Ratingen : „Akteure sehen eine Begrenzung kritisch“

Man sollte die Anzahl reduzieren, aber grundsätzlich seien Plakate wichtig, so Ex-FDP-Chefin Pannes.

Die Debatte geht weiter. Wenn Wahlkampf ist, dann ist auch Plakate-Streit. Und nun hat sich Ex-FDP-Chefin Tina Pannes zu Wort gemeldet. Jetzt die Frage eines Verzichts auf Plakate zu diskutieren, mag etwas spät kommen, meinte die promovierte Politikwissenschaftlerin. Aber man könne sie grundsätzlich stellen, man sollte sogar. Allerdings seien die Aussichten trübe.

„In meiner Zeit als Vorsitzende der FDP Ratingen habe ich mehrfach den Vorstoß unternommen, zu einer freiwilligen Selbstverpflichtung der Parteien zu kommen, die Anzahl der Plakate zu reduzieren. Leider war eine Verständigung nicht möglich, die allermeisten der Akteure sahen und sehen eine Begrenzung kritisch“, betonte sie. Das sei bedauerlich.

Sie ergänzte: „Ich persönlich bleibe dabei, dass wir – gerade in Zeiten, in denen der Online-Wahlkampf an Relevanz gewinnt – auf einige der bunten Bildchen verzichten können. Klar ist aber auch: Die Chance für eine Verständigung ergibt sich nach der Wahl, nicht davor. Wenn die Parteien also nach der Materialschlacht im September zueinander finden und sich noch einmal an einen Tisch setzen, wäre das sicher ­begrüßenswert.“

Richtig bleibt aus ihrer Sicht auch, dass die eine oder andere Kritik an den Plakaten überzogen ist. Sie seien vielleicht in der Masse nicht nötig, aber sie dienten schon einem guten Zweck: Die Parteien schreiben ihre Kernbotschaften darauf und zeigen zudem ihr politisches Personal.

Im Grunde sei das bunte Bild also auch durchaus positiv zu bewerten: „Das ist auf Papier und Pappe gedruckte Demokratie“, so Tina Pannes, die ergänzte: „Und das ein paar Wochen zu ertragen, halte ich für zumutbar. Vielleicht machen die Plakate ja sogar ein bisschen neugierig? Und motivieren zu einem Blick in Programme und zu einem Besuch am Info-Stand. Das wäre dann doch eine schöne Sache.“ Die neu gegründete Wählergemeinschaft der Optimisten will ganz auf Plakate zum Wahlkampf verzichten. „Wir wollen Aufmerksamkeit für unsere Wählergruppe nicht durch lustige Werbesprüche, sondern im Austausch mit den Bürgern erzielen“, erklärte Thomas Woywod, „und dasselbe gilt auch für mich als Bürgermeisterkandidat.“

Das Problem dabei ist aber, dass sich im Zuge der Corona-Pandemie-Beschränkungen kaum Möglichkeiten ergeben, in größeren Versammlungen aufzutreten. Daher setzt man verstärkt auf digitale ­Lösungen.

„Wir haben das Thema Digitalisierung immer so verstanden, dass es dem Bürger nutzen soll. Daher wollen wir unseren Wahlkampf auch intensiv über Online-Lösungen führen“, sagte der stellvertretende Vorstand der Optimisten, Jochen Drahorad. Und er betonte, dass Worte immer nur auf den Weg verweisen, „auf den eigentlichen Weg gelangt man aber nur durch Handeln, also Schritt für Schritt“.

Bisher hängen nur Wahlplakate mit dem Konterfei des Ratinger Amtsinhabers Klaus Konrad Pesch, der für die CDU ­kandidiert, im Stadtgebiet.