Ratingen : Eiskeller: Ein historischer und kühler Ort

Ratingen : Eiskeller: Ein historischer und kühler Ort

Bei Hitze lässt es sich im Eiskeller im Dicken Turm in Ratingen aushalten. Der Ort wurde 1507 als Gefängnis genutzt, danach wurden Lebensmittel dort gelagert. Der Heimatverein richtete den Turm wieder her.

Ganz kalt ist es, als die Tür zum Eiskeller des Dicken Turms aufgeht. Der Eiskeller, der nur über einen schmalen Zugang am Stadtgraben zu erreichen ist, macht seinem Namen alle Ehren. Gefühlte 15 Grad. Bei dieser Saharahitze eine wahre Wohltat. „Nicht ganz“, sagt Karl-Heinz Dahmen und schaut auf sein Temperaturmessgerät. 23 Grad zeigt es an. „Viele denken immer, dass es so wahnsinnig kalt hier unten ist wegen des Namens.“ Trotzdem: In dem fünf Meter tiefen Eiskeller, ohne Fenster, nur von einem Backsteingemäuer umgeben, lässt es einem das Blut in den Adern gefrieren.

Auch als Dahmen, Turmbaas der Ratinger Jonges und einer der Verantwortlichen des Turmes, erklärt: „1507 wurde hier der erste Mörder eingebuchtet.“ Einst schmorten hier die Gefangenen. Heute stehen im Eiskeller einzig und allein ein Tisch und ein paar Stühle. „Alles ist hier noch im Originalzustand. Nur einen Luftdurchfeuchter haben wir hier reingestellt. Sonst müffelt es so,“ erklärt Dahmen. Im Jahr 1862 wurde dieser Raum dann als sogenannter Eiskeller eingerichtet. „In dieser Zeit gab es noch keine Kühlschränke, deshalb wurde dieser Raum als Lager für Lebensmittel genutzt“, so der 77-Jährige. Im Mittelalter war auf dieser Ebene dann die Armenküche untergebracht. Man vermutet, dass es dort des Öfteren frischen Fisch gegeben habe, denn im benachbarten Stadtgraben wurden diese gezüchtet.

Zu dem Turm gehören
insgesamt drei Räume

Der Eiskeller ist einer von drei Räumen im Dicken Turm an der Turmstraße. „Das obere Dachgeschoss wurde früher als Wachstube für die Soldaten genutzt“, so Dahmen. Heute dient es als Geschäftsstelle und Archiv der Jonges. Dass der Turm an der Turmstraße heute noch erhalten ist, ist einem Glücksfall zu verdanken. 1901 sollte der Turm abgerissen werden. Das wurde zum Glück abgelehnt, erzählt Dahmen. 2003 hat sich der Ratinger Heimatverein dann auf die Fahne geschrieben, das Wahrzeichen von Grund auf zu sanieren und restaurieren. Das sei zunächst gar nicht so einfach gewesen. „Der Dicke Turm hatte kein Dach. Es hat dort vorher 500 Jahre hineingeregnet. Dann mussten wir erstmal 20 Liter Wasser aus jeder Etage rausschaffen.“ Aber es habe sich gelohnt. Heute durchflutet Tageslicht alle Ebenen des Turms bis zum Keller.

Das Dach hat eine verglaste Fläche, wie die beiden Stockwerke auch. So kann man vom Dachgeschoss bis zum Eiskeller hinunterschauen. „Mich fasziniert einfach alles an diesem Gebäude. Und auch die Leute sind begeistert“, erzählt der 77-Jährige stolz. Dahmen pflegt nicht nur das Gebäude, er führt Besucher auch regelmäßig durch die Gänge des 13 Meter hohen Turms.

Seine wertvollste Erinnerung? „Ich war damals im zweiten oder dritten Schuljahr. Da habe ich den Turm dann zusammen mit meinem Lehrer und den anderen Schülern zum ersten Mal besichtigt. Niemals hätte ich gedacht, dass ich hier irgendwann wieder landen werde“, gesteht er. Noch in diesem Jahr geht er in Rente.

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