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Ehrenamtler: Stille Helfer im Hintergrund

Ehrenamtler: Stille Helfer im Hintergrund

Auch beim Brand an der Erfurter Straße waren Ehrenamtler vom Roten Kreuz schnell vor Ort.

Lintorf. Sie sind schnell, bestens organisiert — und meistens unauffällig: die Einsatztrupps des Roten Kreuzes. Als es Samstagnacht im Hochhaus an der Erfurter Straße zum ersten Mal gebrannt hat, alarmierte die Leitstelle der Feuerwehr um 3 Uhr die Ehrenamtler: Die mehr als 100 bei dem Großeinsatz geretteten Menschen mussten nicht nur ärztlich untersucht, sondern auch versorgt und betreut werden. Und da das Hochhaus komplett vom Stromnetz getrennt wurde, brauchten etliche Bewohner in der Nacht eine Bleibe. Dafür sollte der Trupp vom Roten Kreuz sorgen.

Per Alarmruf wurden die Ehrenamtler aus dem Schlaf geklingelt. In kurzen Abständen trafen sie auf der Wache Am Sonnenschein in Lintorf ein. „Ein Vorauskommando ist mit Kaltgetränken schon zum Einsatzort vorausgefahren, um die Feuerwehrleute zu versorgen und die Lage zu klären“, sagt Bereitschaftsleiterin Kerstin Gerlach. Die anderen warfen auf der Wache in Lintorf die Kaffeemaschinen und Heißwassergeräte an, um literweise Tee und Kaffee zu kochen, die dann in sogenannte Thermophoren gefüllt wurden — zehn Liter und mehr fassende Warmhaltebehälter.

Gleichzeitig wurde auf der Wache in Mettmann der Anhänger mit Feldbetten an den VW-Bus angekoppelt und nach Ratingen-West gefahren. „40 Betten sind darauf verladen und sofort einsatzbereit“, sagt Stefan Vieth vom DRK-Kreisverband. Zu jedem Klappbett gehört ein Sack mit der passenden Bettwäsche: zwei Wolldecken, Laken, Kopfkissen und Bezügen. Vieth: „So hat man mit einem Griff alles beisammen.“ Die Betten mit Alu-Gestell sind ultraleicht und können mit wenigen Handgriffen aufgestellt werden.

Gerlach: „Wir hatten das Glück, dass wir am Einsatzort die Schule gegenüber nutzen konnten.“ In mehreren Klassenzimmern wurden die Schlafstätten aufgebaut, in der Mensa die Lebensmittelversorgung bereitgestellt. Apropos Lebensmittel: Ein Grundstock lagert auf der Wache in Lintorf, in der Brandnacht wurde weiterer Bedarf aktuell organisiert: „Samstagfrüh haben wir bei Harry Brot angerufen und um 150 Brötchen gebeten“, erinnert sich Gerlach. Die Wurst bekamen sie ebenfalls nach einem Anruf — bei einem Lintorfer Metzger, um 4 Uhr morgens. Marmelade und Margarine wurden an einer Tankstelle besorgt. Danach konnten die Helfer Brötchen für die Brandgeschädigten schmieren.

33 Helfer umfasst eine komplette Einsatzeinheit, in Ratingen waren 23 an der Erfurter Straße dabei. Vieth: „Viele Hände — schnelles Ende. Also: Je mehr mit anpacken, desto schneller ist alles erledigt.“ Gegen 9.30 Uhr wurde am Samstag alles Material zusammengepackt und zur Wache nach Lintorf gefahren, gereinigt und im Lager verstaut. Denn es gilt: Nach dem Einsatz ist vor dem Einsatz.