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Jeck und aktiv : Der Karneval ist doch für alle da

Jeck und aktiv : Der Karneval ist doch für alle da

Ratingen ist bunt – dies ist das Motto einer besonderen Fußgruppe für den Rosenmontagszug.

Samuel Awasum könnte auf dem Wagen der Ex-Prinzen fahren und dem jecken Volk von oben zujubeln. Das macht er aber nicht. Er weiß, dass er am Rosenmontag (4. März) Teil einer besonderen Fußgruppe sein wird, die ihm längst ans Herz gewachsen ist. Awasum war Prinz in der Session 2017, und er ist die treibende Kraft, die hinter einer besonderen Initiative steckt. Das passende Motto: Ratingen ist bunt.

Awasum, der Vorsitzende des Integrationsrates, will Karneval ohne Grenzen feiern – zusammen mit Menschen, die mitunter stigmatisiert werden, die nicht selten eine Außenseiter-Rolle haben. Seine Botschaft: Diese Menschen gehören ohne Wenn und Aber in die Mitte der Gesellschaft.

Längst ist aus dieser Idee eine große Gruppe geworden: Rund 30 Teilnehmer erfreuten sich im vergangenen Jahr an der einzigartigen Atmosphäre des Rosenmontagszuges. „Es waren Flüchtlingskinder dabei und behinderte Menschen aus dem Kreis der Lebenshilfe“, erzählt Thomas Woywod, im politischen Leben Fraktionschef der Optimisten, im jecken Leben aktueller Prinz.

Kleine Gruppe begann mit Bollerwagen und weißen T-Shirts

Er unterstützt diese Initiative, die mit einer kleinen Gruppe, einem Bollerwagen und schlichten weißen T-Shirts begann. In diesem Jahr machen neben der Lebenshilfe die Caritas und die Diakonie mit. Der Kreis der Organisationen wird größer. Die integrierende Kraft, die vom Karneval ausgeht, hat die Mitstreiter voll überzeugt. Hannelore Becker ist stellvertretende Vorsitzende des Integrationsrates und kümmert sich um Flüchtlingsfamilien.

Zuletzt hat es eine Kostümprobe gegeben. „Die Begeisterung bei den Kindern war natürlich groß“, erzählt sie, „und das Werfen der Kamelle ist ja eine ganz tolle Sache.“ Becker berichtet, dass die Flüchtlinge einen sehr intensiven Eindruck davon bekommen, wie Karneval gefeiert wird und welche Rolle er bei den Menschen spielt. Er definiert sich über ein großes Miteinander, über Lebensfreude und Spaß.

Die Kinder, so Becker, sind immer mit viel Eifer bei der Sache. In den vergangenen Jahren war es so, dass man mit den geworfenen Naschereien auf der Strecke des Rosenmontagszuges nicht sehr weit kam.

Im Kastenwagen der Lebenshilfe wird das Wurfmaterial verstaut

„Da hatten wir keinen Nachschub mehr“, erklärt Woywod, „in diesem Jahr haben wir einen Kastenwagen der Lebenshilfe, darin können wir das Wurfmaterial verstauen.“ Der Wunsch nach einem eigenen Wagen könnte irgendwann Realität werden. „Es ist kein Muss, aber wir würden uns natürlich darüber freuen“, meint Awasum. Auch in diesem Jahr soll die bunte Fußgruppe direkt hinter dem Wagen der Ex-Prinzen ziehen. Details müssen noch besprochen werden. Der aktuelle Prinz unterstreicht: „Das ist auf jeden Fall mein Herzenswunsch.“

Auch Rollstuhlfahrer werden dabei sein. Man braucht noch Helfer, die behinderte Menschen auf der Zugstrecke begleiten. Die Vorfreude ist auf jeden Fall bei allen Beteiligten schon spürbar groß.