Solarenergie versorgt Kunstbrunnen

Solarenergie versorgt Kunstbrunnen

An der Grütstraße entsteht vor dem Buchladen Peter und Paul ein moderner, kleiner Platz.

Ratingen. Es ist ein spannendes Projekt, dessen Ausgang noch nicht ganz feststeht. Es könnte sich sogar ein Tragödchen ereignen. Was im Dunstkreis der Spielstätte der gleichnamigen Kleinkunstreihe durchaus denkbar wäre. Zumindest dürfte der neue Brunnen vor dem Buchladen Peter und Paula für Anekdoten sorgen. Dafür steht schon Buchhändler Bernd Schultz, der es versteht, für sich zu trommeln und sich nun wieder etwas vorgenommen hat: Im Frühjahr will er den von der Ratinger Bildhauerin Lisa Lepper in ihrem Atelier in Weeze-Wemb gemeißelten Kunstbrunnen anwerfen — mit oder ohne Sonnenhilfe.

Der Reihe nach. Es begann damit, dass Stadtbedienstete die Bank neben der alten Platane vor seinem Laden entfernten, „weil der Baum mit den Jahren einfach immer dicker geworden war und die Bank sich weigerte, mitzuwachsen“. Die Ersatzbank sei „potthässlich“ gewesen, man hätte gerne das neue Modell „Kopenhagen“ gehabt. Der Denkmalschutz habe gemeckert. „Erst die Zusammenarbeit mit dem Innenstadtbüro brachte Linderung. Aber nicht nur für eine andere Bank“, so Schultz. Seine Frau Anne Gansen und er höchstselbst hätten die Installation eines Brunnens vorgeschlagen und schließlich ein Konzept erarbeitet. Der Fachausschuss gab grünes Licht, der Bewilligungsbescheid kam im Herbst, Lepper konnte losmeißeln.

Der Brunnen kostet 9800 Euro, 50 Prozent schustert das Innenstadtbüro aus dem Stadtverschönerungstopf hinzu, 1000 Euro lassen die Jonges springen, den Rest zahlt Schultz. Der ließ der Bildhauerin übrigens künstlerische Freiheit, mischte sich als überzeugter Grüner aber bei der künftigen Antriebsart ein: Solarstrom soll’s sein.

Sonnenenergie im Schatten der Platane? Schultz: „Die Optimisten glauben, dass der Strom ausreicht, um die Pumpe anzutreiben.“ Die Pessimisten dächten darüber nach, wie man das Stromkabel aus seinem Keller zum Brunnen verlegen könnte. Tragödchen-Direktor Schultz macht sich schon mal auf erneute Behördengänge gefasst. Wegen der Erdarbeiten. Um die Technik kümmere er sich selbst. Was für Eingeweihte bedeutet: Es wird dringend ein Spezialist für den umweltfreundlichen Wasserantrieb gesucht.

Vielen Ratingern ist die Steinwerkstatt Lepper mit ihren beiden weiteren Standorten an der Werdener Straße/Friedhofstraße (Elmar Steinrücken) und am Gratenpoet (Konstantin Döhler) seit Jahrzehnten bekannt. Die beiden übernahmen die Werkstatt 1996 von Friedel Lepper.

Das Material des Brunnens ist italienischer Porphyr, ein hartes Vulkangestein und beliebt bei Bildhauern. In den Stein hämmerte Elisabeth Lepper eine Rillenstruktur: In diesen soll das Wasser auf vielen Bahnen in das unter dem Stein kaum sichtbare Becken fließen. Aus rötlichem Porphyr ist auch die 15-Meter-Schale in der Sala Rotunda im Vatikan. Könige und Kaiser betteten sich gerne in Porphyr pompös zur letzten Ruhe.

An der Grütstraße wird’s ein paar Nummern kleiner. „Ein Kunstwerk, an dem viele Monate gearbeitet werden musste und das bestimmt ein echter Hingucker in der Ratinger Innenstadt wird“, hofft Schultz. Momentan steht der Stein im Steinmetzbetrieb an der Werdener Straße. Becken und Technik fehlen noch. Die Neugestaltung des Bereichs vor dem Buch-Café mit der Brunnenskulptur, einer Bank und vier Seinen zum Verweilen wird mit Mitteln aus dem Verfügungsfonds der Stadt Ratingen gefördert.