debatte in der Kommunalpolitik. Die von CDU und Bürgermeister Klaus Pesch ins Spiel gebrachte und jetzt forcierte Überlegung für eine neue Stadthalle steht nach Ansicht der SPD-Fraktion dafür, dass „beide sich lieber Denkmäler bauen wollen, als die wirklichen Probleme der Menschen in Ratingen anzugehen“. Die Genese dieser Idee spreche auch Bände für die fortschreitende Vereinnahmung von Pesch durch die CDU, betonte die SPD. Geäußert wurde die Stadthallen-Idee von Pesch auf einer CDU-Mitgliederversammlung und laut SPD direkt in Verwaltungshandeln umgewandelt.

Die SPD-Fraktion stellt nicht in Zweifel, dass man sich auch Gedanken um die Zukunft der Stadthalle machen muss, „aber doch bitte nicht jetzt und nicht mit dieser Dringlichkeit“, so Fraktionschef Christian Wiglow.

SPD kritisiert „Erschwerung
des Wohnungsbaus“

Besonders ärgerlich ist aus der Sicht der SPD-Fraktion, dass die CDU auf der einen Seite in der letzten Sitzung von Bezirksausschuss Mitte und Stadtentwicklungsausschuss „wieder alles dafür getan hat, um bezahlbaren Wohnungsbau auf zwei optimal geeigneten Flächen zu erschweren, nämlich auf der Alten Maschinenfabrik, Teil II, und an der Schappestraße“. Auf der Alten Maschinenfabrik, Teil II, sei der Anteil von öffentlich gefördertem Wohnungsbau limitiert auf maximal 25 Prozent, an der Schappestraße seien – „immer in trauter Einheit mit der Bürger Union“ (so Wiglow) – Erschwerungen beschlossen worden, um das Zustandekommen von bezahlbarem Wohnraum zu behindern. Und die Verwaltung sei einsilbig geblieben, statt für bezahlbaren Wohnraum in die Bresche zu springen, obwohl es dazu auch einen Ratsauftrag gibt. Auf der anderen Seite werde nun bei der Stadthalle „auf das Tempo gedrückt“. Die SPD-Fraktion ist davon überzeugt, dass die Menschen in Ratingen bezahlbaren Wohnraum dringender brauchen als Gedankenspiele für eine neue Stadthalle.

Die CDU-Fraktion hatte zu Wochenanfang den Vorstoß von Pesch unterstützt. Man sollte die notwendigen Wettbewerbs- und Planungsvorleistungen zum Bau einer neuen Stadthalle einleiten und schon früh über die Errichtung einer neuen, multifunktionalen Veranstaltungs- und Stadthalle nachdenken. „Dabei erscheint es uns wichtig, eine umsetzbare Planung für einen Neubau vorzubereiten, während die bestehende Stadthalle noch betrieben wird. Im Zusammenhang mit dem Rahmenplan südliche Innenstadt müsste das heute unbebaute Gelände nordöstlich der Stadthalle frei von Bebauung gehalten werden. So könnte später parallel ein Neubau entstehen, während die alte Stadthalle weiter betrieben wird“, betonte Fraktionschef Ewald Vielhaus, „am heutigen Standort unserer Stadthalle könnte man eine Straßenrandbebauung und zwischen dem Beamtengäßchen und dem Übergang zum Gymnasium einen erweiterten Grünzug entwickeln.“ Pesch hat die Debatte über ein Neubau-Projekt bei einer CDU-Mitgliederversammlung in der Stadthalle angestoßen.

Eher beiläufig hatte er erwähnt, dass man im kommenden Jahr die vorbereitende Planung einleiten wolle. Fakt ist: Die Stadt wäre finanziell dazu in der Lage, dieses Vorhaben zu stemmen. Allein für das nächste Jahr plant man Neuinvestitionen in Höhe von 50 Millionen Euro. Nach Bekanntwerden dieser Pläne hatte die SPD-Fraktion bereits Kritik an dem Vorhaben geübt – und legte jetzt noch einmal nach.

Mehr von Westdeutsche Zeitung