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Ratingen: Museum Cromford wieder offen

Ratingen : Endlich wieder ins Museum

Nach zehn Wochen Schließung öffnete auch das Cromford-Museum am Wochenende wieder die Türen. Dafür hat der Landschaftsverband Rheinland ein Konzept erarbeitet. Zum Neustart gab es eine Maschinenführung.

Einen Mund-und-Nasen-Schutz hätten die vornehmlich jungen Frauen, die im 18. Jahrhundert am sogenannten Schlagtisch die Baumwolle aus Indien oder Amerika bearbeiteten, mit Sicherheit auch gut gebrauchen können. Zwölf Stunden am Tag war es ihre Aufgabe, die Baumwolle aus in ihrer Rohform aufzuschlagen, damit diese weiter verarbeitet werden konnte.

Alle Besucher müssen sich am Eingang die Hände desinfizieren. Museumsmitarbeiterin Katja Zerbe zeigt, wo und wie. Foto: Achim Blazy (abz)

„Die Fasern setzten sich jedoch in den Lungen ab, was zu gesundheitlichen Problemen führte“, erklärt Michaela Böhm. Die Mitarbeiterin des Industriemuseums Cromford demonstrierte am Samstag mit einer ersten Führung nach zehn Wochen der Schließung wieder den Weg von der Baumwollpflanze bis zum fertigen Faden – mit Mund-und-Nasen-Schutz.

Sicherheit geht vor: Natalie Linda stellt Pflanzen auf, die Besuchern in der Mueums-Cafeteria den Weg zeigen. Foto: Achim Blazy (abz)

Den müssen sie und das Team, wie auch die Besucher nun in allen Räumen im Rahmen der Schutz- und Hygiene-Regelungen tragen. Dafür hat der LVR, der Landschaftsverband Rheinland, eine Konzeption erarbeitet, die für alle bereits geöffneten Häuser gelte. „Wir gehören quasi zur zweiten Welle der Öffnung und können dafür auf die Erfahrung der Museen in Solingen und Bergisch-Gladbach zurück greifen“, berichtet Natalie Linda vom Museumsteam.

Zwölf Besucher sind nun jeweils in den beiden Häusern erlaubt, dazu noch einmal im Café, wo beispielsweise auf Servietten verzichtet wird. Kommen mehr Menschen, dann müssen sie auf markierten Flächen vor der Tür warten. Um das Haus wieder öffnen zu können, habe man eine Einbahn-Regelung durch das Herrenhaus ersonnen. „Pflanztöpfe weisen hier den Weg genauso wie Pfeile“, verrät Linda. „Kleinere Räume sind aber gesperrt, hineinschauen kann man aber trotzdem.“

Einzig: „Die obere Etage des Herrenhauses bleibt gesperrt, denn dort sind die Maßnahmen nicht umzusetzen. Dafür ist der Eintritt zur Zeit auch kostenfrei.“ In Stein gemeißelt sei die Konzeption aber nicht, man könne bei Bedarf nachbessern. Nun freut sich Linda erst einmal, überhaupt wieder Besucher begrüßen zu dürfen. „Das war schon komisch hier im Haus, ohne die Besucher. Die haben uns hier wirklich gefehlt.“

Das Museumsteam habe trotzdem die Stellung gehalten. „Wir konnten so unsere nächste Sonderausstellung vorbereiten, die wir allerdings ins nächste Jahr verschieben werden“, sagt Linda. Auch die Arbeiten am Katalog schreiten voran, der werde nun wohl etwas dicker, als ursprünglich mal geplant. In diesem Monat können hier auch wieder Trauungen stattfinden, natürlich auch im kleinen Rahmen. Auch für die Maschinenvorführerin Michaela Böhm muss sich nun auch erst mal wieder die alte Routine einstellen. Das Wichtigste ist: Die originalen Nachbauten der schweren Gerätschaften, mit denen 1783 der Elberfelder Kaufmann Johann Gottfried Brügelmann hier die erste vollautomatische Textilfabrik auf dem Kontinent – angetrieben von einem Wasserrad – errichtete, laufen endlich wieder an.

„Die wurden in den Wochen der Schließung von unserem Hausmeister gewartet, sogar auseinander gebaut und gereinigt“, erklärt Linda. „Das merkt man jetzt im Betrieb richtig“, findet Mitarbeiterin Michaela Böhm.