Ratingen: Fischmarkt und verkaufsoffener Sonntag sorgen für Massenandrang

Ratingen : Viele Besucher, aber schlechter Umsatz

Fischmarkt und verkaufsoffener Sonntag sorgten für einen Massenandrang in der City.

Für eine Nase bedeutet der Besuch in der City an diesem Tag Höchstarbeit: die rosafarbenen, prächtigen Freilandrosen verströmen einen zarten, lieblichen Duft, nur wenige Meter entfernt dominiert der Geruch der frisch geräucherten Makrelen, alles andere, selbst das Aroma der süßen Waffeln am Stand gegenüber hat kaum eine Chance, letztlich aber setzt sich einige Meter weiter vertrauter Bratwursthauch durch.

Kurz gesagt, auf dem Fischmarkt gibt es alles, wonach der hungrige Magen giert, der Vielfalt ist kein Ende gesetzt. Pizza, Pommes, Spießbraten, an den zahlreichen Bierbänken sitzen unzählige Passanten unter großen Sonnenschirmen, lassen es sich schmecken, genießen ein Glas kühlen Weißwein, haben ihr Bierglas mit Bierdeckeln zum Schutz vor den Wespen abgedeckt. Ein französischer Händler verkauft Baguette und Croissant, der Standnachbar passend dazu herzhafte Käsesorten. „Vierundreissisch neunzisch“, lässt der Käseverkäufer mit stark französischem Akzent seine Kundin wissen und lächelt sie freundlich an, während er ihr das Rückgeld überreicht, „et voilà, au revoir, merci beaucoup, bon journeé.“

In der City wurde sogar zu
„Macarena“ fröhlich getanzt

„Macarena“ tönt über den Platz, der Alleinunterhalter hat Bongos dabei, untermalt mit leichtem Trommelspiel die Musik aus dem Lautsprecher. Einige Damen am Stehtisch bewegen sich zum Rhythmus der Musik, die Stimmung ist angenehm, die Menschen wirken entspannt, einige kühlen sich ihre Hände im Marktbrunnen, und ein Mann lässt seinen Hund dort trinken.

Ursula Dübel bekommt davon eher weniger mit, mit ihrem kleinen Wagen steht sie Richtung Fußgängerzone, verkauft portugisische Delikatessen, darunter frische gegrillte Sardinen und frittierten Stockfisch. Sitzplätze für ihre Kunden hat sie auf der anderen Seite direkt an einem Ladenlokal. „Das Problem ist, dass dort ständig Leute sitzen und unsere Gäste dann keinen Platz finden, um in Ruhe zu essen. Das ist ärgerlich und wenn ich dann freundlich darum bitte, aufzustehen werde ich auch schon mal angemeckert. Das ist schon schade.“ Vor allem aber macht ihr der schlechte Umsatz an diesem Tag Sorgen. „Ich verstehe es selbst nicht richtig, die Stadt ist doch brechend voll. Ich habe gerade eine andere Standbesitzerin gefragt, wie es bei ihr läuft und da ist es genauso.“

Auch die beiden Verkäufer vom Früchteparadies – sie verkaufen Nüsse, Rosinen, getrocknete Früchte – zeigen sich äußerst frustriert. „Wir stehen regelmäßig auch in Lintorf, dort wird gekauft wie verrückt, hier gucken die Leute, sie probieren, aber sie gehen dann wieder. Aber wenn man sich mal so umschaut, tausende Leute strömen vorbei, aber kaum jemand hat Einkaufstaschen in der Hand, das heißt, es fehlt hier schlicht an Kaufkraft.“

Eine ganz andere Sorge hat eine andere Standbesitzerin, die ebenfalls Fischspezialitäten verkauft. „Das kann man doch wirklich nicht mehr Fischmarkt nennen, unsere Buden sind doch in der absoluten Minderheit mittlerweile. Wer hier die klassischen Fischmarktschreier sucht, wird absolut enttäuscht. Und das Allerschlimmste, was ich überhaupt erlebt habe, war, dass ein Besucher zu mir kam und sich darüber aufgeregt hat, dass es hier bei mir nach Fisch riecht. Unglaublich so was“, berichtet sie.

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