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Große Feste kommen in Ratingen auf den Prüfstand

Ratingen : Corona: Schützenfest steht auf der Kippe

Auch Termine wie das Ratinger Festival sind durch die Corona-Krise gefährdet. Noch warten die Veranstalter auf NRW-Erlässe.

Es ist eine große Gemengelage aus Enttäuschung und Verständnis, aus Sorge und Hoffnung. Mit Blick auf die ­Corona-Pandemie wird es auch in den nächsten Monaten viele Beschränkungen geben, die das öffentliche Leben stark beeinflussen werden. Die Tatsache, dass zum Beispiel Großveranstaltungen bis 31. August nicht erlaubt sind, wirft bei kommunalen Organisatoren viele Fragen auf. Nina Bauer, Geschäftsführerin von Ratingen Marketing, verfolgt die Nachrichtenlage sehr genau. Zwischen dem 21. und 23. August soll das Ratingen-Festival in der City stattfinden. „Wir müssen jetzt den Erlass der Landesregierung abwarten und prüfen, unter welchen Voraussetzungen Veranstaltungen überhaupt stattfinden können“, sagte Bauer. Noch sei es jedenfalls zu früh, eine konkrete Entscheidung zu fällen, erklärte sie.

Die aktuelle Entwicklung ist natürlich auch ein Thema bei den Stadtwerken. Geschäftsführer Marc Bunse betonte gestern, dass völlig offen sei, ob es eine Freibadsaison geben werde. „Im vergangenen Jahr war es vorgekommen, dass an einem heißen Sommertag 3000 Besucher ins Freibad strömten“, sagte er. Rund 200 000 Euro nehmen die Stadtwerke pro Monat bei den Bädern ein – Geld, das vorerst nicht hereinkommt. Mit Blick auf Dauerkarteninhaber bemühe man sich um eine technische Lösung: Die Zeit des Ausfalls soll auf der Karte sozusagen angerechnet werden. Sie wäre dann länger nutzbar. Ob es so kommen wird, ist aber noch nicht klar.

Das Schützenfest sollte am ersten August-Wochenende stattfinden

Und was wird aus dem großen Schützenfest, das am ersten August-Wochenende stattfinden sollte? Gero Keusen, der Chef der Sankt Sebastiani-Schützenbruderschaft, betonte, dass man sich den Erlass genau anschauen und dann entscheiden werde. „Eine Frage ist ja, wie eine Großveranstaltung überhaupt definiert wird“, meinte er. Fest stehe jedenfalls, dass das Motto „Schützen schützen“ Vorrang habe, die Gesundheit stünde an erster Stelle. Eine Frage ist auch, ob man das Fest terminlich weiter nach hinten ziehen kann. „An diesem Fest hängen ja auch viele logistische Dinge“, bemerkte Keusen.

Die Zelt-Zeit am Grünen See über Pfingsten mit ihren vielen Outdoor-Aktivitäten wird in der Form der vergangenen Jahren nicht stattfinden können. „Wir bedauern das sehr, das ist ja klar“, meinte Mitorganisator Heiner van Schwamen. Was das wirtschaftlich bedeute, sei noch nicht abzusehen. „Wir denken darüber nach, ob nicht manche Elemente in anderer Form an einem anderem Ort realisiert werden können“, betonte van Schwamen. Durch die geplanten Lockerungen bei der Öffnung von Geschäften sind strenge Hygienemaßnahmen erforderlich.

„Die Hygienemaßnahmen stehen in den Corona-Verordnungen des Landes. Die sind allerdings nicht besonders umfangreich“, erklärte City-Kauf-Chef Bernd Schultz, der zugleich das Buchcafé „Peter und Paula“ betreibt. Demnach müssen alle Geschäfte Desinfektionsmittel zur Verfügung stellen – sofern vorhanden und erhältlich. „Wir dürfen nur eine Person je zehn Quadratmeter in unseren Laden hereinlassen, das wären bei uns also höchstens zehn gleichzeitig, die allerdings untereinander den Mindestabstand von 1,50 Meter einhalten müssen.“ Vor seiner Kasse soll eine Acrylglaswand eingerichtet werden, sodass beim Bezahlen ein Schutz vorhanden ist.

Und was sagt die Politik zu den Entwicklungen? „Zum derzeitigen Stand kann ich keine abschließende Bewertung formulieren, da ich zunächst alle Details der noch umzusetzenden Regelungen abwarten möchte“, meinte CDU-Vorsitzender Patrick ­Anders.

Rainer Vogt von der Bürger Union begrüßte die Ladenöffnungen für kleinere Einzelhändler. „Nach vier Wochen mit großem oder totalem Umsatzverlust ist dies eine gute Nachricht“, sagte Vogt. Er mahnte an, dass nun auch Hotellerie und Gastronomie schnellstmöglich Planungssicherheit bräuchten. Ganz anders sah dies Thomas Woywod, Fraktionsvorsitzender der Optimisten. „Tatsache ist, dass die aktuelle Situation ausschließlich durch Verhaltensänderungen entstanden ist. Wir sind gegen jede Lockerung, da hier eine falsche Botschaft gesendet wird, nämlich, dass das Virus im Griff ist.“

Die Grünen um Mareike Wingerath und Hermann Pöhling können den Lockerungen etwas Positives abgewinnen. „Solange die Abstandsregeln eingehalten werden können und die Menschen rücksichtsvoll mit Maske zum Einkaufen gehen, sollte man das versuchen“, meinte Parteichefin Wingerath. Fraktionschef Pöhling erklärte, dass es nicht auf die Quadratmeter ankomme, sondern darauf, ob Verkaufspersonal und Kunden Platz genug haben, Abstandsregeln einzuhalten. „In den Geschäften, die ich besucht habe, klappt das ziemlich gut“, so Pöhling.