Ratingen : Mit der Weststrecke gegen Staus

Ratingen : Mit der Weststrecke gegen Staus

Um als Arbeitgeber attraktiv zu sein, ist eine gute Anbindung wichtig. Die IHK nimmt daher die Ratinger Weststrecke in den Blick.

Mit Blick auf massive Verkehrsprobleme in der Region bewegt sich in der Debatte um Lösungen eine ganze Menge. Auf dem IHK-Wirtschaftsforum in Hilden diskutierten Düsseldorfs Oberbürgermeister Thomas Geisel und Landrat Thomas Hendele auf Einladung der IHK erstmals öffentlich darüber, wie man Verkehrsströme besser und vor allem umweltfreundlich steuern kann.

Zunächst verteidigte Oberbürgermeister Thomas Geisel jedoch die Einführung der dritten Umweltspur: „Die jüngsten Messwerte bestätigen, dass wir mit der Umweltspur auf einem guten Weg sind, um Dieselfahrverbote zu vermeiden. Und die Umweltspur ist auch nicht der Grund für den Stau, sondern es gibt einfach zu viele Pkw.“

Thomas Hendele, Landrat des Kreises Mettmann, ergänzte: „Die Verflechtungen in unserer Region sind so eng, dass keiner allein den Knoten lösen kann. Dabei bin ich gegen Restriktionen, denn es ist schon schwer genug, die Menschen von etwas zu überzeugen. Damit uns das aber gelingt, müssen die ÖPNV-Angebote zuverlässig, komfortabel und erschwinglich sein. Nur dann wird der Mensch die Komfortzone Auto verlassen.“

Mit der Diskussion hofft die IHK, eine engere Zusammenarbeit zwischen Düsseldorf und dem Kreis Mettmann angestoßen zu haben, damit die Verkehrswende gelingen kann. Das, so die IHK, sei auch bitter nötig, denn „um die 235 000 Pkw-Pendler in ihren 195 000 Autos zum Umsteigen zu bewegen, brauchen wir ein besseres P+R-Angebot im Umland von Düsseldorf. Wenn nötig, auch mit finanzieller Beteiligung der Landeshauptstadt“, so Thomas Vieten, Verkehrsreferent der IHK Düsseldorf.

Um für Unternehmen und Arbeitskräfte weiterhin attraktiv zu bleiben bei gleichzeitiger Förderung der Verkehrswende, müssen Stadt Düsseldorf und Umland gemeinsam dafür sorgen, dass Pendler so nah wie möglich an ihrem jeweiligen Wohnort einen Zugang zum ÖPNV erhalten, so die Strategie.

Die P+R-Anlagen an den S-Bahnhöfen im Kreis Mettmann sowie am linken Niederrhein müssten daher kurzfristig vergrößert werden. Mittelfristig müsse darüber hinaus das Verkehrsangebot verbessert werden, also längere Bahnen im engeren Takt fahren, so die Forderung der IHK. Die Landeshauptstadt sollte sich daher schnell mit den Umlandkommunen abstimmen und zunächst mit der Aufstockung der P+R-Kapazitäten beginnen.

In einem zweiten Schritt sollte man sich gemeinsam beim VRR für weitere Qualitätsverbesserungen im Bahnangebot einsetzen. Die Ratinger Weststrecke zur Verbindung von Duisburg, Ratingen und Düsseldorf sei ein gutes Beispiel dafür, wie interkommunale Zusammenarbeit beim Verkehr funktionieren kann. Und darauf setze man, betonte die IHK.

Das Westbahn-Projekt wurde spätestens seit der veröffentlichten Machbarkeitsstudie zielsicher auf die Schiene gesetzt. Und so stand das hochaktuelle Thema im Mittelpunkt des „Dialogs Stadt/Wirtschaft“, einer Veranstaltungsreihe des Unternehmensverbandes Ratingen (UVR) und der Stadt Ratingen. Bei der achten Auflage präsentierte Ralf Dammann, Abteilungsleiter für Angebots- und Infrastrukturplanung beim VRR, die Ergebnisse der Studie.

Bei den Zuhörern im Museum der Stadt machte sich damals so etwas wie Aufbruchstimmung breit. „Wir wollen diese Bahn, und wir wollen sie so bald wie möglich“, sagte Bürgermeister Klaus Pesch. Der UVR-Vorsitzende Olaf Tünkers ergänzte: „Dies ist eine Riesenchance für Ratingen. Packen wir’s an!“

Das wichtigste Ergebnis der Machbarkeitsstudie: Die Reaktivierung des Personenverkehrs ist baulich machbar, bezahlbar und volkswirtschaftlich sinnvoll. Mehr als 1,5 Millionen Autofahrten zwischen Duisburg, Ratingen und Düsseldorf dürften pro Jahr durch einen S-Bahn-Betrieb auf der Ratinger Weststrecke auf die Schiene verlagert werden.

Weiterhin errechneten die Gutachter: Der Nutzen der Westbahn ist so groß, dass sich sogar die hohen Investitionen von mehr als 100 Millionen Euro lohnen. Der sogenannte Nutzen-Kosten-Indikator (NKI) liegt in allen untersuchten Planfällen (zum Teil deutlich) im Plus. Erforderlich für eine Förderung ist ein Wert über eins, die vier untersuchten Planfälle für die Westbahn liegen zwischen 1,2 und 1,85.

Die hohen Baukosten entstehen hauptsächlich dadurch, dass praktisch auf der gesamten Strecke zwischen Duisburg-Wedau und Düsseldorf-Rath ein drittes Gleis gelegt werden muss. Außerdem müssen Bahnhöfe errichtet werden.

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