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Polizeihund reißt Reh: Halter steht vor Gericht

Polizeihund reißt Reh: Halter steht vor Gericht

Der Polizeibeamte hatte gegen einen Bußgeldbescheid Widerspruch eingelegt.

Ratingen/Wuppertal. Es mutet schon ein wenig skurril an: An einem verschneiten Dezembertag geht der Polizeibeamte Torsten P. mit seinen beiden Schäferhunden durch ein Ratinger Waldstück am Weg Winkelshäuschen. Die Hunde sind nicht angeleint. Einer von ihnen ist regelmäßig als Diensthund der Polizei im Einsatz, der andere, ein sieben Monate alter Welpe, soll von P. für den Polizeidienst ausgebildet werden.

Plötzlich steht ein Reh auf dem verschneiten Weg. Die Hunde reagieren — allerdings nicht so, wie es von Polizeihunden zu erwarten wäre: Sie reißen das Reh. P. verlässt den Ort, sagt erst später der Landschaftsbehörde Bescheid. Anschließend bekommt er vom Kreis Mettmann ein Bußgeld über 200 Euro auferlegt. Der Polizeibeamte will nicht zahlen und legt Einspruch ein. Am Montag begann der Prozess vor dem Wuppertaler Amtsgericht.

„Die Straße, aus der das Reh kam, war nicht einsehbar. Ich war nur zwei Meter hinter den Hunden und habe versucht, sie zurückzurufen. Normalerweise jagt mein Hund auch nicht, sondern steht unter Gehorsam“, sagte P. vor Gericht aus.

Auf Nachfrage von Richter Christoph Turnwald räumte der Diensthundeführer ein, es sei „ein Fehler“ gewesen, dass er sich danach entfernt habe, ohne den Kollegen der Polizei oder einem Förster Bescheid zu geben.

Ein Zeuge belastete den Polizeibeamten. Der Anwohner gab an, gesehen zu haben, wie der Besitzer der Hunde nur langsam gehend, nahezu teilnahmslos und ohne die Tiere zurückzurufen am Ort des Geschehens eingetroffen sei. Das sei ein entscheidender Punkt, sagte Richter Turnwald. Ob die Hunde im unmittelbaren Eingriffsbereich von P. gewesen seien oder nicht, spiele eine gewichtige Rolle.

Ein Urteil wurde gestern noch nicht gesprochen. Da P. seinen Einspruch nicht fallenlassen wollte, wird das Verfahren am Donnerstag, 27. Oktober, fortgesetzt. Dann sollen die Polizeibeamten gehört werden, die nach dem Anruf des Zeugen in dem Waldstück eintrafen.