Ratingen : Ratingen steht vor einer Mammutaufgabe

Ratingen : Ratingen steht vor einer Mammutaufgabe

Die Stadt will 50 Millionen Euro in Neubau und Instandhaltung von Gebäuden investieren.

Das Investitionsprogramm ist sehr ambitioniert und dennoch angesichts der finanziellen Eckdaten realistisch und auch machbar. Die Stadt will im kommenden Jahr Investitionen in Höhe von rund 50 Millionen Euro tätigen.

Ein zweistelliger Millionenbetrag soll in den nächsten Jahren in den Neubau und die Erweiterung von Kitas fließen. Darüber hinaus, betonte Bürgermeister Klaus Pesch, habe der Rat der Stadt bereits beschlossen, allen Ratinger Eltern die Beiträge für das vorletzte Kita-Jahr zu erlassen. Zur weiteren Entlastung der Familien schlägt er nun vor, ab dem Kita-Jahr 2020/2021 ein drittes Jahr beitragsfrei zu stellen. Die Voraussetzungen dafür seien gut, zumal das Land NRW beabsichtige, die Kosten zu tragen.

Auch bei der Instandhaltung bestehender Bildungseinrichtungen steht die Stadt vor einer Mammutaufgabe. Zahlreiche Gebäude, die in den 60er und 70er Jahren errichtet wurden, müssen grundlegend saniert werden. Aktuell beginnt die Kernsanierung mit Teilneubau am innerstädtischen Carl-Friedrich-von-Weizsäcker-Gymnasium. Allein dafür sind, über fünf Jahre verteilt, rund 32 Millionen Euro einzuplanen. Damit ist dies die größte städtische Baumaßnahme seit Jahrzehnten – noch vor dem Rathaus, dessen reine Baukosten niedriger sind.

Eine große Baumaßnahme (neue Turnhalle, zwölf zusätzliche Klassenräume) steht auch im Schulzentrum Ratingen-West an. Schließlich müssen auch alle Schulen für die digitalen Anforderungen ausgestattet werden. Hier sei Ratingen sehr gut unterwegs, so Pesch. 2020 sollen alle Ratinger Schulen breitbandverkabelt und mit W-LAN ausgestattet sein. Einzige Ausnahme ist die Christian-Morgenstern-Grundschule, da Homberg insgesamt erst 2022 mit dem Glasfasernetz der Kommitt versorgt wird.

Stadt will mehr Geld in
Klimaprojekte investieren

Klimaschutz und Nachhaltigkeit spielen eine immer wichtigere Rolle. Kämmerer und Umweltdezernent Martin Gentzsch rechnete vor, dass Ratingen in den nächsten vier Jahren mehr als sieben Millionen Euro in neue klimaschutzrelevante Projekte investieren wird – vom Umweltbildungszentrum am Blauen See über Photovoltaikanlagen bis zur Umstellung der städtischen Pkw-Flotte auf E-Mobilität, um nur ein paar Beispiele zu nennen. Weitere Millionen werden auch in die weitere Erneuerung der Innenstadt fließen, zum Beispiel in den Mehrgenerationenpark an der Wallstraße.

Viel Geld wird der stetige Ausbau und die Pflege der Infrastruktur erfordern. Klaus Pesch erwähnte die nahezu flächendeckende Versorgung der Stadt mit dem Glasfasernetz der Kommitt. Bis 2022 sollen 90 Prozent des Stadtgebietes damit versorgt sein.

Senioren brauchen ein ortsnahes Angebot. Der neue Mehrgenerationentreff Tiefenbroich hat da Modellcharakter auch für andere Stadtteile. Und alle Ratinger sollten möglichst mit allen Verkehrsmitteln gut von Stadtteil zu Stadtteil und in die Nachbarstädte kommen. Dafür wird die Stadt (gegen Kostenerstattung) sogar Radwege sanieren und ausbauen, die gar nicht in ihrer Baulast liegen (Blyth-Valley-Ring). Der ÖPNV wird weiter verbessert, aktuell gerade durch den Groß-Umbau des S-Bahnhofs Hösel. Nach der gerade vorgestellten Machbarkeitsstudie hat die Westbahn eine mehr als realistische Chance auf Realisierung. „Hier müssen wir jetzt mutig die nächsten Schritte gehen“, sagte Pesch, der vorrechnete, dass pro Jahr sehr viele Menschen diese Strecke nutzen könnten. Er geht von einer Million aus.

Die Etatverabschiedung ist für den 17. Dezember geplant.

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