Ratingen: Schützen müssen Schießstand teuer umbauen

Ratingen : Schützen stehen vor einer Mammutaufgabe

Der Umbau des Geschossfangkastens soll nach der Saison in Angriff genommen werden.

„Hebt die Büchse, spannt den Hahn, es lebe St. Sebastian.“ So einfach das Motto der Schützenwettkämpfe um Königswürden klingt, so kompliziert wird in naher Zukunft die Praxis. An diesem Wochenende – und bis in den September hinein – bleibt noch alles wie gewohnt. Aber schon jetzt blickt die Bruderschaft auf die Mammutaufgabe der kommenden Monate.

Der Hintergrund: Die turnusmäßige Überprüfung durch die Kreispolizeibehörde Mettmann in Anwesenheit des Sachverständigen im März diesen Jahres. Sie führte zu der Auflage, den Geschossfangkasten nach den Bestimmungen und Vorgaben der Schießstandrichtlinien für Vogelstände umzubauen. Grundlage war eine Bekanntmachung durch das Bundesministerium des Innern vom 13. März 2013 umzubauen, laut Änderung der Waffengesetzverordnung für Vogelhochstände Paragraf 27 (AWaffV). Kostenpunkt: bis zu 40 000 Euro.

Umbau des Fangkastens muss
bis 1. April 2020 beendet sein

Der derzeitige Geschossfangkasten ist mit einem Lamellen-System versehen. Dies ist nach der Schießstandbauverordnung für Vogelhochstände nicht mehr zugelassen. Für Ralf Berger, den neuen ersten Schießmeister der Bruderschaft sowie den Ehrenschießmeister Bernd Schäper, der 30 Jahre dieses Amt bekleidete und noch Betreiber des Hochstandes ist, eine große Herausforderung für das Jahr 2020. Beide arbeiten hier eng zusammen und sind jetzt schon in der Vorplanung für den Umbau. Am 1. April 2020 muss dieser Umbau beendet sein, denn dann beginnt für die Bruderschaft die neue Schützensaison 2020. Für Günter Fengels, der maßgeblich an dem Vogelhochstand viele Jahre für die Pflege, Technik, Modernisierung und immer mit neuen Ideen für den in der Umgebung wohl höchsten Vogelhochstand gesorgt hat, sind die erforderlichen Umbaumaßnahmen und die damit einhergehende Einschränkung der Umbaukreativität eine herbe Enttäuschung, wie die Bruderschaft in einer Vorschau auf das große Schützen- und Heimatfest mitteilt.

Bei den Ratinger St. Sebastiani Schützen und den Reitern schlägt die neue Verordnung auch deshalb hohe Wellen, weil sie bereits in den vergangenen Jahren mit vielen neuen Vorschriften bedacht wurden – verbunden mit hohen
Umbaukosten.

Schützenbund wollte die Verordnung verhindern

Schäper, der Ehrenschießmeister und auch Bezirksvorsitzender des Bezirk 041 im Rheinischen Schützenbund ist, hat die Problematik auch bei den Gesamtvorstandsitzungen des Verbandes sowie bei einem Workshop „Sicherheit für Schießstände“ ausgiebig besprochen und die Kritik und Sorgen der Vereine vorgetragen. Der Deutsche Schützenbund selbst hatte bei seinem Versuch, die Verordnung zu verhindern, keinen Erfolg erzielt.

 „Sicherheit ist beim Schießen oberstes Gebot und das ist auch gut so und wichtig“, so Berger. „Das praktizieren die Verantwortlichen für den Schießbetrieb in ausgezeichneter Weise.“ Entsprechende Lehrgänge für „Waffensachkunde“ und „Verantwortliche Aufsicht“ sind zwingende Voraussetzung für die Schützen, die auch mit Auffrischungslehrgängen immer auf dem neusten Stand gehalten werden. „Die Regelungen müssen für die Vereine praktikabel sein und die zwingende Durchführung des erforderlichen Umbaus des Geschossfangkastens ist für die Bruderschaft Ratingen eine äußerst große finanzielle Belastung“, ergänzt Schäper. Die neue Lage wird auch dazu führen, dass „wir In Zukunft nur noch auf vier Ständen schießen können, da die Breite des Geschossfangkastens nicht den Vogelschießstandbaurichtlinien entspricht“, erläutert er.