Ratingen : Das Rad ist das beste Verkehrsmittel

Ratingen : Das Rad ist das beste Verkehrsmittel

Die städtische Projektgruppe Nachhaltigkeit hat einen Mobilitätstest in Ratingen gemacht.

Testfrage: Wie kommt man am schnellsten und günstigsten von Ratingen in die Düsseldorfer Innenstadt? Mit dem Auto, dem Fahrrad, mit der Straßenbahn oder der S-Bahn? Das wollten die Mitglieder der städtischen Projektgruppe Nachhaltigkeit wissen. Den Anlass bot eine Fachtagung im Malkasten an der Jacobistraße. Die wichtigsten Ergebnisse des Mobilitätschecks vorweg: Klarer Sieger bei der Schnelligkeit war die Kombination S-Bahn/Fahrrad, gefolgt vom Fahrrad als alleinigem Verkehrsmittel, das zudem einen unschlagbaren Kostenfaktor aufwies: nämlich null.

Wie gut sind die gängigen Verkehrsmittel, zum Beispiel auf der Hauptpendlerstrecke zwischen Ratingen und Düsseldorf? Die Antwort gab der Praxistest aus Anlass der sechsten Kommunalen Nachhaltigkeitstagung NRW

Dass man zu einer solchen Veranstaltung klimaschonend fährt, versteht sich von selbst. Also trafen sich zum Start am Düsseldorfer Platz: Umweltdezernent Martin Gentzsch mit seinem Elektro-Kleinwagen, die Fair-Trade-Beauftragte Lena Steinhäuser, die Fahrrad und S-Bahn nutzte, Manfred Kessel, Abteilungsleiter Umweltschutz, und Kommunikationsreferent Egon Schuster, beide mit dem Fahrrad unterwegs, sowie Angelika Genieser aus der Abteilung Umwelt- und Klimaschutz, die mit der U 72 fuhr.

Kombination Fahrrad und S-Bahn ließ sich gut vereinbaren

Das Rennen machte mit klarem Vorsprung Lena Steinhäuser. 26 Minuten von Tür zu Tür. Der entscheidende Vorteil bei der Kombi Fahrrad/S-Bahn: Man kann die Fahrtzeit mit dem Rad präzise kalkulieren und muss keinen Puffer einbauen, um die Bahn sicher zu erreichen. In fünf Minuten war Lena Steinhäuser in Ratingen-Ost, zwei Minuten später stieg sie mit dem Fahrrad in die S 6, weitere 14 Minuten später in Düsseldorf-Wehrhahn aus, und von dort konnte sie gemütlich zum Tagungsort rollen.

Zehn Minuten nach Lena Steinhäuser stellten Manfred Kessel und Egon Schuster ihre Fahrräder vor dem Malkasten ab. Sie radelten die zehn Kilometer zügig mit einer Reisegeschwindigkeit von circa 20 Stundenkilometern, wurden aber natürlich wie jeder Verkehrsteilnehmer durch Ampelstopps aufgehalten. Die gewählte Route über Reichswaldallee und Boskampweg unterhalb des Aaper Waldes bis zur Graf-Recke-Straße, dann über Brehmplatz und Franklinbrücke zum Ziel ist in weiten Teilen autofrei und angenehm zu befahren. Nach 36 Minuten Sport an der frischen Luft bestätigten sie auf den Punkt die Berechnung des Internet-Routenplaners. Genau eine Minute nach Kessel und Schuster traf Umweltdezernent Martin Gentzsch ein. In seinem Fall musste die Berechnung des Routenplaners deutlich korrigiert werden. Zwar hatte Gentzsch zunächst Glück und konnte ohne Stau durchfahren, dann aber verbrachte er eine weitere Viertelstunde mit der Parkplatzsuche und dem Fußweg vom Parkplatz zum Malkasten.

Angelika Genieser kam als letzte an. Sie hatte Pech. Die U 72 um 9.12 Uhr, mit der sie fahren wollte, fiel aus, so dass sie die nächste Bahn nehmen musste. Zum Glück fährt die Stadtbahn im Zehn-Minuten-Takt, so dass Angelika Genieser nach 52 Minuten immer noch pünktlich am Tagungsort eintraf (in dieser Zeit sind fünf Minuten Wartezeit auf die eigentlich eingeplante Bahn einkalkuliert). Bei normalem Verlauf hätte sie nur fünf Minuten länger als Martin Gentzsch gebraucht.

Der zweite wichtige Faktor beim Mobilitätscheck sind die Kosten. Recht einfach zu berechnen sind die unmittelbaren Kosten der Fahrten zur Tagung. Kessel und Schuster radelten natürlich gratis. Auch Lena Steinhäuser musste nichts bezahlen, da sie über ein Ticket 2000 verfügt. Gentzsch hatte auch keine Treibstoffkosten zu tragen, da er das Auto am Vorabend an der heimischen Photovoltaikanlage aufgeladen hatte. Allerdings fielen bis zum Ende der sechsstündigen Tagung 13,30 Euro an Parkgebühren an. Angelika Genieser musste zweimal ihr Viererticket Preisstufe B abstempeln, macht insgesamt elf Euro.

Fixkosten fallen für jedes Verkehrsmittel extra an

Etwas schwieriger ist die Berechnung der Fixkosten, die für jedes Verkehrsmittel anfallen. Nicht auf den Cent genau beziffert werden können sie beim E-Kleinwagen, aber selbst bei einem Ansatz im untersten Durchschnittsbereich dürften sie bei circa 2000 Euro pro Jahr liegen, was, auf einen Tag heruntergebrochen, noch einmal Kosten von rund 5,50 Euro mit sich bringen würde. Lena Steinhäuser muss für ihr Ticket 2000 Stufe B im Abo 1295 Euro pro Jahr bezahlen, macht ungefähr 3,50 Euro pro Tag.

Ein Fahrrad verursacht auch Kosten, diese dürften aber pro Jahr in der Regel im unteren dreistelligen Bereich liegen, also etwa ein Euro pro Tag. Angelika Genieser muss außer ihrem Viererticket keine Fixkosten tragen. Bleibt unter dem Strich also fürs Auto: 18,80 Euro; für Straßenbahn ohne Monatskarte elf Euro; für S-Bahn/Fahrrad mit Ticket 2000 4,50 Euro; fürs Fahrrad allein ein Euro.

Fazit: Die Wahl des Verkehrsmittels kann sich sehr deutlich auf Geldbeutel und Umweltfreundlichkeit auswirken. Im Test lag das Fahrrad in allen Kategorien vorn: In den Punkten Kosten, Umweltfreundlichkeit und sogar mit Blick auf die Schnelligkeit. Red/kle

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