Ratingen : Backfrische Brötchen auf dem Markt

Dienstags, donnerstags und samstags kommt Detlef Blum aus Goch zum Wochenmarkt und baut seinen Stand auf.

Damals, in den Steinzeiten, da gab es Weiß-, Grau- oder Schwarzbrot. Es gibt Brote, die relativ simple Namen führen, selbsterklärende sogar. Solche zum Beispiel verkauft Detlef Blum auf dem Ratinger Wochenmarkt. Und das seit 16 Jahren, derzeit gegenüber vom Reisebüro Tonnaer.

Wegen Bauarbeiten und Viruszeiten schwappt der Markt über die früheren Ufer, wird aber unerschütterlich dreimal pro Woche geöffnet. So kommt auch Blum dienstags, donnerstags und samstags aus Goch 54 Kilometer lang angefahren, baut derzeit einen leicht verkürzten Stand von zehn Metern auf. Und er errichtet auch noch einen Backofen im ­Hintergrund.

Der ist aus Metall, 800 Kilogramm schwer, seit einiger Zeit nicht mehr mit Steinen verkleidet und läuft auch schon seit langem nicht mehr mit Holz, sondern bezieht seine Hitze aus der „Gaspulle“, wie Blum sagt. So wird für die von vielen heiß geliebten Milchhörnchen auch kein Feinstaub-Partikelchen mehr in die frische Ratinger Luft entlassen, sondern nur noch Wohlbefinden.

Nicht alle Produkte werden
an Ort und Stelle gebacken

Blum war früher Bäcker in einer veritablen Bäckerei, bevor er zum fahrenden Volk der Marktleute übersiedelte und den Umsatz des Standes – es ist einer von 36 Ständen der Firma Berns – zu einem beachtlichen Umsatz-Hoch brachte. Nun ist der Ofen hinter dem Backwarenstand keinesfalls eine romantische Dekoration, sondern Markttag für Markttag im Einsatz. Sonst wäre die Schlepperei schon ein bisschen aufwendig.

Aber nicht alles Gebackene, was über die Theke geht, wird auch an Ort und Stelle gebacken. Sonst müsste der Markt länger geöffnet haben und müsste allein fürs Vorbereiten und Backen eine eigene Kraft bereit stehen.

Die süßen Sachen – mancherlei Kuchen, gern mit Mohn, Apfel und derzeit auch Rhabarber, und süße Mürbchen sind mittags meist ausverkauft.

Doch „der klassische Ratinger“ hat außer den Leckerchen vornehmlich Mischbrote im Visier: Roggen-Weizen, auch mal mit Körnern drauf und drin, mit Saaten und knuspriger Kruste und dem Versprechen, dass es der allgemeinen Fitness zuträglich ist.

Und noch etwas Lustiges hat Blum festgestellt: Brote und Kleingebäck müssen stets an derselben Stelle ausgestellt werden – sonst meint der zielstrebige Kunde, die Ware sei ausverkauft. Manche Brotfreunde bestellen auch Roggenstangen mit extra vielen Walnüssen oder auch Oliven. Auch das ist möglich.

Und welches Brot isst Detlef Blum selber am liebsten: „Was Kräftiges mit 80 Prozent
Roggen.“