Wohnen Bahn gibt grünes Licht für Lärmschutzwand

Von Joachim Preuss · Der Vertrag mit der Stadt Ratingen ist unterschriftsreif. Das Wohnprojekt Felderhoff II feiert ein Comeback.

 Dezernent Jochen Kral (l.) und Jan Roth stellten das Bauprojekt Felderhof in einer Bürgeranhörung vor.

Dezernent Jochen Kral (l.) und Jan Roth stellten das Bauprojekt Felderhof in einer Bürgeranhörung vor.

Foto: RP/Achim Blazy

Bezahlbarer Wohnraum bleibt besonders in der Dumeklemmerstadt ein heißes Thema. Die Mieten sind nach Angaben des Rings Deutschler Makler im vergangenen Jahr wie berichtet um sechs Prozent gestiegen — damit belegt die Dumeklemmerstadt im Umland den zweiten Platz hinter Krefeld (plus 13 Prozent.). Im jüngsten Sozialausschuss war die Wohnungsnot ein großes Thema. Immerhin konnte Baudezernent Jochen Kral eine positive Nachricht vom lange vergessen geglaubten Wohnbauprojekt Felderhof II berichten. Auch sonst gebe es etliche Bauvorhaben für bezahlbaren Wohnraum beziehungsweise öffentlich geförderten Wohnraum.

Zahl der Sozialwohnungen geht laut SPD immer weiter zurück

Mittlerweile wird konkret vor Ort nach den Ursachen geforscht. Nach Angaben von SPD-Fraktionschef Christian Wiglow gehe die Zahl der Sozialwohnungen gehe immer weiter zurück: „Von 2017 bis 2025 um weitere knapp neun Prozent auf dann nur noch 2210. Angesichts „nicht vorhandener Neubautätigkeit in Ratingen“ sei das eine „eine sehr beunruhigende Tatsache“. Im Jahr 2017 sei im Kreis Mettmann der Neubau von 127 Mietwohnungen mit Darlehen in Höhe von 17,6 Millionen Euro gefördert worden: „In Ratingen nichts, wie aus der Vorlage 20/025/2018 des Kreistages zur Wohnraumförderung hervorgeht. Ein unhaltbarer Zustand.“ Größere Neubauvorhaben, die günstiges Wohnen versprechen, sind rar: Zuletzt hatte die Ratinger Wohnungsbaugenossenschaft Wogera an der Philippstraße zwei Wohnhäuser fertiggestellt. Eine neue Genossenschaft will auf dem ehemaligen Feuerwachengelände an der Lintorfer Straße einen Mehrgenerationen-Wohnpark realisieren.

Der Plan, an der Rehhecke etwa 1300 Wohneinheiten zu errichten, war nicht kommuniziert worden und stieß bei Bekanntwerden auf Protest. Doch das Projekt ist nicht beerdigt: Baudezernent Kral lässt derzeit das bereits vorliegende Verkehrsgutachten Lintorf anpassen.

Auf zwölf Hektar Fläche sollen
268 Wohneinheiten entstehen

Seit Jahren ruht das Projekt Felderhof: Auf dem zwölf Hektar großen Areal sollen 268 Wohneinheiten entstehen. Lärmschutz zur Güterstrecke und die Bebauungsdichte führte zu langen Diskussionen. Seit 2008 wird diskutiert. Die Bürger-Union (BU) hält die geplante Bebauungsdichte für viel zu hoch. Die Gebäudehöhen (18 Meter) und Geschosszahlen würden zumutbare Höhen überschreiten. Es gebe zu wenig Stell- und öffentliche Parkplätze. Man sei aber nicht gegen eine neue Bebauung, dies „jedoch nicht um jeden Preis und insbesondere nicht zu Lasten ungesunder Wohnverhältnisse“.

Eine erneute Offenlage des Bebauungsplanes soll die Öffentlichkeitsbeteiligung ermöglichen. Ein wichtiger Schritt zur Realisierung wurde jetzt in langen Verhandlungen zwischen Bahn und Stadt gemacht: Nach Angaben von Kral seien die Vereinbarung zur Errichtung der Lärmschutzwand, der sogenannte Gestattungsvertrag, „unterschriftsreif“. „Wir sind einen Schritt voran gekommen. Wenn die Wand gesichert, können wir das Quartier entwickeln“, sagte Kral gegenüber dieser Zeitung.

Damit ist hinter den Kulissen ein wichtige Hürde genommen: Denn der Wohnpark entsteht unmittelbar der ständig stark befahrenen Güterstrecke. Die Stadt errichtet die Lärmschutzwand. Vor Jahren war vereinbart worden, dass der Investor sich an den Kosten (200 000 bis 300 000 Euro) beteiligt.

Bis zur Realisierung dürften noch einige Jahre ins Land gehen — falls der Investor, Interboden, überhaupt noch Interesse hat. Anfragen blieben jedenfalls unbeantwortet. Mittlerweile haben acht Organisationen, darunter Deutscher Mieterbund, Wohlfahrts- und Sozialverbände und Deutscher Gewerkschaftsbund, das NRW-Bündnis „Wir wollen wohnen!“ gegründet: Sprecher ist der Vorsitzende des Deutschen Mieterbundes NRW, Hans-Jochem Witzke. Neben einer Petition an die Landesregierung sind auch örtliche Aktivitäten geplant.

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