1. NRW
  2. Kreis Mettmann
  3. Ratingen

Selbstverteidigung: Doro Pesch setzt auf Wing Tsun

Selbstverteidigung: Doro Pesch setzt auf Wing Tsun

Vor dem Start in die heiße Phase des Karnevals lernen Frauen Selbstverteidigung. Auch Metal-Queen Doro Pesch vertraut auf Kampfkunst.

Ratingen. Mit der Karnevalszeit steigt für Frauen die Wahrscheinlichkeit ungewollter Grapschereien oder anderer unangenehmer Begegnungen. Um sich dagegen besser schützen können, gibt es viele Angebote verschiedenster Selbstverteidigungskurse — unter anderem in der Kampfkunstakademie Ratingen. Aikido, Karate, Taekwondo, Ju Jutso, irgendwie blickt man als Laie nicht wirklich durch im Dschungel der unzähligen Kampfkunstarten. Und jetzt also auch noch Wing Tsun, das ist die Kampfkunst, mit deren Lehre heute rund 15 Mädchen und Frauen einige Basiskenntnisse in der Selbstverteidigung erlernen sollen. Ich bin dabei und lerne Shirin kennen, sie sieht aus wie 29, ist aber 40.

Selbstverteidigung: Doro Pesch setzt auf Wing Tsun

„Ich gehe zwar abends nicht mehr so häufig aus“ erzählt die Mutter eines siebenjährigen Sohnes, „aber ich jogge regelmäßig und da erlebe ich halt oft Situationen, in denen ich mich unwohl fühle.“ Tobias Kleinhans ist Chef der Akademie, er ist in der fernöstlichen Sprache der „Sifu“. „Es gibt kein äquivalentes Wort im Deutschen zu Sifu“, erklärt er im ersten theoretischen Teil, „aber es liegt im übertragenen Sinne irgendwo zwischen Doktor und Meister.“ Wir stehen im Halbkreis und hören zu, nebenbei machen wir uns ein Bild von den jeweils anderen Teilnehmerinnen. Da sind Mädchen, schätzungsweise 15, junge Frauen, reife Frauen. Auch dabei: Doro Pesch, international bekannte „Queen of Metal“ aus Düsseldorf. Klein ist sie, vielleicht 1,55, zierlich, sehr blond — eine, die optisch als „leichte Beute“ wirken könnte. Könnte.

„Ich mache Wing Tsun schon lange, es gibt einem ein ganz anderes Selbstbewusstsein, die Körperhaltung ändert sich, aber man muss natürlich im Training bleiben“, weiß Doro. Und das ist auch das, was der „Sifu“ zu Beginn klar stellt. „Beim Wing Tsun geht es um die Selbstverteidigung, aber es ist hartes Arbeiten, intensives Training. Nach einem einmaligen Workshop wie heute seid Ihr nicht in der Lage, Euch gegen einen 1,90 Kerl zu verteidigen — geschweige denn gegen mehrere, das sollte auch klar sein. Es geht heute nur um die Vermittlung von Basiswissen. Dabei soll der eigene Körper als Waffe genutzt werden, alles andere, wie Messer oder Pfefferspray kann euch entrissen und dann gegen Euch verwendet werden.“ Zwei Trittarten gibt es und die erste üben wir jetzt mit dem Partner, in meinem Fall ist es Doro. Sie läuft auf mich zu, ich signalisiere Abwehr, in dem ich das Gewicht auf mein hinteres Bein verlagere und die geöffneten Hände schützend vor mich halte. „Wenn du Fäuste machen würdest, wäre dein Signal Angriff und das genau wollen wir ja nicht“, kommentiert Tobias bei der Kontrolle. Dann soll ich das vordere Bein drehen und ihr mit der Sohle gegen den Bauch — in unserer Übung gegen das Schlagpolster, die Pratze, — treten. Wir lachen beide und schnaufen. Tobias’ Assistentin Elena bestärkt uns, korrigiert, lobt. Sie ist 18 und hat selbst mit zwölf Jahren begonnen. „Damals war ich so schüchtern, ich konnte niemanden anschauen, geschweige denn sprechen, heute habe ich mich so verändert. Ich habe keine Angst mehr, wenn ich alleine auf der Straße bin, ich fühle mich sicher“, erzählt sie mir in der wohlverdienten Pause, „das heißt aber nicht, dass ich die Auseinandersetzung suche, denn es geht ja um Deeskalation.“