Rote Funken geben den Wehrgang des Kornsturms in Ratingen frei

Ratingen : Funken feiern im fertigen Kornsturm

Die Bauarbeiten am Kornsturm sind beendet. Die Roten Funken feierten am Samstag ihr gerüstfreies Hauptquartier.

Dicke Balken stützen ihn nun, stabile Dielen gewähren einen sicheren Gang und ein schiefergedecktes Dach sorgt dafür, dass all das möglichst trocken bleibt – der Wehrgang des Kornsturms an der Wallstraße ist frisch renoviert und macht auch als Bühne ordentlich was her.

Der im Jahr 1460 erbaute Turm, heute Hauptquartier und Museum der Roten Funken, ist nun nach Jahren endlich wieder offiziell gerüstfrei: Ein guter Grund für die Karnevalisten, das mit Freunden und Unterstützern bei einem entspannten Zusammensein zu feiern. „Endlich strahlen Turm und Wehrgang wieder in vollem Glanz“, freute sich Präsident und Stadtkommandant Michael Droste.

Familie Wollbaum nutzte die Gelegenheit, über den Wehrgang zu gehen. Die Familie ist auch bei den roten Funken. Foto: Blazy, Achim (abz)

Ein paar Handgriffe, wie beispielsweise die Installation der Beleuchtung, seien zwar noch zu erledigen, aber das sei nicht mehr so aufwändig. „Es ist alles mit dem Denkmalschutz abgestimmt.“ Regionale Handwerker seien im Einsatz gewesen und am Samstag schmückten nun endlich die Flaggen das neue Schmuckstück alter Handwerkskunst.

Funken-Boyband Hahnenschrei brachte Karnevalsstimmung

Über den Wehrgang geht es in den oberen Raum des Kornsturm, in dem unter anderem Uniformen ausgestellt sind. Foto: Blazy, Achim (abz)

„Es ist einfach sensationell und richtig schön geworden“, freuen sich Zahlmeisterin Gaby Stefes und Geschäftsführerin Heike Zumbrink. Viel Arbeit stecke in der Renovierung, so lassen die beiden durchblicken, „und Geduld. Aber es hat sich wirklich gelohnt.“

Und das wird spätestens dann deutlich, wenn die hauseigene Funken-Boyband „Hahnenschrei“ den Wehrgang zur Bühne umfunktioniert und den Karneval einmal kurz mitten im Sommer in die Stadt bringt. Das begeisterte

Den Turm als Hauptquartier haben sich die Funken bereits vollständig in Eigenregie als besonderes Kleinod zum Sitzungsort und Museum ausgebaut und eingerichtet. Technischer Clou im Erdgeschoss: Ein höhenverstellbarer Tisch, der den Weg zur Treppe freigibt. Nachdem auch die obere Etage des Turms hergerichtet wurde, hat man im Rahmen von Brandschutzprüfungen festgestellt, dass Teile der Holzkonstruktion des Wehrgangs morsch waren, „nicht sanierungsfähig“, so das Urteil von Gutachtern; Stahlträger hielten den Gang seit 2016 auf Höhe.

Seit Anfang des Jahres dann Bewegung, aber positive: Ein Baugerüst und der Beginn der Renovierungsarbeiten.
Drei Jahre abgelagertes Eichenholz aus der Eifel sei verbaut worden. Fast so lang wie die Lagerung hätten auch die Verhandlungen mit dem örtlichen Denkmalschutz und der Bezirksregierung gedauert, hatte Turmwart Rudolf Mertens zum Beginn der Sanierung gegenüber unserer Zeitung erzählt. Nun also ist das historische Gemäuer wieder komplett.

Gefeiert wurde das mit 100 Litern Freibier, Bockwürsten und Musik: „Wir finden immer einen guten Grund zum Feiern“, schmunzelte Gaby Stefes. Ein guter Grund auch, um die Türen in die heiligen Kammern der Funken zu öffnen. Zahllose Devotionalien schmücken die beiden Etagen des Turms. Einblicke dazu gab es am Samstag in kleinen Führungen mit reichlich Platz für Fragen.

Zu erzählen gibt es aber viel mehr als die Geschichte der Traditionsgarde. „Wir würden uns wünschen, dass die Historie wieder stärker in den Alltag der Stadt rückt und das vor allem die Kinder wieder erzählt bekommen, was der Turm alles mitgemacht hat“, sagen Stefes und Zumbrink. Da gebe es Vereinsmitglieder, die die Geschichte nicht trocken, sondern sehr unterhaltsam und lebendig rüber bringen können, denn die Funken erreichen viele Fragen. „Dafür öffnen wir die Türen gerne.“

Außerhalb von Veranstaltungen der Roten Funken kann der Kornsturm übrigens während einer Stadtführung mit dem Thema „Geschichte des Ratinger Karnevals“ besucht werden. Diese findet jährlich während der „fünften Jahreszeit“ statt und wird vom Verein für Heimatkunde und Heimatpflege veranstaltet. Ein Rundgang lohnt sich.

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