Ratingen: Museumsleiter geht im Streit

Ratingen : Museumsleiter geht im Streit

Stephan Kaiser verlässt das Oberschlesische Landesmuseums am 30. Juni. Grund ist die inhaltliche Ausrichtung des Museums.

Das traditionsreiche Oberschlesische Landesmuseum in Hösel steht aktuell ohne Chef da. Die Stiftung Haus Oberschlesien hat sich vom bisherigen Museumsdirektor Stephan Kaiser getrennt. Vor dem Arbeitsgericht Düsseldorf habe es einen Gütetermin gegeben, so Sebastian Wladarz, der Vorstandsvorsitzende der Stiftung.

Man habe sich auf einen Vergleich geeinigt. Kaisers Vertrag endet am 30. Juni 2020. Als Hauptgrund für die Trennung nannte Wladarz unterschiedliche Auffassungen bezüglich der inhaltlichen Ausrichtung des Museums. Laut Informationen hat Kaiser bereits im Oktober des vergangenen Jahres die Kündigung erhalten und war dagegen juristisch vorgegangen.

Wie es an der Spitze des Museums weitergehen wird, ist offen. Susanne Peters-Schildgen, die stellvertretende Museumsdirektorin, hat dem Vernehmen nach keine Ambitionen, die Leitung zu übernehmen. Aus Sicht von Waldarz geht es nun darum, das Museum inhaltlich neu auszurichten, und dies auch mit einer neuen Leitung.

Rückblende: Das Oberschlesische Museum erlebte vor mehr 20 Jahren einen großen Neuanfang. Bis 1998 wurden alle Sonderausstellungen im „Haus Oberschlesien“ gezeigt. Seit es das Museumsgebäude gibt, finden die Ausstellungen dort statt. Der 2000 Quadratmeter große Funktionsbau wurde am 6. Juli 1998 mit einem Festakt eröffnet. Gezeigt wurden damals „Oberschlesische Kostbarkeiten“, die als Leihgaben aus schlesischen Museen kamen. Da die Zusammenarbeit in den vergangenen Jahren intensiv gepflegt wurde, nahmen auch polnische Gäste am Festakt teil.

Die Funktion des Museums hat sich im Laufe der Jahre gewandelt

Um zu erklären, warum die Stiftung Haus Oberschlesien 1970 ausgerechnet in Hösel (damals noch kein Stadtteil von Ratingen) gegründet wurde, unternahm Kaiser damals in einem Pressegespräch einen Ausflug in die Geschichte. Träger sind die Landsmannschaft der Oberschlesier und das Land Nordrhein-Westfalen, vertreten durch die Staatskanzlei. „Viele Oberschlesier kamen im 19. und 20. Jahrhundert erst durch den Bergbau, später durch Flucht, Vertreibung sowie Spätaussiedlung als Folge der beiden Weltkriege in den Westen Deutschlands“, so Kaiser, „zahlreiche Einwohner Nordrhein-Westfalens haben familiäre Beziehungen oder Wurzeln in Schlesien.“ Das war auch der Grund, warum das Land Nordrhein-Westfalen 1964 die Patenschaft für Oberschlesien übernahm. „Andere Bundesländer haben andere Patenschaften“, meinte Kaiser. Die Stiftung und das Museum sollten das kulturelle Erbe Oberschlesiens bewahren. Inzwischen ist die Welt eine andere als zu Zeiten der Gründung des Museums. Der „Eiserne Vorhang“ ist gefallen, von den Vertriebenen leben kaum noch welche, und deren Nachkommen haben mit Landsmannschaften nur noch wenig zu tun.

Deswegen, sagte Kaiser damals, habe sich die Funktion des Museums und der Stiftung auch gewandelt: „Wir sind nicht der Bezugspunkt der Vertriebenen. Wir setzen uns ein für einen neuen europäischen Dialog, denn wir wissen immer noch viel zu wenig voneinander. Wir müssen nicht alles gut finden, was die anderen machen, aber wir müssen miteinander reden, uns austauschen“, betonte Kaiser voller Überzeugung.

Der scheidende Museumsdirektor trat in der Stadt auch als Moderator auf. So lud er zu einer Diskussion mit Spitzenpolitikern ins Haus Oberschlesien ein. Und er war auch Gast bei offiziellen Empfängen.

Stephan Kaiser hatte in einem früheren Gespräch ursprünglich vorgeschlagen, die Zusammenarbeit zwischen den drei großen Museen in Ratingen zu verstärken. Neben dem Oberschlesischen Landesmuseum gibt es noch das Museum Ratingen und das LVR-Industriemuseum
Cromford.