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Mehrgenerationen-Wohnen stellt sich vor

Ratingen : Bauvorhaben sucht Mitbewohner

Das Mehrgenerationen-Wohnprojekt in der Alten Feuerwache an der Lintorfer Straße nimmt Fahrt auf. Die ersten Einheiten sind bereits vergeben. Doch es fehlen noch junge Leute und Familien.

In die alte Feuerwache an der Lintorfer Straße soll Leben einziehen – wenn es nach der Genossenschaft Wohnen Innovativ in Ratingen (WIR) geht, die komplette Bandbreite von jungen Singles über Familien bis hin zu Senioren. 44 Wohneinheiten in der Größe von 44 bis 140 Quadratmetern sind auf dem Areal geplant. Dazu Gemeinschaftsterrassen, ein Gemeinschaftsraum, ein Spielplatz und ein begrünter Innenhof.

Das Projekt kommt gut an. Seit der ersten Vorstellung der Idee vor genau fünf Jahren zeigt auch die Stadt Interesse. Das konkrete Konzept, vorgestellt im September 2016, überzeugte vollends. Ein weiteres Jahr später genehmigte der Bezirksausschuss das Projekt, ein Optionsvertrag zwischen Stadt und Initiatoren wird unterzeichnet.

Viele Über-55-Jährige wollen gerne zentrumsnah wohnen

Seitdem rühren die Verantwortlichen die Werbetrommel. Sie präsentieren sich auf Veranstaltungen, Messen und informieren bei regelmäßigen Treffen. Der Erfolg ließ nicht lange auf sich warten. 30 der insgesamt 44 Wohneinheiten sind bereits vergeben. „Wir haben viel Zulauf von Über-55-Jährigen“, so Ulrike Müller von WIR. „Die Bewerber hoffen auf eine aktive, lebendige Nachbarschaft.“ Einige verkaufen ihre Immobilien, um künftig zentrumsnah in einer Gemeinschaft zu leben, die sich kümmert.

Jetzt gerät die Vermarktung ins Stocken. 14 Wohnungen in unterschiedlichen Größen sind noch im Portfolio. Um das Konzept mit Leben zu füllen, sollen sie von jungen Menschen und Familien bezogen werden. Ulrike Müller sucht nach Erklärungen: „Der Zeitfaktor schreckt junge Menschen ab“, glaubt sie. Das Projekt ist langfristig angelegt, nicht zuletzt, um die Finanzierung auf sichere Füße zu stellen. Wer sich jetzt entscheidet, kann frühestens 2023 einziehen. „Doch wer weiß schon, was in ein paar Jahren ist?“

Der Ausbruch der Corona-Pandemie verursacht zusätzliche Unsicherheit. Interessenten fürchten um ihren Arbeitsplatz und damit um ihren finanziellen Rückhalt. „Das Genossenschaftsmodell bindet Kapital“, weiß Müller. Zwar erwirbt der Käufer mit einem Quadratmeterpreis von 950 Euro Eigentum – das Geld wird bei Verkauf zurückgezahlt – es steht in einem Notfall aber eben nicht kurzfristig zur Verfügung.

Zusätzlich haben die Schutzmaßnahmen der Marketingstrategie von WIR einen Dämpfer versetzt. „Die regelmäßigen Treffen, bei denen wir über das Projekt informieren konnten, finden jetzt nicht mehr statt“, bedauert Ulrike Müller. Deshalb geht die Genossenschaft einen neuen Weg: „Wir stellen das Projekt digital in einer Videokonferenz vor, zeigen Grundrisse der Wohnungen und beantworten den Teilnehmern sofort alle Fragen.“ Die Zugangsdaten gibt es nach der Anmeldung über die Internetseite der WIR.

2023 sollen die Bauarbeiten für das Projekt abgeschlossen sein

Die Organisatoren hoffen, auf diese Weise noch Interessenten für das Projekt gewinnen zu können. Denn der Zeitplan steht, die Pläne der Architekten sind abgesegnet: „Ende des Jahres wollen wir mit dem Abriss der Wache beginnen und 2023 sollen die Wohnungen bezugsfertig sein. Da muss die Finanzierung gesichert sein.“