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Ratingen : Lärmgegner kritisieren die Bahn

Ratingen : Lärmgegner kritisieren die Bahn

Peter Beyer (CDU) vertritt Anwohner der Güterzugstrecke in Lintorf, die besseren Lärmschutz fordern. Die Bahn sieht keinen Anlass.

Der Krach um den Bahnlärm: Seit Jahren schlagen Anwohner Alarm, bisher hat sich allerdings wenig getan. Wie belastend die Geräusche sein können, wird deutlich, wenn man sie spürt: Im Garten von Wolfgang Thielemeyer in der sogenannten Ratinger Siedlung in Lintorf, direkt an der Güterstrecke 2324, stand Peter Beyer, der Bundestagsabgeordnete und Transatlantik-Koordinator der Bundesregierung, mit dem Eigentümer und seinen Nachbarn Ulrike Pettauer, Hans Nigemeier und Guido Körner bereits im April zusammen, um sich von der veränderten Lärmsituation ein Bild zu machen. Man konnte das Gespräch jedoch gar nicht beginnen, denn da nahte schon der nächste Zug, der jegliches gesprochene Wort unterdrückte. Und so entschied man sich, das Gespräch im Haus weiter zu führen.

Seit Monaten klagen die Anwohner der Strecke über eine höhere Belastung auf der Strecke. Beyer ist im ständigen Austausch mit Anliegern, der Deutschen Bahn und dem Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur (BMVI). Er kämpft für mehr Lärmschutz.

Vor wenigen Tagen trafen sich die Anwohner mit Beyer erneut, diesmal gemeinsam mit Hans Jörgens, Fachmann in Sachen Schienenlärm des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) des Kreisverbands Düsseldorf, Mettmann, Neuss.

Die Bahn hat bereits 2004 und 2008 in Lärmschutz investiert

Der Kampf um einen besseren Lärmschutz an der Güterstrecke erinnere Beyer an den Kampf Don Quijotes gegen Windmühlen – aber aufgeben wolle er nicht, sagt er. Seit 2009 engagiert er sich gemeinsam mit Anwohnern für mehr Lärmschutz. Unter seinem Arm hält er einen Aktenordner mit unzähligen Beschwerdeschreiben an die Bahn, die immer wieder denselben Tenor haben: Auf dem Teilstück gibt es vorerst keinen weiteren Lärmschutz, denn bereits in den Jahren 2004 bis 2008 sei schließlich in passive und aktive Lärmschutzmaßnahmen bereits investiert ­worden.

Hoffnung ruhe seit einiger Zeit auf der Neubewertung. Die Erstellung der Priorisierungsliste, die alle sanierungsbedürftigen Abschnitte beinhalte, sei nun fertiggestellt. Der Streckenabschnitt mit der Ortsanlage Tiefenbroich, Lintorf und Ratingen belege dabei mit der Kennzahl 27,66 einen Platz in der unteren Hälfte. Die höchste Kennzahl des Lärmsanierungsprogramms sei 151,127, die niedrigste 0,006. „Aus heutiger Sicht kann nicht eingeschätzt werden, wann die Planungen für die von Ihnen benannten Strecken­abschnitte beginnen werden“, zitiert Beyer aus einem Schreiben des BMVI.

Zur Mehrbelastung auf der Trasse teilte die DB Netz AG Beyer mit: Es handle sich im Wesentlichen um umgeleitete Personenzüge mit einem gegenüber Güterzügen erheblich geringeren Gewicht und erheblich weniger Erschütterungen. Das möge in der Theorie so sein, so Beyer. In der Praxis sei das nicht nur gefühlt anders. Es sei positiv, dass die Bundesregierung sich das Ziel gesetzt habe, den Güterzuglärm bis 2020 zu halbieren. Doch selbst wenn alle Waggons auf die sogenannte LL-Sohle umgerüstet und alle technischen Maßnahmen am Gleis zur Reduzierung des Lärms eingebaut seien, so würde der Lärm nur um rund 20 Dezibel gesenkt werden. Neben dem Geräuschpegel seien es Erschütterungen und Feinstaub, die die Lebensqualität beeinträchtigten. Beyer, Mitglied der Parlamentsgruppe Bahnlärm im Deutschen Bundestag, fordert: Auch bei der Bahn gelte das Verursacherprinzip. Für Schallschutzmaßnahmen müssten aktuelle Maximal- und nicht Durchschnittspegel maßgebend sein.