Ratingen : Besserer ÖPNV bleibt Thema Nummer eins

Ratingen : Besserer ÖPNV bleibt Thema Nummer eins

Grünen-Fraktion sieht mit Blick auf Initiative des Jugendrates „dringenden Handlungsbedarf“ bei Nachtbussen.

Die Initiative des Jugendrates, die Stadtteile in den Abendstunden verkehrstechnisch besser anzubinden, sorgt in der Politik für reichlich Gesprächsstoff. Die Fraktion der Grünen greift das Thema nun auf. In der nächsten Sitzung des Arbeitskreises ÖPNV will man zusammen mit den anderen Fraktionen den eigenen Antrag diskutieren, eine Taktverdichtung der Busse von Ratingen Mitte in die Stadtteile in den Abendstunden anzubieten.

„Es gibt hier dringenden Handlungsbedarf, wie auch der jüngste Antrag des Jugendrats und die Pressemitteilung der Volkssolidarität, die auf die Mobilitätsbedürfnisse der Senioren hinweist, bekunden,“ meint Christian Otto, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Rat.

Die Buswelt in Ratingen sei
nach 19 Uhr nicht in Ordnung

Nach 19 Uhr sei die Buswelt für Ratinger Bürger nämlich nicht in Ordnung, sofern man nicht in Ratingen-West, Lintorf oder Breitscheid wohne. In diese Ortsteile gebe es eine halbstündige Verbindung von Ratingen-Ost und damit eine Umsteigemöglichkeit von der S 6 und von Ratingen-Mitte bis 24 Uhr, während man nach Tiefenbroich, Homberg, Eggerscheidt und Hösel nur im Stundentakt komme. „Es geht hier um die Frage von gleichen Lebensbedingungen, egal, wo man in Ratingen wohnt“, gibt der Fraktionsvorsitzende Hermann Pöhling zu bedenken, „da muss nachgebessert werden.“

Der Fahrplan sei zudem auch nicht in allen Fällen abgestimmt, wie das absurde Beispiel der Buslinie 773 nach Eggerscheidt und Hösel zeige, die zwei Minuten vor der Ankunftszeit der S 6 aus Düsseldorf vom Busbahnhof am S-Bahnhof abfahre. „Um die Nutzung des ÖPNV in den Abendstunden attraktiv zu machen, muss man von jeder ankommenden S-Bahn nach einer zumutbaren Wartezeit in den Bus zu seinem Stadtteil steigen können“, ergänzt Edeltraud Bell, sachkundige Bürgerin im Stadtentwicklungsausschuss.

Es gebe ein Mobilitätsbedürfnis, das sich nicht nur auf den Berufsverkehr beschränke. Die Bahnhöfe und die Stadtmitte müssen in den Abend- und Nachtstunden an die Ortsteile in einem zuverlässigen lückenlosen Takt angeschlossen werden, damit man für den Besuch von Veranstaltungen, Kino und Restaurants kein Auto benötigt. Das wäre nicht nur für Jugendliche attraktiv.

Die Grünen wünschen sich, dass der Arbeitskreis, danach Stadtentwicklungsausschuss und Rat diese Verbesserungen zügig beschließen, damit für die Bürger spürbar etwas voran geht im öffentlichen Nahverkehr. Soweit der Kreis mit der Aufstellung des Nahverkehrsplans zuständig ist, müssen Kreisverwaltung und Kreistag in die Pflicht genommen werden. „Vollmundige Reden in den Ausschüssen helfen nicht weiter, wir müssen möglichst schnell Maßnahmen zur Verbesserung des ÖPNV umsetzen und nicht nur prüfen“, so Bell. „Es ist bedauerlich, dass wir jetzt seit genau einem Jahr auf die Beratung unseres Antrages zur Verbilligung des ÖPNV für Ratingen warten müssen.“

Aus Sicht des Jugendrates ist das nächtliche ÖPNV-Angebot völlig unzureichend. Da junge Menschen in der Regel kein eigenes Auto haben und sich auch kein Taxi leisten können, sei nachts „nur eine eingeschränkte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben in Ratingen und in Düsseldorf möglich“, formuliert es der Jugendrat in seinem Antrag an den Stadtrat: Alle Ratinger Stadtteile sollten deshalb von mittwochs bis samstags in den Nächten im Stundentakt erreichbar sein. Die Jugendvertreter haben ihren Vorschlag mit der Verwaltung beraten. Mit zwei zusätzlichen Bussen könnte nach einer ersten Einschätzung ein stündliches Angebot realisiert werden, das alle Stadtteile abdeckt – auch Homberg. Ein städtischer Verkehrsplaner hat zusammen mit den jungen Leuten bereits ein mögliches Nachtbusnetz entworfen.

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