Kräuterschätze am Wegesrand

Eine Tour der Volkshochschule mit der Biologin Regina Thebud-Lassak öffnete die Augen für die Natur.

Ratingen. Der Wegesrand birgt viele Kostbarkeiten aus dem Pflanzenreich. Meist geht man achtlos an ihnen vorbei. Die Kräuterwanderung der Volkshochschule (VHS) mit der Biologin Regina Thebud-Lassak öffnete Augen und Herzen für all die kleinen Wunderwerke der Natur in der Anger-Aue. Manche davon kann man zu Salat, Pesto und Gemüse verarbeiten — zumindest so lange sie noch keine Blüten haben. Andere sind einfach nur schön anzusehen und hilfreich für das natürliche Umfeld, in dem sie existieren.

Kräuterschätze am Wegesrand
Foto: Achim Blazy

Das VHS-Angebot hatte bei dem schönen Wetter rund 20 Interessenten zu der lehrreichen Exkursion gelockt: Hobby-Gärtner und Köche, eine Apothekerin und einfach neugierige Pflanzenliebhaber. Regina Thebud-Lassak, eine große Kennerin der lokalen Flora, gestaltete ihre drei Nachhilfestunden in Pflanzenkunde mit Charme und Humor. Vorbei ging es am bekannten Doldenblütler Giersch, in heimischen Gärten als lästiges Unkraut verpönt, von Kennern als Vitamin-C-reiches Kraut für Salate und Gemüse gelobt. Ein kleines Wunderwerk, das meist auf Stämmen von Holunderbüschen wächst, ist das Judasohr, ein Zwei-Euro großer bräunlicher Pilz, der tatsächlich an ein menschliches Ohr erinnert und mit Butter in der Pfanne gebraten eine kleine Leckerei sein soll.

Bekannter sind da schon Brennnessel — als Tee oder Salat — oder die Taubnessel mit ihren weißen Blütchen. Dass genaues Hingucken wichtig ist, erfuhren die Teilnehmer zum Beispiel beim Bärlauch. Das mittlerweile in der deutschen Küche sehr beliebte Wildkraut hat oft zum Verwechseln ähnliche Nachbarn, die nicht auf den Teller gehören. So wächst der Bärlauch häufig in Nachbarschaft zum Aronstab, der giftig ist. Seine mitunter kleinen grünen Mickerblätter sind vom Bärlauchblatt lediglich durch die verzweigten Blattnerven zu unterscheiden. Beim Bärlauch laufen die Bahnen dagegen parallel.

Für den Bärlauch lieferte die Biologin dann gleich auch das Pesto-Rezept mit: 200 Blätter für zwei bis drei Gläschen, Olivenöl und Salz — so hält das Pesto am besten. Deckel und Oberfläche mit 96,5-prozentigem Alkohol beträufeln — und das Gläschen ist steril.

An der Anger entlang ging es zum beliebten Bowle-Kraut: Waldmeister, übrigens nicht zu verwechseln mit dem Klebrigen Labkraut. Die Teilnehmer erinnerten sich, dass Wiesenschaumkraut ein Kreuzblütler ist, dessen hübsche violette Blüte stechendes Senföl enthält, das übrigens antibiotisch wirkt.

Es ging vorbei an Knoblauchrauke, Moschuskraut, an der gelb blühenden Sumpfdotterblume, am Bayerischen Veilchen, an Vogelkirsche und wilder Haselnuss. Die Augen wurden geöffnet für Storchenschnabel und gefingerten Lerchensporn, die auch als Zierpflanze beliebt sind.

Und dann ein heftiger Begeisterungsruf der Expertin: An der Papierfabrik wächst an einer feuchten Ufermauer ganz klein und unscheinbar der zerbrechliche Blasenfarn. Eine Entdeckung, die die Botanikerin glücklich macht. Denn durch den Eingriff des Menschen in die Natur wird es für manche Pflanzen immer schwieriger zu überleben.