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Einzelhandel: Das Geschäftssterben in Lintorf beginnt

Einzelhandel: Das Geschäftssterben in Lintorf beginnt

Schließungen in Lintorf: Seit Samstag ist die Buchhandlung zu, „Zauberflöte“ und „Schepps Tierwelt“ folgen im Sommer.

Lintorf. Herber Rückschlag für das Einkaufszentrum Lintorf: Drei „Flaggschiffe“, die bislang als gute Kundenmagnete galten, machen zu. Die Buchhandlung an der Speestraße hatte am gestrigen verkaufsoffenen Sonntag schon per Aushang darauf hingewiesen: „geschlossen“. Der Spielzeugladen „Zauberflöte“ schräg gegenüber wird zu den Sommerferien schließen, spätestens dann macht auch „Schepps Tierwelt“ die Ladentür für immer zu.

Die Kunden reagierten überrascht, traurig, teils auch entsetzt. „Ich kann das gar nicht glauben. Das ist sehr, sehr schade — gerade für meine Generation. Wir wollen die Bücher noch in der Hand halten, nicht am Computer aussuchen“, sagte Maria Piorr. „Sehr traurig“ fand die Schließung der Buchhandlung auch Ulrike Groß, die auf den letzten Drücker noch versucht hat, einen 50-Euro-Büchergutschein einzulösen.

1996 hatte die Buchhandlung an der Speestraße eröffnet — damals eine echte Marktlücke. Die Zuspruch der Kundschaft war so gut, dass das Geschäft 2000 erweiterte und seine Ladenfläche verdoppelte. „Es liegt am veränderten Einkaufsverhalten“, versuchte Geschäftsführerin Caroline Schäfer eine Erklärung, warum die Buchhandlung zuletzt „nicht mehr wirtschaftlich“ war. Immer mehr Leute würden ihre Waren zu Hause am PC bestellen, anstatt in die Geschäfte zu kommen. „Davon sind viele Branchen betroffen.“ Dazu komme, dass eine Buchhandlung ein Vollsortiment vorhalten müsse — Kapital, das nur in den Regalen steht. Die Vorteile, nämlich eine persönliche Beratung und die Möglichkeit, in den Büchern zu blättern, hätten offenbar gegen die Bequemlichkeit verloren.

Das Internet mit seinem gigantischen Warenangebot sei auch ein wichtiger Grund dafür, dass in der „Zauberflöte“ bald die Lichter ausgehen. „Die Stammkunden reichen nicht“, sagte Verkäuferin Dorothee Krüll. Besonders bitter: Manche Kunden ließen sich ausführlich beraten und bestellten dann woanders. Oder sie nannten einen Internetpreis und wollten große Nachlässe.

Für Dorothee Krüll geht nicht nur der Spielzeugladen, sondern auch ein Stück Lebenskultur zugrunde. Sie hat viele Lintorfer Kinder groß werden sehen: „Zuerst kamen sie im Kinderwagen, später allein. Gegenüber in die Eisdiele oder hier in den Spielzeugladen — das waren für viele Kinder die Wege, die sie erstmals alleine gegangen sind.“ Kundin Anita Mintsch ist enttäuscht und traurig: „Das ist sehr schade um das Geschäft.“ Schuld seien vor allem die großen Händler.

Resigniert hat inzwischen auch Margret Schepp von der gleichnamigen „Tierwelt“. „Es rechnet sich einfach nicht mehr. Manche Leute kommen mit ihrem Hund, probieren ihm ein Mäntelchen an und kaufen es dann im Internet.“ Oder sie mache eine ausführliche Ernährungsberatung, sehe die Kunden aber nie wieder. „Viele glauben, die großen Ketten seien bei allem billiger. Das stimmt aber nicht.“ Bis vor zwei Jahren konnte das Geschäft an der Speestraße seine Inhaber noch gerade so ernähren, jetzt nicht mehr. Im Sommer schließt Margret Schepp für immer die Ladentür. Künftig will sie Golden Retriever züchten.