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Der syrische Erfinder bei der Feuerwehr

Ratingen : Syrischer Flüchtling ist nun Erfinder

Maher Al Masri arbeitet als Industriemechaniker bei der Ratinger Feuerwehr.

Sein Gespür fürs Praktische, sein handwerkliches Geschick und nicht zuletzt sein Erfindungsreichtum begeistern und erstaunen die Kollegen bei der Feuerwehr immer wieder aufs Neue. Maher Al Masri kümmert sich am Voisweg um Fahrzeuge und Material – inzwischen als ausgebildeter
Industriemechaniker.

Bürgermeister Klaus Pesch schaute am Mittwoch in der Feuerwache vorbei, um Maher Al Masri zur bestandenen Abschlussprüfung zu gratulieren. Denn Pesch hatte den Weg von Al Masri, der im Jahr 2014 mit seiner Familie vor dem Krieg aus seiner syrischen Heimatstadt Homs geflüchtet war, immer im Blick behalten. Denn die Ausbildung und die nun folgende Festanstellung haben sogar den Rat der Stadt beschäftigt. Der bewilligte nämlich die Einrichtung der neuen Stelle.

Das sei kein Geschenk gewesen, betont Pesch. Vielmehr habe der 41-Jährige alle von sich und seinen Fähigkeiten überzeugen können. Und auch von seiner Leidenschaft für die Arbeit. Schon kurz nach seiner Ankunft in Lintorf war sein größter Wunsch: „Ich wollte arbeiten“, sagt Al Masri. Es war wohl mehr der Zufall, der ihn dann beim Lintorfer Handwerkermarkt zur Feuerwehr führte. Nach ersten Kontakten und schließlich einem Gespräch mit Feuerwehrchef Rene Schubert war dann klar: Al Masri konnte ein sechswöchiges Praktikum machen. Es folgten zwölf Monate im Bundesfreiwilligendienst und dann mit Unterstützung der Feuerwehr die Ausbildung zum Industriemechaniker. Eigentlich ist Al Masri gelernter Kfz-Mechaniker, „doch ich hatte keine Urkunden“, sagt er. Die hatte er bei der Flucht aus Syrien nicht mitnehmen können.

Seine Sorge, er wäre in der Berufsschule vielleicht der Älteste, bewahrheiteten sich schließlich nicht. „Da waren einige noch älter als ich“, sagt er. Neben der Schule und der praktischen Ausbildung lernte Al Masri Deutsch. „Nach der Arbeit bin ich oft nach Hause, habe mich umgezogen, schnell etwas gegessen und bin dann zur Volkshochschule.“

Das Engagement hat sich gelohnt. Und es geht noch weiter. Der 41-Jährige ist inzwischen bei der Freiwilligen Feuerwehr in Lintorf, hat die ersten Lehrgänge bereits erfolgreich absolviert. „Bei der Feuerwehr“, sagt er, „ist wie in einer Familie.“ Er schätzt die Kameradschaft, dass einer für den anderen eintritt. Und nicht nur bei der Feuerwehr fühlt Al Masri sich akzeptiert. „In Lintorf habe ich nette Nachbarn, meine Kinder können sicher und stressfrei leben und haben auch in der Schule und im Kindergarten keine Probleme.“

Am Voisweg hat Als Masri beruflich schon deutliche Spuren hinterlassen. Er hat das Gerätefahrzeug innen komplett so umgebaut, dass alle Gerätschaften hineinpassen, und zwar sicher verstaut. Dazu greift der 41-Jährige auch zu ungewöhnlichen Dingen, wie Schwimmnudeln aus dem Badebetrieb, die als Puffer dienen. Sobald er eine Idee hat, setzt er sie gleich um. Dann staunen die Kollegen nicht schlecht, wenn er wie mit der Präzision eines Roboters das Schweißgerät bedient.

Sein größter Wunsch und auch der der Kollegen ist, dass Al Masri und seine Familie dauerhaft in Deutschland bleiben können.