Ersatzbusse verärgern die Kunden

Ersatzbusse verärgern die Kunden

Die S 6 fährt aktuell nicht, dafür werden Busse eingesetzt. Doch diese sind völlig überhitzt und defekt. Außerdem fühlen sich viele Nutzer schlecht informiert.

Ratingen. Während der Hitzeperiode haben die meisten Autofahrer inzwischen gelernt: Man lässt keine Lebewesen in aufgeheizten Autos zurück. An den Griff zum Nothammer dachten aber auch Bahnkunden auf der S 6-Strecke von Essen nach Ost: Dort läuft bis zum Ende der Ferien der Schienenersatzverkehr (SEV) mit Gelenkbussen.

In mindesten einem dieser Busse von Subunternehmen ist jetzt die Klimaanlage komplett ausgefallen, es gibt keine Fenster, die man öffnen könnte. Nur der Fahrer hat eins — und machte angesichts der Innentemperatur von gefühlt 40 bis 50 Grad einen erstaunlich frischen Eindruck. Das beruhigte, denn damit war die Sicherheit gewährleistet.

Im SEV-Verkehr sind offenbar größtenteils alte, aus dem Liniendienst ausgemusterte Busse unterwegs. Nach Angaben eines Bahnsprechers seien im SEV grundsätzlich klimatisierte Busse unterwegs. Allerdings gerieten die Klimaanlagen beim Dauereinsatz bei den hohen Außentemperaturen auch schon mal an ihre Leistungsgrenze. Der Fahrer sei verantwortlich für weitere Maßnahmen, hieß es.

Die Bahn kontrolliere ihre Subunternehmen regelmäßig. Beschwerden und auch Hinweise würden über die Bahn-Hotline entgegengenommen. Den Fahrern zollte der Sprecher angesichts der Temperaturen „großen Respekt“.

Gibt es eigentlich maximal zulässige „Arbeitstemperaturen“ für Busfahrer? Claudia Partha von der Pressestelle der Polizei Kreis Mettmann sagt: Nein! Im Gegensatz zu Reisebussen würden Linienbusse nur bei normalen Verkehrskontrollen überprüft, ansonsten sei der TÜV zuständig.

Die Subunternehmen, die für die Bahn unterwegs sind, fahren auch teilweise für die Rheinbahn. Georg Schumacher, Pressesprecher der Rheinbahn, kennt keine Schwellenwerte für Fahrer. Letztlich sei der Fahrer als „Kapitän“ verantwortlich. Es könne schon sein, dass die Klimaanlagen derzeit schwächelten.

Man selbst achte bei Bestellungen von Neubussen darauf, dass es auch in Bussen mit Klimaanlagen immer Fenster zum Öffnen gebe. Was die Subunternehmen angehe, sei es derzeit „sehr schwer, Busse und Fahrer“ zu bekommen. Es gebe in den Ferien sehr viele Baustellen mit entsprechenden Umleitungen und Ersatzverkehren: „Landauf, landab wird gebaut.“ Davon sei die Rheinbahn betroffen.

Am Wochenende gab es Ärger mit der S 6, die eigentlich ab Ratingen-Ost fahren soll: Etliche Dumeklemmer warteten in Ost vergeblich auf die Bahn, es habe keinerlei Anzeigen gegeben — bis auf den Hinweis zum Schienenersatzverkehr (SEV) in Richtung Essen-Hauptbahnhof. Auch der ansonsten sehr aktuelle Twitter-Account der Bahn für NRW (twitter.com/Regio_NRW) schwieg sich über die S 6 aus, dort wurden nur einzelne Zugausfälle gemeldet.

Die klare Ansage sei von einem Bewohner des Bahnhofsgebäudes gekommen: Aus dem Fenster habe er gerufen, dass seit Mitternacht nichts mehr laufe, berichtete eine 25-Jährige. Sie hatte sich von ihrem Vater eigens zum Bahnhof Ost bringen lassen, um nach Köln zu fahren.

Auf der Internetseite der Bahn (bahn.de) gibt es diesen, offenbar neuen Hinweis: „Samstags und sonntags fallen die S-Bahnen zwischen Düsseldorf-Rath und Essen Hbf aus. Als Ersatz verkehren Busse zwischen Düsseldorf-Rath Mitte und Essen-Hauptbahnhof (mit Umstieg von Bus zu Bus in Ratingen Ost).“

Deshalb warteten die Kunden auf dem Bahnsteig vergeblich. Immerhin hatte der Bahn-Sprecher eine gute Nachricht: Die Arbeiten entlang der S 6-Strecke von Ost nach Essen seien voll im Zeitplan. Ab Montagmorgen, 13. August, soll die S 6 wieder komplett fahren.

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