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Hertie-Haus macht Platz für Neues

Hertie-Haus macht Platz für Neues

Der mehr als 40 Jahre alte Bau soll kommendes Jahr abgerissen werden — zugunsten neuer Wohn- und Gewerbeflächen.

Ratingen. Jochen Kral, Technischer Beigeordneter, hat viele Visionen für die Stadt. Er hat Spaß, Projekte zu entwickeln. Und man spürt beim Gespräch mit dem Baudezernenten, dass er bereits konkrete Ideen für ein sehr bedeutsames Gelände hat, auf dem noch das alte Hertie-Haus steht und an dem tagtäglich viele Bürger vorbeilaufen. Richtig hinschauen wollen sie nicht mehr, denn das Gebäude gewinnt wahrlich keinen Schönheitspreis.

Die Immobilie soll nun bereits im Jahr 2019 abgerissen werden — möglichst mit Hilfe öffentlicher Gelder. Die Anträge seien gestellt worden, berichtete der oberste städtische Planer, der sich an dieser sehr sensiblen Stelle eine aufgelockerte Mixtur aus Gewerbe, Wohnen und Büros vorstellen kann. Ein voluminöser Bau wie der des Stadttors an der Ecke Bechemer Straße/Wallstraße soll nicht errichtet werden.

Kral weiß, dass die Ecke das Entree zur Altstadt bildet. Deshalb will man mit diesem Areal behutsam umgehen. Gleichzeitig soll es einen Schub für die Innenstadt geben, denn Kral will in dem Projekt Platz schaffen für sogenannte Leitbetriebe. Darunter versteht er einen Lebensmittelmarkt und einen Elektrofachmarkt. „Die Architektur muss auf jeden Fall zur Altstadt passen“, betonte er.

Rückblende: Der Rat hatte fast einstimmig (bis auf die AfD) beschlossen, 4,4 Millionen Euro für den Kauf der heruntergekommenen Immobilie zur Verfügung zu stellen. In nicht-öffentlicher Sitzung wurden danach bereits erste Ideen diskutiert. Nachdem Vermarktungsversuche der maroden Betonbude immer wieder erfolglos geblieben sind, lief es auf den Abriss hinaus. Ein möglicher Investor hatte sogar Pläne präsentiert, die Tiefgarage könnte man weiter nutzen. Fakt ist: Die Stadt plant auch bei der neuen Bebauung mit einer Tiefgarage. An dem ehemaligen Kaufhaus war die Stadt Ratingen schon seit langem interessiert.

Es steht der städtebaulichen Entwicklung am Tor zur Stadt im Weg. Gerne hätte man den Bereich schon in die Planungen für die Erneuerung des Düsseldorfer Platzes einbezogen, zum Kauf kam es nicht. Es gab aber immer große Bedenken, weil die Immobilie sehr hoch bewertet wurde. Ende 2016 lag der Buchwert noch bei etwa sechs Millionen Euro.

Bereits Ende 2014 freute man sich in der Verwaltung über einen Geldsegen des Landes: mehr als 4,3 Millionen Euro, die für den Umbau des Düsseldorfer Platzes, das Rathausprojekt, das Hertie-Haus und die Kornsturmsgasse ausgegeben werden sollten.

Die Stadtplaner wollen vom Standort des alten Kaufhauses aus die wichtige Achse bis zur Oberstraße beleben. Neubauten bieten auch die Chance, attraktiven großflächigen Einzelhandel zu schaffen: Bekanntlich hat die historisch-kleinteilige City so gut wie keine großen Flächen. Die aber sind wichtig für Magneten, die Käufer in die Stadt locken sollen. Das Hertie-Haus liegt schon lange brach. Gebaut wurde es vor mehr als 40 Jahren, der Konzern erlebte gerade seinen großen Boom.

Und so entstand auch in der Dumeklemmerstadt ein mehrgeschossiges Kaufhaus in bester Lage — was dem Kaufhaus Aufterbeck zu viel Konkurrenz bescherte. Es musste schließen, später wurde das neue Stadttor gebaut.