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Ratingen: Die Rheinbahn verkaufte ausgediente Haltestellenschilder. Für einige Käufer waren sie einst Stationen ihres Lebens.

Aktion : Ratinger freuen sich über alte Schilder

Die Rheinbahn verkauft alte Haltestellenschilder. Die Kunden sind begeistert.

Marga Bergbusch ist völlig aus dem Häuschen: „Das kann ich kaum glauben, ich habe tatsächlich die Haltestelle ,Bergbusch’ ergattert“, freut sie sich schier unbändig und erklärt, was es mit ihrem Nachnamen auf dem klassisch gelb grünen Schild mit dem großen H auf sich hat. „Meine Familie hatte dort ein Lokal und nachdem wurde einst die Haltestelle benannt. Ist das nicht unglaublich?“

Helmuth Höhn erlebt nicht zum ersten Mal ein solches Glücksgefühl bei Bürgern, die „ihre“ Haltestelle zwischen den unzähligen, teils verdreckten, teils leicht verrosteten Schildern entdecken. „Wir haben den Abverkauf bereits in anderen Kreisstädten gemacht“, erzählt der Rheinbahnmitarbeiter, während er sich zum Schutz vor der Eiseskälte an diesem Samstag den wärmenden Schal noch ein bisschen enger bindet, die Wollmütze noch tiefer ins Gesicht zieht, „fast jeder der kommt sucht nach einem ganz speziellen Schild, weil er vielleicht genau an der Haltestelle die Frau fürs Leben kennengelernt hat oder von dort aus immer zur Schule gefahren ist.“

Nostalgiegefühle Bauhof, dessen Mitarbeiter die unzähligen schweren Schilder (zwischen 20 und 23 Kilo) bereits am Morgen aufgestellt und überschaubar platziert hatten. Von Haltestelle „Pfeilers Eck“ über „Friedhof“, „Europaring“, „Fester Straße“ ist alles an Straßennamen und markanten Ratinger Ortspunkten zu ergattern, pro Schild 20 Euro.

Gabi Hellwich fährt ihr Auto vor und lädt mit Hilfe der zuvorkommenden Rheinbahn- und Bauhofmitarbeiter sogar drei Schilder ein, eins in den Kofferraum, zwei werden auf dem Dach sicher festgeschnallt. An der Kasse macht auch sie aus ihrer riesigen Freude kein Hehl. „Wir wollten unbedingt die Haltestelle ,Blauer See’, einfach weil wir dort so viel Zeit mit der Tochter verbracht haben und auf der Bühne dort habe ich sogar früher mal den großen Pierre Brice gesehen, das muss man sich mal vor stellen! Und dann haben wir hier gerade noch ,Am Sonnenschein’ entdeckt, also wer kann denn da schon widerstehen?“ Und das dritte Schild? Hellwichs Vater, Peter Borwig, ist emotional so aufgelöst, dass seine Stimme zittert, es wirkt, als würde er ein wenig mit Freudentränen kämpfen. „Damit habe ich niemals gerechnet. Ich habe hier das Schild ,Balcke Dürr’ entdeckt, das war 42 Jahre lang mein Arbeitgeber, 42 Jahre. Das war eine wunderbare Zeit, ich habe dort mit 14 Jahren als Hauptverdiener der Familie begonnen, weil der Vater eingezogen war, ich kann das wirklich nicht glauben, was für ein Tag.“

Helmuth Höhn ist sichtlich ergriffen. „Wo findet das Schild denn seinen Platz?“, möchte er wissen. Und der hat auch schon eine Idee. „Wir ehemaligen Langzeitmitarbeiter treffen uns regelmäßig und wenn wir mal einen Raum finden, dann wird es natürlich genau dort seinen Ehrenplatz haben.“ Und Marga Bergbusch? Höhn hat eine Idee für ihr Schild. „Machen Sie doch einen Tisch daraus!“ Die Ratingerin ist begeistert – eine Glasplatte soll das Schild schützen, vier Füße sollen angeschraubt werden, fertig ist das Unikat.