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Ratingen, die Stadt des Kahlschlags

Ratingen, die Stadt des Kahlschlags

Überall in der Stadt werden Bäume gefällt. Die Stämme stapeln sich kubikmeterweise. Begründet wird dies mit Gehölzpflege oder Verkehrssicherheit. Einige Beispiele.

Ratingen. Jeden Nachmittag, wenn die Pendler Ratingen in Richtung Breitscheid verlassen, haben sie im Stau auf der Mülheimer Straße ausgiebig Gelegenheit, die Zeugnisse der jüngsten Baumfällaktionen am Straßenrand zu begutachten. Auf mehreren Kilometern rechts und links der Fahrbahn liegen Baumstämme und Kleinholz; abgesägte Bäume treiben noch aus, dabei ist ihr Schicksal längst besiegelt. Revierförster Klaus Weinem von den Gräflich von Spee’schen Forstbetrieben bringt es auf den Punkt: „Die Baumfällaktion fand im Rahmen der Verkehrssicherung an öffentlichen Straßen statt.“

Ratingen, die Stadt des Kahlschlags

Diesmal, glaubt der Laie, hat es besonders viele Bäume erwischt. Der Förster bestreitet das nicht: „Das war eine längerfristige Maßnahme. Jetzt ist für die nächsten fünf bis zehn Jahre wieder Ruhe.“ Das geschlagene Holz sei zum Teil bereits verkauft und werde jetzt nach und nach abtransportiert. Nachpflanzungen seien „erst nächstes Jahr geplant und nur an einigen Stellen“.

Erst kürzlich hatten die Gräflich von Spee’schen Forstbetriebe auf dem Weg zur Auermühle rund 100 alte Bäume gefällt. Zum Baumbestand zählten vor allem sehr alte Buchen, deren Standfestigkeit angeblich nicht mehr gewährleistet war. Zahlreiche Stürme hätten den Bäumen, die zum Teil 170 Jahre alt waren, arg zugesetzt. Ein Mitarbeiter der Auermühle sei nur knapp einem Unglück entkommen, betonte ein verantwortlicher Mitarbeiter der Gräflich von Spee’schen Forstbetriebe. Man habe die Maßnahme mit der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises Mettmann genau abgesprochen.

Bei dem betroffenen Areal handelt es sich um eine rund zwei Hektar große Fläche. Die Forstbetriebe kündigten an, dass es Nachpflanzungen geben werde. Sicherlich sei der aktuelle Anblick nicht unbedingt schön, aber es habe mit Blick auf die Maßnahme keine Alternative gegeben. Besucher, Spaziergänger und Anwohner reagierten beim Anblick der abgeholzten Fläche teilweise mit Fassungslosigkeit, Bestürzung, Wut und Empörung. Etliche bezweifelten die Notwendigkeit der Abholzaktion in diesem Umfang.

Bereits im Herbst 2017 hatte Straßen NRW an der Mettmanner Straße zwischen Ratingen und Mettmann eine größere Baumfällaktion angeordnet. Dort wurden in Abstimmung mit der Unteren Landschaftsbehörde Sträucher und Bäume gefällt, die entweder langfristig den Straßenverkehr gefährden könnten, oder die ausgedünnt werden mussten, damit die anderen Bäume Platz zum Wachsen haben.

Wie Gregor Hürther von Straßen NRW damals erklärte, habe die Untere Landschaftsbehörde nach einer Begutachtung keine Beanstandungen gehabt. Die regelmäßige Gehölzpflege an den Straßen findet im Zeitraum vom 1. Oktober bis 28. Februar statt. Während der übrigen Zeit, der Vegetationsphase, muss bei Maßnahmen der Gehölzpflege die Verkehrssicherheit gefährdet sein. Form- und Pflegeschnitte sind auch erlaubt. Die gefällten Bäume wurden gleich vor Ort gehäckselt.