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Lintorfer produzieren Kräuterliköre nach altem Familienrezept

Ratingen : Kräuterliköre sind echte Heimattropfen

Seit mehr als 90 Jahren sind die Kräuterliköre „Krummenweger“ und „Heidoli“ ein Geheimtipp.

1928 hatte sich Peter Hansen, seines Zeichens Destillateur der alten Destillerie am Krummenweg in Lintorf, mit einem Spirituosengeschäft an der Krummenweger Straße selbstständig gemacht und zahlreiche Sorten Likör und Branntwein im heimischen Keller hergestellt. 1950 übernahm Sohn Hermann den Betrieb. Während der Vater noch selber brannte, kaufte der Sohn den Alkohol ein und veredelte ihn durch Verwendung unterschiedlichster Zutaten – je nach Marke, die gerade hergestellt wurde. Diese sogenannten Destillate geben dem leckeren Tropfen erst den Geschmack und das Aroma. Modeerscheinungen bestimmten in den kommenden Jahrzehnten die Produktpalette bei Hansen Spirituosen; immer dabei der „Krummenweger Tropfen“, der noch heute bei vielen Lintorfern ein Geheimtipp ist. In den 70er Jahren gab es zusätzlich noch Apfelkorn, Pfefferminzlikör und Brombeer-Fruchtsaftlikör.

Brigitta Hansen, die seit 2013 den Familienbetrieb führt, zeigt stolz die Kessel, in denen damals noch ihr Großvater Peter und später Vater Hermann die unterschiedlichen Liköre und Branntweine reifen ließ. In den Schubladen liegen noch die verschiedenen Arbeitsgeräte von früher und alte Flaschenetiketten. Heute wird nur noch der „Krummenweger Tropfen“ nach dem Rezept des Großvaters herstellt, da die anderen Liköre nicht mehr nachgefragt werden.

Hansen präsentiert den einzigen heute noch genutzten Kessel, den sie in Kürze mit frisch aufgekochtem und wieder abgekühltem Zucker, Weizenkorn, Wasser und bestimmten Kräuteressenzen befüllen wird, um dort ihren „Krummi“, wie sie den Likör liebevoll nennt, für mehrere Tage reifen zu lassen. Das genaue Rezept bleibt natürlich ein Familiengeheimnis.

„Wir machen alles in Handarbeit, vom Zusammenmischen, über das Abfüllen und Etikettieren der einzelnen Flaschen. Die Etiketten werden übrigens auch von einem Lintorfer Familienbetrieb, der Druckerei Preuß, gedruckt“, erzählt sie. Leben können Hansen und ihr Mann vom „Krummenweger“ nicht und haben noch ihre Hauptberufe. „Aber es macht Spaß und es ist schön, die alte Familientradition weiterzuführen.“

Doppstadt gründete die Spirituosenmanufaktur

Schräg gegenüber vom Haus der Familie Hansen steht das ehemalige Haus der Familie Doppstadt. Hier wohnte seinerzeit Heinrich Doppstadt mit seiner Familie. Etwa zur selben Zeit wie Peter Hansen entschied er sich als Destillateur zur Selbständigkeit und gründete eine Spirituosenmanufaktur. Seinem Bruder Adolph gehörte damals die Lintorfer Gaststätte „Zum Grunewald“ am Breitscheider Weg.

Bis zum Jahr 1938, als er auf die Krummenweger Straße zog, befand sich der Destillerie-Betrieb noch auf der Speestraße. Während des Zweiten Weltkriegs ruhte der Betrieb, konnte unter schweren Bedingungen aber wieder als Destillerie und Weinhandel aufgebaut werden, als Doppstadt von seinem Kriegseinsatz zurückkehrte.

Der Betrieb kann mittlerweile auf eine lange und erfolgreich Firmengeschichte zurückblicken. Als Kaufmann und Destillateur ausgebildet, übernahm Sohn Helmut im Jahre 1966 das Unternehmen. Der wachsende Betrieb zog um, und noch heute wird in den Gebäuden an der Speestraße/ Ecke Wieselweg gearbeitet. Gemeinsam mit der Familie setzte er mit seinem Namen Getränketrends. Der farbenfrohe „­Heidoli“-Likör, hergestellt aus bestem Weizenkorn, ausgesuchten Kräutern und 22 weiteren Zutaten, avancierte im Laufe der Jahre zum „Szenegetränk“ einer ganzen Generation. Neue Zielgruppen wurden gefunden. Der „­Heidoli-Kirschlikör“ wurde zum „Fortuna-Coktail“ und mit Blue Curaçao versetzt wurde er zum „Schalke-Tropfen“.

Als sich der Spirituosenkonsum in den 60/ 70er Jahren zugunsten der Biergetränke verschob, verließ man die handwerklichen Pfade. Aus der Spirituosenfabrik – mit Volker, Jörg und Torsten Doppstadt mittlerweile in dritter Generation – wurde ein Biervertrieb, der aber auch Lifestyle-Getränke, Exklusiv- und Eigenmarken im Angebot hat.

Den Kräuterlikör „­Heidoli“, sicherlich die berühmteste Doppstadt-Kreation, gibt es immer noch, hergestellt nach dem alten Familienrezept von Großvater Heinrich. „Aufgrund der Auflagen der Berufsgenossenschaft haben wir uns allerdings entschieden, die Produktion nach unseren alten Rezepten an eine Spirituosenmanufaktur am Niederrhein abzugeben“, berichtete Volker Doppstadts Ehefrau Antje.