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Ratingen: Der Tüftler vom Weihnachtsmarkt

Ratingen : Der Tüftler vom Weihnachtsmarkt

Walter Manzius ist eine echte Institution auf dem Ratinger Weihnachtsmarkt. Er hat viel Spaß an seinem interessanten Hobby, dem Basteln. Und das hält den 83-Jährigen jung, sagt er über sich selbst.

Vom Ratinger Weihnachtsmarkt ist Walter Manzius nicht mehr wegzudenken. In seinem Zelt wird gesägt und gefeilt, was das Zeug hält. Die Kinder können sich ein Tier aussuchen, das sie gerne aus Sperrholz basteln möchten. Und wenn es mal nicht so ganz klappt, dann ist Walter Manzius gern zur Stelle, denn er versteht sich als „die dritte Hand“ der Bastler. „Seit rund 30 Jahren mache ich mit Kindern Holzbau-Projekte“, erzählt er. Dazu besucht er Schulen, wo er mit den Kindern Hampelmänner in allen Variationen oder Fackeln herstellt. „Mit Sperrholz kann man mit den Kindern am Besten arbeiten“, erzählt er.

So könnten die Kinder erleben, dass man mit den Händen zaubern kann. Gerade in einer Zeit der zunehmenden Digitalisierung seien solche Erfahrungen wichtig. „Die Kinder wissen nicht mehr, was man alles mit seinen Händen machen kann.“ Manzius liebt den Werkstoff Holz. „Der Geruch, das haptische Anfassen“, schwärmt er. Und am Ende das Glücksgefühl, mitzuerleben, wenn die Kinder ihr Werk vollendet haben und stolz auf das sind, was sie geleistet haben.

Ursprünglich wollte Tüftler Manzius Möbelschreiner werden

Eigentlich wollte Walter Manzius Möbelschreiner werden. Doch in den 1950er Jahren erklärte man ihm, das sei ein Beruf ohne Zukunft. So entschloss er sich, Starkstromelektriker zu werden. Als Elektrotechniker musste er vor allem „Blackbox-Wissen vermitteln“.

Sein Leben lang hat er Leute ausgebildet. Für das Graf-Recke-Stift hat er junge Menschen so gefördert, dass sie fit waren, eine Ausbildung zu machen.

Auch in der Erwachsenenbildung war Manzius tätig. „Mein Beruf war nie mein Hobby“, gibt er zu. Deshalb suchte er sich ein ganz außergewöhnliches Hobby – Manzius baute komplizierte astronomische Apparate und Uhren. „Ich bin ein Autodidakt“, betont er, „ich habe ja keine Uhrmacher-Ausbildung.“ Sein Wissen hat er sich aus Fachbüchern geholt.

Und dann hat er sich ans Werk gemacht. „Der Autodidakt ist dem Professionellen meist überlegen“, hat Walter Manzius erlebt, „weil der Autodidakt den Willen hat, es zu schaffen und deshalb mehr Ehrgeiz aufbringt.“ So wie Manzius. Gebaut hat er zum Beispiel eine Mittagskanone – eine Art Sonnenuhr, die in Schlossgärten aufgestellt wurde und die Mittagsstunde schoss.

Oder die Globenuhr, die im 16. Jahrhundert beliebt war. „Dann kam später die Weltzeituhr, und ich habe aus meiner Globenuhr eine Weltzeituhr gemacht“, erklärt der Modellbauer. Da er für jedes Einzelteil eine eigene Schablone selbst herstellen musste, hat er von jedem Modell drei Exemplare gebaut.In der Sparkasse wurden seine ungewöhnlichen Uhren-Modelle bereits ausgestellt. Auch mit Künstlern hat Walter Manzius zusammengearbeitet.

Ab und zu verkauft der Bastler auch eines seiner Werke

Hin und wieder hat er auch ein Exemplar verkauft. „Um Geld für das nächste Projekt zu haben“, erklärt er, „vor allem für die Lokomotive habe ich viel Geld gebraucht.“ Die Lokomotive war ein Fünf-Jahres-Projekt.

Eine der drei Lokomotiven steht heute in einem Museum. Doch das Modellbauen hat Walter Manzius inzwischen beendet. „Fünf Jahre lang jeden Tag vier Stunden dranzubleiben, dazu habe ich nicht mehr die Kraft“, erzählt er. Denn mittlerweile ist der Modellbauer 83 Jahre alt. Dass man ihm das nicht ansieht, hat vor allem einen Grund, wie er betont: „Wenn man Arbeit hat, hält das jung“, sagt Manzius nicht ganz
unzufrieden.