So war Ratingens erster Jugendkulturtag „Das wollte ich schon immer mal machen“

Ratingen · Mit Farbe, Worten oder Musik – beim ersten Ratinger Jugendkulturtag konnten die Teilnehmer vieles ausprobieren. Am Ende stand eine mitreißende Show.

 André Schürmann probt mit einigen der Teilnehmer des Musical-Workshops Gesang.

André Schürmann probt mit einigen der Teilnehmer des Musical-Workshops Gesang.

Foto: Achim Blazy (abz)

„Das wollte ich schon immer mal machen, das sieht nach Spaß aus.“ Mila kann es kaum erwarten, ihren kunstvoll verzierten Namenszug mit einer Sprühdose auf Leinwand zu bannen. Der Graffiti-Workshop ist einer von insgesamt sieben (geplant waren acht) Angeboten des ersten Ratinger Jugendkulturtages, bei denen junge Ratinger ihrer Kreativität freien Lauf lassen konnten.

„Ich habe das Sprayen schon mal ausprobiert, hier bekomme ich Tipps vom Fachmann“, erklärt Elena ihre Beweggründe, an dem Workshop teilzunehmen. Kaum war die Anmeldeseite beim Mitveranstalter Kulturkreis Hösel freigeschaltet, gingen zum Thema Graffiti so viele Anmeldungen ein, dass ein zweiter Kursleiter hinzugebucht werden musste. So bekam Mel Ritschel Unterstützung von Ratingens Hip-Hop-Urgestein Tahir (Tachi) Cevik. Ein Umstand, von dem die jungen Künstler nur profitieren konnten. Und so entstanden im Laufe des Tages farbenfrohe Kunstwerke.

Um Farbe ging es auch im Art Workshop mit Acrylfarben. Mit Jewgenija Tschuikowa mischten die Teilnehmer zunächst die Primärfarben aus Pigmenten selbst an. Anschließend wurden die Komplementärfarben gemischt und so entstand eine ansehnliche Palette, aus der sich eine ganze Reihe Kunstwerke zaubern ließ. Zum Einsatz kamen dabei nicht klassische Pinsel, sondern auch Eiskratzer, Fensterwischer oder Spachtel. Es dauerte nicht lange, bis sich die Teilnehmer von anfänglichen Hemmungen befreiten und tief in einen kreativen Schaffensprozess eintauchten.

 Tachi gibt den Teilnehmern des Graffiti-Workshops Tipps.

Tachi gibt den Teilnehmern des Graffiti-Workshops Tipps.

Foto: Achim Blazy (abz)

Andernorts probten junge Ratinger Improvisationstheater, das Schreiben von Songtexten, das Jonglieren mit Worten oder sangen Musicalstücke ein. Auch sportliche Ambitionen wurden bedient: So probten die Teilnehmer Hip-Hop-Schrittwechsel oder verbesserten im Bike Park Hösel ihre Fahrtechnik.

„Ich bin hier, weil ich meine Fahrtechnik und Sprünge verbessern will“, erklärt Ferdinand. „Tipps von den Trainern geben mir mehr Sicherheit. Alles in allem ist es sehr cool hier“, sagt der Biker und stürzt sich in den Parcours. Thomas und Bent sind eigentlich Dauergäste im Bike Park. „Es ist aber viel schöner, mit vielen anderen zu fahren und sich auszutauschen“, finden sie. Einziges Manko an diesem Tag: „Der starke Wind macht uns ganz schön Probleme“, konstatiert Thomas. „Wir haben hier heute alle Könnenstufen dabei – die meisten fahren schon auf einem sehr hohen Niveau“, so die Trainer, die stolz zur Kenntnis nehmen, dass kurz vor dem Ende des Workshops wirklich jeder Teilnehmer in der Lage ist, einen großen Sprung zu überstehen.

Der erste Jugendkulturtag mündete in einer Abendveranstaltung, bei der die Teilnehmer die Ergebnisse ihrer Workshops vorstellten. Moderatorin Nele Roß führte souverän und feinfühlig durch den Abend. Sie verstand es, das Publikum mitzureißen.

Louis Steininger von Living Room Ratingen und Edzard Traumann vom Kulturkreis Hösel konnten im großen Saal des evangelischen Gemeindehauses viele Besucher, darunter zahlreiche Ehrengäste, begrüßen. Während Steininger vor allem die Bedeutung des Jugendkulturtags für die Ratinger Jugend hervorhob, unterstrich Traumann die Zusammenführung der Generationen beim Jugendkulturtag, ein besonderes Anliegen des Kulturkreises Hösel. Es folgten improvisiertes Theater mit Bühnenproben aus dem Workshop von Heiner van Schwamen, Ausschnitte aus Musicals durch junge Sängerinnen aus dem Workshop von André Schürmann sowie Hip-Hop Auftritte von kleinen und größeren Tänzerinnen unter Natalie Hollweg.

Zwischendurch wurden Fotos aus den Workshops gezeigt, die Alexander Kersten geschossen hatte. Viel Beifall erhielten die Poetry Slams von Lisa Holtmann und Tassilo Marx mit ihren tiefgründigen Texten. Ein Highlight waren die Songs von Alexander Seidl an der Gitarre. Ein Video zeigte die spektakulären Kunststücke der Biker im Dirt Park. Eine Besucherin fasste zusammen: „Der Jugendkulturtag war ein Geschenk für Hösel“.