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Lintorf: Eltern sauer nach Abweisung von Grundschule

Grundschule in Lintorf weist Anmeldewünsche ab : Tom ist von Absage enttäuscht

Tom wurde nicht an der Melchior-Grundschule angenommen. Wie ihm geht es vielen.

Ihr Sohn Tom wird im kommenden Schuljahr schulpflichtig, und seine Eltern hatten ihn an der städtisch katholischen Johann-Peter-Melchior-Grundschule (JPM) angemeldet. „Wir haben uns bewusst für eine konfessionell ausgerichtete Schule entschieden. Unsere Wahl fiel auf diese Schule, weil sie direkt neben Toms derzeitigem Kindergarten liegt. Auch unser jüngster Sohn besucht diese Einrichtung seit einem Jahr. Die unmittelbare Nähe beider Einrichtung würde sowohl den Kindern als auch meiner Frau die Abholung am Mittag erleichtern. Sie ist nämlich auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen“, sagt Vater Jan Renziehausen.

Doch leider bekam die Familie vor einigen Tagen von der Schule die Nachricht, dass ihrem Antrag nicht entsprochen werden könne, da die Anmeldungen die Kapazitätsgrenzen der Schule übersteige. „Katholische Kinder aus anderen Stadtteilen sollen nach unseren Informationen an der Schule aber Plätze bekommen. Konfessionslose Kinder oder Kinder andere Religionen (vorwiegend evangelisch) aus Lintorf dagegen nicht – zu dieser Gruppe gehören unsere Kinder auch“, sagte Renziehausen.

Die Rechtslage ist klar. Wenn die Anmeldungen die freien Plätze übersteigen, muss nach der Ausbildungsordnung Grundschulen (AO-GS) das gesetzliche Auswahlverfahren angewendet werden. Es gelten die Kriterien nach Paragraf 1 AO-GS, nämlich Geschwisterkinder, Schulweg, Kindergartenbesuch in der Nähe der Schule sowie das ausgewogenes Verhältnis von Jungen und Mädchen sowie SchülerInnen unterschiedlicher Muttersprachen.

Es liegt im Ermessen der jeweiligen Schule, in welcher Reihenfolge diese angewendet werden und welche ortsspezifischen Besonderheiten Berücksichtigung finden. Bei Bekenntnisschulen, wie beispielsweise der JPM, greift aber vor diesen Kriterien ein Gerichtsurteil aus 2016, nachdem Konfession der Wohnortnähe vorzuziehen ist. Den betroffenen Familien erscheinen diese starren gesetzlichen Vorgaben aberwitzig. Es geht ihnen nicht darum, dass sie den anderen den Schulplatz nicht gönnen. ,„Es geht vielmehr darum, dass es abgesehen von unseren persönlichen Situation für uns unverständlich ist, dass bei der aktuellen Diskussion um Gefahren von Eltern-Taxis und CO2- Belastungen solche Entscheidungen getroffen werden. Der Pkw-Verkehr wird zwangsläufig zunehmen, sei es durch die Eltern von Kindern aus den anderen Stadtteilen oder durch jene, die ihren Kindern den Schulweg zur weiteren Schule nicht zumuten möchten. Außerdem melden dadurch Eltern ihre Kinder an der Eduard-Dietrich-Schule an, ohne hinter der Montessorie-Pädagogik zu stehen, nur um ihnen einen kürzeren Schulweg zu ermöglichen. Sie nehmen somit den Kindern den Platz weg, deren Eltern sich bewusst für diesen Erziehungsstil entscheiden“, erklärte der Vater.

Da den Renziehausens der Bezug zur Kirche wichtig ist, haben sie ihren Sohn zunächst an der Heinrich-Schmitz-Schule-angemeldet. „Auch wenn das für die Kinder und mich stressiger werden wird, da bei gleichen Abholzeiten von der einen zur weiter entfernten anderen Einrichtung gehetzt werden muss“, sagte Mutter Christina.