Ratingen: Dubiose Schädlingsbekämpfer lösen Einsatz Sondereinsatz aus

Ratingen : Schädlingsbekämpfer rufen Sondereinheit auf den Plan

Das eingesetzte Mittel wurde von Spezialisten des Bundes analysiert.

Wie reagiert man, wenn die Schädlingsbekämpfer in Freizeitkleidung und nicht im Schutzanzug erscheinen? Seltsam kam es dem Bewohner eines Mehrfamilienhauses in Ratingen jedenfalls vor am vergangenen Montag. Der Vater einer vierköpfigen Familie hatte die Schädlingsbekämpfer zuvor bestellt, weil sich Ungeziefer im Schlafzimmer ausgebreitet hatte.

Die beiden vermeintlichen Fachmänner machten sich sofort an die Arbeit und nebelten die Wohnung mit einer unbekannten Substanz ein. Das geht aus einer Meldung der Feuerwehr Ratingen hervor. Der Einsatz dauerte nur wenige Minuten – die beiden berechneten 1500 Euro. Der Mann bezahlte das Geld und verabschiedete sich von den beiden.

Die Substanz bedeckte den
Boden in klebrigen Pfützen

„Der Schädlingsbekämpfer hat der Familie empfohlen, nach der Einwirkzeit des verwendeten Mittels komplett zu lüften. Das kam den Bewohnern schon komisch vor“, sagt Daniel Roßmeier von der Feuerwehr Ratingen. „Als sie dann ins Schlafzimmer gegangen sind, hatten sie da eine Pfütze, der ganze Boden hat geklebt.“

Der Anblick verunsicherte die Familie so sehr, dass sie gegen 17 Uhr die Feuerwehr rief. Doch auch die war sich nicht sicher, worum es sich bei dem versprühten Mittel handeln könnte und verständigte deshalb die Analytische Task Force (ATF) des Bundes aus Köln.

Dabei handelt es sich um eine Spezialeinheit des Bevölkerungsschutzes, die bei radioaktiven, biologischen und chemischen Gefahren zum Einsatz kommt. Die ATF rückte mit mehreren Mitarbeitern in Schutzanzügen an. Dabei hatten sie außerdem Filtergeräte und Ausrüstung zur Stoffbestimmung in einem speziellen Einsatzfahrzeug. Acht Stunden dauerte der komplizierte Einsatz, ein halber Straßenzug musste dafür gesperrt werden.

Es ist nicht der erste Fall von dubiosen Schädlingsbekämpfern. Erst vor kurzem kamen zwei Düsseldorferinnen zu Schaden. Sie hatten in der Nacht einen Kammerjäger bestellt, weil sie ein Wespennest in ihrer Wohnung entdeckt hatten.

Auch in diesem Fall tauchten zwei Männer auf, arbeiteten eine Stunde und stellten anschließend eine Rechnung von 4000 Euro. Die beiden Frauen bezahlten den Betrag in der Nacht, stellten jedoch direkt am nächsten Morgen Anzeige bei der Polizei.

Um welches Mittel es sich genau handelt, wird derzeit untersucht

Auch der Mann aus Ratingen hatte noch am Montag eine Anzeige gegen die angeblichen Schädlingsbekämpfer gestellt. Ob es sich in beiden Fällen um dieselben Kammerjäger handelt, ist unklar. Sowohl das in Ratingen eingesetzte Mittel als auch die Männer sind Gegenstand der Ermittlungen.

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