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Crona bereitet Ratinger Optimisten Probleme im Wahlkampf

Ratingen : Optimisten benötigen Unterschriften

Corona hat die Wählergemeinschaft „Die Optimisten“ hart getroffen. Sie zittern um ihre Zulassung zur Wahl.

Die Kommunalwahl am 13. September ist für die Ortsverbände der Parteien in Ratingen eine Herausforderung. Lange herrschte Versammlungsverbot, offensiver Wahlkampf auf den Straßen ist noch immer schwierig. Die Optimisten hat es besonders getroffen. Sie müssen nicht nur die Bürger von ihren Zielen überzeugen, sondern zusätzlich Unterschriften zur Unterstützung ihrer Kandidaten.

Wo sind die Schwierigkeiten in Ratingen?

Thomas Woywod: Wir sind als neue Gruppierung angetreten. Unser Zeitplan war, nach Ostern zu Veranstaltungen und Informationsabenden einzuladen. Dann kam der Lockdown, sodass erst vor Kurzem Versammlungen möglich waren. Um die damit verknüpften Auflagen zu erfüllen, fehlt es uns aber an den operativen Ressourcen. Im Übrigen wurde die Gesetzesänderung erst vor rund drei Wochen im Amtsblatt veröffentlicht, so dass faktisch der offizielle Zeitrahmen sehr kurz bemessen war.

Wann müssen die Unterschriften abgegeben werden?

Woywod: Wir haben nur noch bis zum Wochenende Zeit.

Wie viele Unterschriften fehlen noch?

Woywod: Für die Direktkandidaten und auch für die Ersatzliste fehlen noch rund 20 Prozent, also rund zehn Unterschriften. Für unseren Wahlvorschlag „Bürgermeister“ fehlen leider noch sehr viel mehr Unterschriften (rund 100).

Wie gehen Sie jetzt vor?

Woywod: Wir werden bis zur letzten Minute versuchen, die Unterschriften zu akquirieren.

Was passiert, wenn die Zahl der Unterschriften nicht reicht?

Woywod: Dann werden wir nicht zugelassen. Das wäre bitter. Und das wäre tatsächlich auf die Corona-Beschränkungen zurückzuführen. Wir erleben auch jetzt tagtäglich, dass die Ratinger vielfach andere Sorgen haben als Kommunalpolitik. Kurzarbeit oder Existenznöte der Menschen macht unsere Arbeit nicht leichter.

Warum sind auch kleine Gruppierungen im Stadtrat wichtig?

Woywod: Wir haben in den sechs Jahren im Stadtrat die Erfahrung gemacht, dass unser Ansatz der Überparteilichkeit und Sachorientierung eine Polarisierung verhindert und eher moderierend war. Kleine Gruppierungen sind im positiven Sinne Zünglein an der Waage.

Eines Ihrer Ziele ist digitale Transformation. Was meinen Sie damit?

Woywod: Im Gegensatz zu dem Schlagwort „Digitalisierung“ sehen wir, dass es nicht mit der Bereitstellung von Technik getan ist. Wir fordern, dass es eine politische Begleitung des Prozesses zur Nutzung von digitaler Technologie in der Verwaltung, in der Bereitstellung von Services für die Bürger, zur Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Wirtschaft und in den Bildungseinrichtungen geben muss. Der Stadtrat muss verstehen, dass es sich hierbei um einen Transformationsprozess handelt, der einer politischen Begleitung bedarf, damit Chancen und Risiken unter die Prämisse „Gemeinwohl“ gestellt werden.

Auch Generationengleichheit steht auf der Agenda der ­Optimisten.

Woywod: Die demografische Realität in Ratingen zeigt, dass wir sehr viel mehr ältere Wählergruppen haben, als jüngere. Die ältere Generation ist darüber hinaus viel stärker in parteiischen Lösungsansätzen verhaftet. Die Ungleichheit im politischen Handeln ist, dass die Bedürfnisse der Älteren einfache Mehrheiten in einer tradierten Parteienstruktur findet. Die Trennung zwischen Jugendrat und Seniorenrat ist aus unserer Sicht nicht hilfreich. Wir fordern einen Generationen-Rat und einen Generationen-Beauftragten, die gemeinsam Projekte entwickeln, wie generationsübergreifendes Leben und Wohnen.

Sie beklagen ein Manko der Stadt Ratingen beim Stadt- und Einzelhandelsmarketing? Was kann man besser machen?

Woywod: Wir fordern eine Zusammenlegung und Ausweitung aller Stadtmarketing-Aktivitäten. Es fehlt ein Konzept und ein Masterplan, wie sich Ratingen den künftigen Herausforderungen stellt. Hierzu gehört ein Einzelhandelskonzept mit wesentlich dynamischeren Anpassungen, ein Masterplan für gewerbliche Ansiedlungen, eine Wirtschaftsförderung, die ganzheitliche Konzepte entwickelt und das Thema Kultur und Tourismus einschließt. Wir haben in diesem Zusammenhang einen solchen Antrag gestellt, der dieses Thema behandelte. Unser Vorschlag war, dass sich Ratingen künftig als eine Einkaufsstadt mit gleichzeitig hoher Lebensqualität und wirtschaftlicher Potenz positioniert, in der nachhaltig und fair eingekauft werden kann und auch das vielfältige bürgerschaftlichen Engagement durch Vereine und Freiwilligen-Initiativen als Bereicherung und gesellschaftliches und kulturelles Angebot mehr in den Vordergrund rückt.

(abin )