Karnevalisten feiern Prinzenkürung in Ratingen

Prinzenkürung in Ratingen : Prinzenkürung wird zur großen Party

Thomas III. und Traudel I. sind als neues Ratinger Prinzenpaar jetzt offiziell im Amt.

So kann Karneval im Saal am schönsten sein: Pointen, so kurz wie Tanzmariechens Rock und knackig wie Tanzmajors Po. Reaktionen, die auf den Punkt gebracht werden und neue Witze. Genau in diesem Sinne fiel während der gesamten Veranstaltung mit dem schmissigen Namen Prinzenpaar-Proklamation durchgängig die Kapelle Stein auf. Da saß jede Note, passte jeder musikalische Gag. Doch auch sonst legten die Ratinger Karnevalisten einen ordentlichen Auftakt ihrer Session hin. Und: Sie haben eine lange jecke Strecke vor sich. Erst am 9. März ist tatsächlich Schluss, wenn der Karnevalsausschuss Fisch isst.

Das Winterbrauchtum ist oft ein Fall für die ganze Familie

Nachdem die Gäste ein Glas Sekt zum Vorglühen dargereicht bekommen hatten, widmete sich Ausschuss-Vorsitzender Peter Hense gleich dem Werbeblock. Da war viel Dank angesagt und wurde auch ausgesprochen und wurden auf der Hintergrund-Diawand reichlich und immer wieder Embleme und Namen eingeblendet, da kamen all die Organisationen in die Öffentlichkeit, ohne deren Euros eigentlich gar nicht so ein Spaß an der Freud stattfinden kann. Und vor einer Veranstaltung dargeboten, macht sich auch kein Besucher aus dem Staub. In froher Kicherlaune dabei waren die Damen und Herren der Sponsorschaft vom Unternehmernetzwerk run.

Die Jecken „züchten“ sich ihren Nachwuchs in eigenen Reihen – das beste Beispiel sind die Pollheims. Vater und Mutter haben bereits ihre Verdienste und können nun ihrem Sohn Fabian und ihrer Hoppeditz-Tochter Katrin zujubeln. Auf der Bühne geht es, von Präsident Mirco Köstring zuverlässig moderiert, ziemlich entspannt zu; da darf Bürgermeister Klaus Pesch in aller Ruhe nach Amtsketten und Urkunden suchen und letztlich doch noch den Karnevalsprinzen zu einer Tollität machen.

Da schaffen es die Granden der Spaßvögel, einer liebenswürdigen Breitscheiderin letztlich den langjährig gehegten Traum zu erfüllen, endlich Prinzessin Traudel I. (Liptow) zu werden.

Und sie taten einen offenbar glücklichen Griff, als sie einen verschmitzten Alt-Hippie als Thomas III. (Woywod) ins glimmernde Ornat komplimentierten. Nun tanzt er, geschmeidig wie Herbert Grönemeyer, auf den Ratinger Bühnen. Nobel waren in seiner Regierungserklärung seine Aussagen zu Toleranz und Respekt.

Von der Decke des Saals fielen Luftballons in einer Fülle, die sonst allenfalls als Bälle in einem schwedischen Möbelhaus gesehen werden; das weibliche frühe Mittelalter war rasch so gut gelaunt, dass es ruckzuck alle unterhakte, die da standen und mit ihnen gemeinsam zeigte, was das Wort „hochfrequent“ im Zusammenhang mit Stimme bedeutet. Es wurde gar getanzt und Polonaisen schlängelten los, Gardisten bewegten sich, anmutig auf Stühlen stehend und überhaupt war alles eine einzige große Party.

Gastronom Heinz Hülshoff, der alte Karnevals-Fuchs, der wusste ganz genau, wie man Spaß in die Stadthallen-Bude bekommt und auch behält: mit wackerem Singen neuer und aller erinnerlichen Ohrwürmer.