Ratingen kann Lebensqualität Ein alter Park braucht seine Macher

Serie | Ratingen · Ein Ratinger Trio kennt sich nicht nur in Ökologie und Botanik bestens aus. Warum der Begriff „Feierabend-Erholung“ eine feststehende Bezeichnung und der Poensgenpark so wertvoll ist – nicht nur für die Stadt Ratingen.

Joachim Dorner, Gunhild van Offern und Berndt Hoffmann (v.l.) sind die Köpfe hinter vielen Ideen für den Poensgenpark, der mit seiner Vielfalt begeistert.

Joachim Dorner, Gunhild van Offern und Berndt Hoffmann (v.l.) sind die Köpfe hinter vielen Ideen für den Poensgenpark, der mit seiner Vielfalt begeistert.

Foto: Achim Blazy (abz)

Der Eingang zum Poensgenpark via Brügelmannweg ist für Gunhild van Offern alles andere als eine x-beliebige Ratinger Adresse. „Der 15. August 1983 war mein erster Arbeitstag bei der Stadt Ratingen. Und meine Arbeit fing genau hier an.“ Landschaftsgärtnerin – das ist ihre Erstausbildung. Landschaftsarchitektur beschäftigte sie anschließend im Studium, inzwischen ist sie App-Entwicklerin für Geoinformationen. Bei aller speziellen Mehrfachqualifikation – ungeachtet aller Stadtgrenzen und einem Stadtgartenprojekt für Ratingen: Arbeit im und für den Poensgenpark ist für sie eine Konstante geblieben. Und die Liebe zu diesem viereinhalb Hektar großen gartenbautechnischen Juwel, das seit 1997 unter Denkmalschutz steht und 2005 in die Liste der „Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas“ aufgenommen wurde. Inzwischen gehört van Offern dem Förderverein des Parks an, ist dessen zweite Vorsitzende.

Die ursprüngliche Parkanlage geht auf das Jahr 1907 zurück.

Die ursprüngliche Parkanlage geht auf das Jahr 1907 zurück.

Foto: Achim Blazy (abz)

Der Anfang aller Parkarbeit? Hingehen. Und wenn sie von Berndt Hoffmann und Dieter Dorner begleitet wird, ist ein Trio komplett, das im Verein und in der Stadt für Ideen rund um und hinter dem Poensgenpark steht. Der Verein, Gründungsjahr 2015, entstand nach der Wetterkatastrophe des Pfingstorkans „Ela“.

Schulklassen mitsamt Lehrern nutzen Wiesen und Bänke

Eine der Folgen: „Der aktuelle Baumbestand ist nicht mehr kartiert seither, das müsste dringend auf den aktuellen Stand gebracht werden“, bedauern die drei einmütig. Die letzte präzise Fassung stamme aus dem Jahr 2009, da waren 120 Arten vermerkt. Zu Zeiten der Parkanlage im Jahr 1907 waren es noch 220. Aber derlei Arbeiten brauchen neben Enthusiasmus auch schlicht mehr kundige Mitstreiter. Zumal der Förderverein nicht für den Park verantwortlich zeichnet. Die Pflege ist Aufgabe der Stadt.

Der Wunschzettel ist noch länger: 220 neue Schilder mit Angaben zu jedem Gewächs, vor dem der Besucher stehen bleibt – das wäre aus Sicht der ehrenamtlichen Experten das Optimum. Denn ihnen ist es ein Dorn im Auge, wenn inzwischen hier und da versehentlich falsche Angaben auf den Schildern zu lesen sind. Immerhin hat es der Poensgenpark zu einem liebevoll und ausführlich gestalteten Eintrag auf der Seite „Arboreten in Deutschland“ gebracht. Ein Fall für Park-Fans und Kenner. „Wer sich dort informiert, möchte natürlich auch vor Ort präzise Informationen erhalten“, sagt van Offern.

Klar ist den dreien auch: Ein Ort wie der Poensgenpark dient nicht nur oder zuerst der Belehrung. „Hier ist eigentlich immer Action“, wissen sie. Ganze Schulklassen mitsamt Lehrern nutzen Wiesen und Bänke, Jogger und Spaziergänger genießen die landschaftsgärtnerisch perfekt geplanten Perspektiven. Das Zusammenspiel solcher Nutzungen hat unter Fachleuten sogar einen eigenen Begriff: „Feierabend-Erholung“. Der bezeichnet beliebte Stellen einer Stadt, die in maximal 500 Meter Abstand zur eigenen Wohnung, zum eigenen Haus im Grünen liegen.