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Stadt setzt Zahlen als Waffe ein

Stadt setzt Zahlen als Waffe ein

Zur Rettung der Realschule beschließt der Stadtrat einen neuen Plan zur Schulentwicklung.

Ratingen. Erst eine interne Ratssitzung, dann kam gestern im Rathaus der Schulausschuss zusammen, letztlich tagte dann erneut der Stadtrat — in einer Sondersitzung.

Diese wurde in einem Schnellverfahren einberufen, weil in Sachen Werner-Heisenberg-Realschule dringender Handlungsbedarf besteht. Denn für die Bezirksregierung ist der Fall klar: Die Lintorfer Realschule muss wegen zu geringer Anmeldezahlen dicht machen.

Etliche Eltern und Lehrer waren gestern ins Rathaus gekommen, kaum noch ein Platz war frei — selten sah man so viel Interesse der Öffentlichkeit, wenn es um eine politische Entscheidung geht.

Und dann sagte der erste Beigeordnete Klaus-Konrad Pesch das, was alle hören wollten — herrscht doch Einigkeit in der Stadt darüber, dass die Schule erhalten werden soll: „Eine Auseinandersetzung mit der Bezirksregierung lohnt sich.“

Denn rechtlich gesehen sei das jüngste Vorgehen der Bezirksregierung, den Schulleiter der Werner-Heisenberg-Realschule Wolfgang Schoch anzuweisen, die Eltern darüber zu informieren, dass ihre Kinder nicht angemeldet werden können, bedenklich.

Denn so werde faktisch eine Entscheidung der Stadt als Schulträger unterlaufen. Und ihr werde die Möglichkeit zur Stellungnahme genommen.

Zum Hintergrund: Die Bezirksregierung hatte der Stadt zur Stellungnahme eine Frist bis zum 2. Mai gesetzt, den Schulleiter aber aufgefordert, die Eltern bis zum 15. April über das Aus der Schule zu unterrichten.

Trotzdem: Die Stadt muss mit einem Schulentwicklungsplan belegen, dass es sich bei den geringen Anmeldezahlen nur um ein kurzfristiges Tief handelt. Umfangreiche Tabellen und Statistiken werden in dem Plan bemüht — mit nur einem Ziel: zu zeigen, dass in Zukunft wieder mit mehr Anmeldungen in Lintorf zu rechnen ist.

Die Daten untermauern im Kern folgende Argumente der Stadt gegen eine Schließung: Die Schülerzahl in Klasse 5 wird wieder steigen, ab Klasse 7 kommt es zu einem Anstieg der Schülerzahl wegen Abgänger vom Gymnasium auf die Realschule, und die Friedrich-Ebert-Realschule und die Käthe-Kollwitz-Realschule können keine weiteren Schüler annehmen.

Darüber hinaus sei durch die Neubaugebiete im Einzugsbereich des Schulzentrums Lintorf mit neuen potenziellen Schülern zu rechnen. Einstimmg haben die Mitglieder des Schulausschusses und des Stadtrates den Schulentwicklungsplan abgesegnet.

Er wird nun der Bezirksregierung zur Genehmigung übergeben. Es kann aber noch zu Auseinandersetzungen kommen — auch rechtliche Schritte gegen die Bezirksregierung schließt die Stadt nicht aus.

Kommentar von Schulleiter Schoch: „Wen die Bezirksregierung die Entscheidung zurücknimmt, stehen wir dann immer noch vor dem Problem, wie wir die 30 Schüler, die wir abweisen mussten, wieder zurückgewinnen können.“