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Ratingen-Lintorf: Stefan Steingen-Gerads behält die Backstube. Roland Schüren freut sich auf eine neue Filiale.

Ratingen : Neue Aufstellung für Bäckerei Steingen

Statt einem Generationenwechsel übergibt Stefan Steingen-Gerads seinen Laden an Roland Schüren, den er von der Bäckerinnung kennt. Die Backstube bleibt jedoch in dem Besitz von Steingen-Gerads.

Nach 185 Jahren und sechs Generationen traditionellen Backens gibt es in der Lintorfer Bäckerei Steingen eine Veränderung: Stefan Steingen-Gerads behält die Backstube, den Ladenbetrieb übernimmt Roland Schüren mit eigenem Sortiment.

Als 1833 die Bäckerei von Adolph Wilhelm Steingen und seinem Bruder an der Straße Am Kreuzfeld gegründet wurde, war das Backen als Gewerbe noch neu. Elf Jahre später zog man zum jetzigen Standort auf der Speestraße. „Die Art der Produkte, die Rohstoffe, Produktionsweisen und Techniken haben sich geändert und wir haben ein neues Logistiksystem eingeführt. Zudem gab es in jeder Generation bauliche Veränderungen“, sagte Steingen-Gerads, der den Familienbetrieb in sechster Generation führt.

Kinder möchten andere
berufliche Wege gehen

Eigentlich stünde nun ein Generationswechsel an, aber die Kinder des Bäckermeisters möchten andere Wege gehen. Und weil es zusätzlich immer schwerer wird, Arbeitskräfte für alle Bereiche der Bäckerei zu finden, hat Steingen-Gerads nach einer anderen Lösung gesucht. „Wir machen quasi eine Zellteilung. Es bleiben sowohl die Produktion, also die Backstube, als auch das Ladengeschäft bestehen. Sie werden allerdings künftig in zwei verschiedenen Unternehmen aufgeteilt“, verriet Steingen-Gerads. Er backt künftig nur für die Filiale in Düsseldorf, die bestehen bleiben soll, und die Lieferkunden, wie beispielsweise Firmenkantinen und Hotelküchen.

Im Ladengeschäft wird Roland Schüren künftig Biovollwert- und Bioklassikbackwaren sowie Klassikbackwaren wie Kuchen und Teilchen aus eigener Backstube verkaufen. Er stammt ebenfalls aus einem langjährigen Familienbetrieb, den es seit über 110 Jahren gibt. Schüren führt den Handwerksbetrieb in der vierten Generation. Dort wird noch immer nach traditioneller Handwerksart mit natürlichen und hochwertigen Rohstoffen ohne industrielle Fertigmischungen gebacken und dafür Getreide aus der Region verwendet. Auch steht die Bäckerei Schüren für Nachhaltigkeit. Nach einem ausgeklügelten Energiekonzept wirtschaftet der Betrieb aus eigener Kraft und nahezu CO2 neutral, dank Einsatz von Biomassekesseln, effizienten Kälteanlagen, Wärmerückgewinnung, Photovoltaikanlagen und Elektroautos.

Fast alle Mitarbeiter werden in der Bäckerei weiterarbeiten

Schüren und Steingen-Gerads haben sich vor einiger Zeit durch die Bäckerinnung kennen- und schätzen gelernt, und als der Lintorfer dem Hildener Bäckermeister das Angebot machte, hat dieser gerne angenommen. „Hier stimmt einfach alles. Wir übernehmen eine Bäckerei, in der noch nach alter Tradition gebacken wurde in einem passenden Gebäude. Auch der Standort in Lintorf, mit seinem ausgeprägten Vereinsleben und der Gemeinschaft ist reizvoll.Und wie es aussieht, möchten fast alle bisherigen Mitarbeiter auch in der neuen Bäckerei weiterarbeiten“, sagte Schüren.

Er plant, das Ladenlokal in einem dem alten Gebäude angepassten Baustil umzubauen und auch drei oder vier Tische im Inneren aufzustellen. Auch der bargeldlose Zahlungsverkehr soll eingeführt werden. Steingen-Gerads freut sich aufs kürzer treten. Auch wenn er das Backen nicht ganz aufgibt und von der Fertigung bis zur Auslieferung künftig alles alleine stemmen möchte, wird ihm mehr Freizeit bleiben. Die Arbeitszeiten werden wesentlich kürzer sein und er möchte mal wieder Urlaub machen.