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Ansichten vom alten Ratingen auf grauen Stromkästen

Ansichten vom alten Ratingen auf grauen Stromkästen

Heimatverein, Stadtwerke und Innenstadtbüro arbeiten zusammen.

Ratingen. Schaut man mal genauer hin, entdeckt man recht viele olle Kästen in der Stadt — von Stadtwerken (SWR), Stadt, Telekommunikationsanbietern und Post. Die meisten sind beklebt und beschmiert. Das war der CDU aufgefallen: Sie trat an den Heimatverein Ratingen mit der Idee heran, doch zumindest die Stadtwerke-Verteiler zu verschönern.

Heftig wurde bei den Heimatfreunden diskutiert, man wagte einen Test mit historischen Fotofolien an drei Standorten. Die Angst vor Schmierfinken war aber größtenteils unbegründet, wie sich Michael Lumer, Chef der Heimatfreunde, bei der Vorstellung von weiteren zwölf Stadtansichten erinnerte. Bei den Stadtwerken rannten die Heimatfreunde offene Türen ein.

Das Konzept klingt einfach, bedeutet aber für den eigens gegründeten Arbeitskreis des Vereins eine Menge Arbeit. Es mussten geeignete Kästen gefunden und dazu alte Fotos herausgesucht werden. Denn die selbst gestellte Aufgabe lautete: Vom Kasten aus einen möglichen ähnlichen Blickwinkel auf längst vergangenen Zeiten zu gewähren.

Die Resonanz sei sehr positiv gewesen, so Lumer. Das schaffe eine Verbundenheit zur Stadt, rege aber auch Diskussionen zur Stadtplanung an. So erlauben die alten Fotos auf den Stromkästen auf der Bechemer Straße einen vergleichenden Blick: Ein Foto aus dem Jahre 1971 zeigt Autos dort, wo heute (meist) keine Fahrzeuge mehr fahren. Ein anderes Bild erinnert an die vor einigen Jahren abgerissene Stern-Apotheke aus dem Jahre 1951.

Die Summe von 4600 Euro für das Herstellen der Fotofolien und das Bekleben haben sich Stadtwerke und Stadt geteilt. Wie Hendrika Kirchhoff vom Innenstadtbüro sagte, stamme das Fördergeld aus dem Verfügungsfonds der Stadt.

Michael Lumer und seine Mitstreiter hätten noch ein paar andere Standorte mit historischen Fotos aufwerten können. Zum Beispiel am Ehrenfriedhof und am alten Pastorat von St. Peter und Paul. Doch der Denkmalschutz habe Einspruch erhoben, so Lumer kopfschüttelnd.

Beim Denkmalamt befürchte man, dass die Aufmerksamkeit für die Stromkästen von den denkmalgeschützten Gebäuden ablenken könnten. Dann überlässt man den Schandfleck lieber Graffiti-Sprayern und Plakate-Klebern — die übrigens bislang Respekt gezeigt haben gegenüber den Fotos. Auf diesen Stromkästen gibt es eben nichts mehr zu „verschönern“.