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Ratingen: Frauen kritisieren Angsträume in der Stadt

Dunkle Jahreszeit : Angst vor dunklen Orten besiegen

Beim Sozialdienst katholischer Frauen ging es um Angsträume. Tipps für den Heimweg.

In jeder Stadt gibt es öffentliche Orte, Straßen und Bereiche, die Frauen im Dunkeln besonders beängstigen. Um herauszufinden, wo sich diese sogenannten Dunkelräume in Ratingen befinden, hatte der Sozialdienst Katholischer Frauen (SKF) Ratingen interessierte Bürgerinnen zu einer Veranstaltung geladen. Die Stadt wird nun prüfen, ob und welche Maßnahmen helfen können, damit sich Frauen auch im Dunkeln sicherer fühlen können.

Eins vorweg: Es gibt sie nicht, die Örtlichkeiten, die allen Angst machen, aber auch nicht die, die niemanden beängstigen. Natürlich, der Ostbahnhof, die schlecht ausgeleuchtete Bahnhofstraße in Hösel, das sind öffentliche Bereiche, die verstärkt dazu führen, dass Menschen und speziell Frauen sich dort im Dunkeln unwohl fühlen. Und doch kennt jeder Mensch auch ganz subjektiv Stellen, an denen er sich unwohl fühlt.

15 Frauen kamen, um dem
Vortrag des SKFM zuzuhören

„Wo und warum ich einen bestimmten Ort genau als bedrohlich empfinde, hat viel mit mir als Person und meiner eigenen Geschichte zu tun“, erklärt Eva Maria Düring vom SKFM Kreis Mettmann den 15 Frauen, die der Einladung des SKF Ratingen zu einem Abend über Dunkelräume gefolgt waren.

Eva-Maria Düring ist Fachbereichsleiterin für Gewaltschutz, dabei geht es zum einen um die Beratung von Frauen, die bereits Gewalt erfahren haben, zum anderen um die Prävention. „Wir haben einen klaren Auftrag vom Land, das uns fördert. Und das bedeutet, wir wollen und müssen viel dafür tun, dass Frauen für potenzielle Gewaltsituationen sensibilisiert werden. Und dazu gehört der Bereich, Dunkelräume zu erkennen, auf jeden Fall.“

Es gibt noch eine gute Nachricht: Die allerwenigsten Menschen abends auf der Straße führen Böses im Schilde. Das weiß man zwar durch Statistiken, im Augenblick der Angst aber fällt es schwer, klar und rational zu denken. Läuft jemand auf einer einsamen Straße um Mitternacht hinter uns her, signalisiert das weibliche Gehirn in der Regel: Gefahr. Dass der Mann hinter uns vielleicht nur schnell nach der Abendschicht nach Hause will oder in der Altstadt mit Freunden verabredet ist, das sind Gedanken, die unter Angst schwer abrufbar sind.

Es gab Tipps, wie die eigene
Angst gelindert werden kann

„Ich selbst bin mir bewusst geworden, dass auch ich vielleicht für die alte Dame, die gerade ihren Hund noch eine Runde spazieren führt und nur hinter sich meine Schritte hört, eine Gefahr darstelle, daher habe ich mir angewöhnt, einfach die Straßenseite zu wechseln, um zu signalisieren, dass ich dir nichts Böses will“, so Düring.

Die vorwiegend älteren Teilnehmerinnen hören aufmerksam zu, vor allem als es darum geht, wie man die eigene Angst auf dem Nachhauseweg lindern kann. „Es hilft zum Beispiel, wenn man währenddessen mit jemandem telefoniert, das nimmt einem das Gefühl, alleine zu sein, und man ist abgelenkt“, rät die Expertin. Wenn man aber nachts niemanden mehr wecken möchte oder erreichen kann, gibt es auch seit kurzem das deutschlandweite Heimwegtelefon, dort wird man im Gespräch nach Hause begleitet (Hotline: Telefon 030/12074182, normaler Tarif von Funk ins Festnetz). Ganz wichtig sei vor allem die eigene Haltung: Wer mit geradem Rücken läuft, wirke automatisch selbstbewusster, so Düring. „In diesem Zusammenhang werden wir auch Selbstbehauptungskurse beim SKFM anbieten.“ An einer Stadtkarte können die Teilnehmerinnen anschließend kleine Punkte an die Stellen kleben, die in ihnen Unwohlsein auslösen. So gehören auch das Beamtengässchen und die Berliner Straße dazu. „Die ist so schlecht ausgeleuchtet“, beschwert sich eine Frau, „gerade wenn im Sommer die Bäume belaubt sind, sieht man abends gar nichts mehr.“