Ein besonderes Wohnobjekt : Ein Gebäudekomplex der Superlative

Der Lindwurm in Ratingen West ist eine der größten Eigentumsimmobilien. Für Verwalter Lars Büth eine besondere Herausforderung.

Er umfasst 15 Hausnummern, erstreckt sich, um eine Grünanlage gruppiert, zwischen drei Straßen; an der höchsten Stelle ist das wellenförmige Gebäude bis zu 16 Stockwerke hoch und umfasst insgesamt knapp 600 Eigentumswohnungen. Der „Lindwurm“, wie die Ratinger ihn nennen, ist ein Gebäudekomplex der Superlative. Es ist die größte Eigentumsimmobilie in Nordrhein-Westfalen.

Um der Wohnungsnot zu begegnen, entschied sich die Stadt Ratingen in den 1960er-Jahren, knapp 6000 Wohnungen aus dem Boden zu stampfen. Geplant war eine Mischbebauung aus Eigentumswohnungen, Eigenheimen (so entstand das idyllische Grachtenviertel, das ebenso in den Niederlanden angesiedelt sein könnte) und gefördertem Wohnraum. Gemeinsam bildeten sie den damals modernsten Stadtteil Ratingens, der damals noch Neu-Eckamp hieß, heute aber schlicht als West bezeichnet wird. Doch nur ein Gebäude formte die unverkennbare Skyline des Stadtteils – der Lindwurm.

Nach rund sechs Jahren Bautätigkeit konnten im März 1972 die ersten Familien einziehen. Sie erfreuten sich seinerzeit einer modernen Wohnungsausstattung. Alle Räume waren hell und mit viel Tageslicht geplant, Wohnzimmer hatten durchweg eine damals großzügig bemessene Größe von 20 Quadratmetern, moderne Einbauküchen und Bäder mit fließendem warmen Wasser waren für viele Eigentümer damals ein Meilenstein. Was die Bewohner des Lindwurms heute noch schätzen: Im gesamten Stadtteil können sie sich autofrei bewegen.

Nicht ganz so einfach ist es, 600 Eigentümer und ihre – oft unterschiedlichen – Interessen unter einen Hut zu bekommen. Für Lars Büth von der Büth Verwaltungsgesellschaft, die den Lindwurm betreut, ist es trotzdem ein ganz besonderes Projekt. „Allein aufgrund seiner Größe ist der Lindwurm schon einmalig“, sagt er. Die Aufgaben des Verwalters sind vielfältig: „Wir verwalten das Gemeinschaftseigentum“, so Büth. Dazu gehört unter anderem die Pflege der Außenanlagen, des Treppenhauses, Wasser, Strom, Versicherung; kurz: „die kaufmännische, technische und juristische Betreuung der Eigentümer.“ Und ein bisschen sind die Verwalter eben auch Psychologen und Streitschlichter.

Das ganze Haus sei so etwas
wie gelebte Demokratie

„Überall, wo so viele Menschen zusammenleben, gibt es Differenzen“, so Büth. „Das hat aber nichts mit dem Lindwurm zu tun.“ Da stören die Schuhe vor der Wohnungstür, oder der Nachbar feiert zu laut – „meist sind es zwischenmenschliche Probleme“, sagt Büth. „Wir versuchen immer zuerst, zu vermitteln.“ Und da spricht er dem Lindwurm ein großes Lob aus. Das ganze Haus sei so etwas wie gelebte Demokratie im Kleinformat. Die Eigentümerversammlungen werden von 150 bis 250 Personen besucht. Die meisten Eigentümer strebten eine harmonische Gemeinschaft an. Also wird argumentiert, diskutiert und schließlich ein Mehrheitsbeschluss gefasst, der von allen getragen wird. Persönliche Interessen, die dem Beschluss entgegenstehen, müssen schlicht untergeordnet werden. „Das klappt nur im Team“, so Büth. „Wir bekommen große Unterstützung aus dem Objekt. Hausmeister und Verwaltungsbeirat sind sehr engagiert und federn einiges ab.“

Büth kann ziemlich genau skizzieren, was die Eigentümer derzeit besonders umtreibt: „Wir erleben zurzeit kaum eine Eigentümerversammlung, bei der nicht das Thema erneuerbare Energien zur Sprache kommt“, berichtet er. Oft werde der Ruf nach Fotovoltaikanlagen und Luftwärmepumpen laut. Und nicht selten ist Büth der Überbringer der schlechten Nachricht, dass sich das so einfach nicht umsetzen lässt. „Baulich ist das nicht immer möglich und steuerrechtlich äußerst kompliziert“, sagt Büth. Auch das Thema E-Mobilität werde häufig angesprochen. Spätestens, wenn Büth die Kosten vorrechnet, wird die Euphorie der Eigentümer ordentlich gebremst. „Es gibt ungeheuer viele Verordnungen, die einem da das Leben schwer machen. Mal abgesehen davon, dass Sie derzeit weder Fachpersonal noch Material bekommen.“

Wenn es auf den Versammlungen gelegentlich turbulent zugeht, so ist der Lindwurm der Firma Büth, die ihn seit 2012 betreut, doch ans Herz gewachsen. „Es ist eben ein ganz besonderes Objekt.“