Ratingen/Heiligenhaus: A44-Brücke wird über das Angertal geschoben

Ratingen : Brücke schiebt sich übers Angertal

Die mit 384 Metern längste Autobahnbrücke des A 44-Lückenschlusses wurde am Boden vormontiert. Nun hat die Brücke bereits das erste Pfeilerpaar erreicht.

Lange Zeit herrschte Ruhe auf der Baustelle der Angertalbrücke: Vor der Jahresfrist gab erhebliche Probleme, die von der Ratinger Firma Amand in Zwickau vorgefertigten Stahlteile nach Hofermühle zu transportieren: Kurioserweise versperrten ausgerechnet marode Autobahnbrücken den Weg. Die Teile waren zu schwer für manch alte Konstruktion. Insgesamt sind 68 Schwerlasttransporte für die 384 Meter lange Brücke notwendig. Doch seit Januar wird wieder angeliefert. Seitdem geht es voran: Die Teile werden in einem großen Zelt zusammengefügt – verschlossert, wie Fachleute sagen. Und dann verschweißt. Stückweise wird die fertige Konstruktion im „Taktschiebeverfahren“ vom Konstruktionsplatz aus übers Tal in Richtung Westen geschoben. Fahrbahn für Fahrbahn.

Aktuell wurde bereits der erste Pfeiler erreicht. In sechs bis acht Wochen dürfte der V-förmige Stahlkoloss am hinteren Ende soweit weiter zusammengebaut sein, dass man das gesamte Teil bis zum zweite Pfeilerpärchen schieben kann, hofft Arndt Lansche, Baubevöllmächtigter der DEGES. Das Unternehmen verantwortet den etwa 4,4 Kilometer langen Westabschnitt bis zum Autobahnkreuz Ratingen-Ost. In insgesamt 14 Elementen geht es voran: „Schüsse“ nennen die Techniker die einzelnen 30 bis 40 Meter langen Teil­abschnitte der Konstruktion.

Ganz vorne hat man einen roten „Vorschubschnabel“ angeschweißt: Weil die Brücke vor Erreichen der Pfeiler konstruktionsbedingt sichtbar durchhängt, wird sie mit dem „Schnabel“ Stück für Stück auf die richtige Höhe gehoben.

Die fertige Brücke wird später in einem hellen Blau erstrahlen

Drunten im Tal ist nicht viel zu sehen vom riesigen Bauplatz, der abgeschottet vor dem östlichen Widerlager errichtet wurde. Auf einigen der 35 Meter hohen Betonpfeilern sind Techniker damit beschäftigt, die V-förmigen Stahlstützen zu montieren, die einmal die Brücke aufnehmen werden. Man hätte die Betonpfeiler auch bis zur Brückenhöhe gießen können, doch die Ingenieure zeigten Sinn fürs Schöne: Die von unten trichterförmige Brücke aus fünf Zentimeter dicken Stahl wird von Trägern in V-Form elegant aufgenommen. Das Ganze erstrahlt später in einem hellen Blau – so wie alle andere Brücken der A 44. Der Abschnitt der Autobahn 44 zwischen dem Autobahnkreuz Ratingen-Ost als Anschlussstelle zur Autobahn 3 und Velbert ist mit rund 9,8 Kilometern eines der größten Lückenschlussprojekte im NRW-Autobahnnetz. Wegen der vielen Brücken ist er mit 222 Millionen Euro auch der Teuerste. Aber der Großraum Essen soll dadurch mit der Rheinschiene verbunden und die „Mobilität im Kreis Mettmann nachhaltig verbessert werden“, so die DEGES.

In Hofermühle, berichtet Lansche, warteten die Anwohner sehnsüchtig auf die Fertigstellung: Denn seit der Ostabschnitt zwischen Hetterscheidt und Hofermühle im April 2018 freigegeben wurde, quält sich der Verkehr durch die Tempo-30-Zone und über eine marode Eisenbahnbrücke. Schallschutzwände und besonders gedämpfte Dehnungsfugen auf und in der neuen Talbrücke sollen die Nachtruhe der Anwohner garantieren. Immerhin geht man von einer Verkehrsbelastung von täglich 36 000 Kraftfahrzeugen im Jahre 2030 aus. Auch in Homberg hofft man auf Entlastung.

Die Transportprobleme haben bei der Angertalbrücke zu einer Verzögerung von etwa einem Jahr geführt. Ende 2020, so schätzt Lansche ganz vorsichtig, könnte eine Fahrspur soweit fertig sein, dass Baustellenfahrzeuge auf die andere Seite fahren können. Mitte 2021, so die Pläne, könnte die Angertalbrücke fertig sein.

Für den Rest des Westabschnittes fehlt noch der Planfeststellungsbeschluss: Mit dem sei frühestens 2020 zu rechnen, „plus mindestens ein Jahr, bis Baurecht vorliegt, plus weitere sechs bis acht Monate, sollte gegen den Beschluss Klage eingereicht werden“, so die DEGES.

Mehr von Westdeutsche Zeitung