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Der Elektroriese ist eingezogen

Der Elektroriese ist eingezogen

LG Electronics ist die größte Ratinger Neuansiedlung der vergangenen Jahre.

Ratingen. Noch schwebt der Geruch von frisch aufgetragener Farbe in den renovierten Räumen. In einer Ecke der weißen Eingangshalle wacht erhaben eine Büste von Firmengründer In-Hwoi Koo. Die Gäste warten. Bevor die Würdenträger zur Tat schreiten und das rote Band vor dem Eingangstor aus Glas zerschneiden, müssen erst noch eher altmodische Geräte aufgetrieben werden — die Scheren fehlen. Sechs Schnitte, dann ist es offiziell: Die Deutschland-Zentrale des südkoreanischen Elektronikherstellers LG Electronics ist in Ratingen angekommen.

Rund 10 000 Quadratmeter Bürofläche hat das Unternehmen an der Berliner Straße angemietet. Innerhalb von nur wenigen Monaten wurde das Gebäude mit der rosabraunen Fassade und den verspiegelten Fenstern komplett renoviert.

Den Umzug aus der vorherigen Zentrale in Willich machen rund 370 Mitarbeiter von LG Electronics und der Firmenschwester LG Display mit. Nun befindet sich die komplette Belegschaft der Abteilungen Handel und Marketing unter einem Dach.

„Die größte Neuansiedlung in den vergangenen Jahren festigt die Spitzenstellung Ratingens als starker, internationaler Wirtschaftsstandort in der Region“, sagte Bürgermeister Harald Birkenkamp zum Coup der Wirtschaftsförderung.

Dafür habe sich die Stadt ins Zeug gelegt. Seit Anfang des Jahres habe die Verwaltung in Kontakt mit dem Elektronikriesen gestanden. Der niedrige Gewerbesteuerhebesatz gab schließlich den Ausschlag gegenüber anderen Bewerbern, zu denen auch Düsseldorf zählte.

„Wir möchten den Angestellten bestmögliche Arbeitsbedingungen bieten“, sagte Jae Deuk Shim, Präsident von LG Electronics Deutschland. Zunächst mussten laut Birkenkamp allerdings Ressentiments gegenüber dem Standort ausgeräumt werden. Auf Betriebsversammlungen konnte der Bürgermeister die Belegschaft von LG davon überzeugen, dass es sich bei Ratingen-West nicht um ein stark belastetes Problemviertel handele, wie einzelne Mitarbeiter zunächst befürchtet hatten.

Außerdem konnte die Stadtverwaltung durch einen Dringlichkeitsantrag eine schnelle Sanierung der umliegenden Berliner- und Brandenburger Straße durchführen. Nach Gesprächen mit der Rheinbahn stimmte das Verkehrsunternehmen schließlich einer höheren Taktung in Richtung Düsseldorfer Flughafen zu. Diese zentrale Lage sei noch ein Vorteil Ratingens gewesen, sagte Birkenkamp.

In der neuen Kantine wurde schließlich noch gefachsimpelt. „Ist auf ihren Geräten eigentlich auch ihr Logo zu sehen?“, fragte Birkenkamp LG-Chef Jae Deuk Shim. Der Firmenleiter zückte prompt sein LG-Smartphone und zeigte Birkenkamp das rote, kreisrunde LG-Gesicht.