Ärger um neue Tarife bei den Stadtwerken

Ärger um neue Tarife bei den Stadtwerken

„Der Zeitpunkt war geschickt gewählt“, sagt Anita Esper.

Ratingen. Die Diskussion um die neuen Trinkwasser-Tarife der Stadtwerke Ratingen gehen weiter. Die Gewinner und Verlierer stünden wohl erst nach der Jahresabrechnung fest, so Anita Esper, Vorsitzende der Ortsarbeitsgemeinschaft der Verbraucher (OAGV) Ratingen. Esper: „Erst mit der Jahresabrechnung im Dezember, den Nachzahlungen und höheren Abschlagszahlungen haben es alle Verbraucher Schwarz auf Weiß, wie hoch die Preisanhebung für jeden Haushalt tatsächlich ist. Für manchen Haushalt kann das durchaus zur finanziellen Herausforderung werden, gerade wenn Geringverbraucher besonders betroffen sein sollten.“

Der Zeitpunkt der Information und Preisanhebung sei geschickt gewählt, der Mai mit den vielen Feiertagen und die beginnende Ferienzeit, das seien genau die Zeiten, zu denen auch Lebensmittelpreise gerne erhöht werden, „dann schaut man nicht so genau hin“. Die neue EU-Datenschutzgrundverordnung beschäftige die Menschen obendrein zu diesem Zeitpunkt. „Mehr Transparenz wäre von den Stadtwerken wünschenswert, auch wenn Wasser-Monopolisten, anders als beim Strom, dazu nicht verpflichtet sind.“ Es hätten zum Beispiel die Abschlagszahlungen direkt angepasst werden können. „Jeder kann natürlich selbst nachrechnen und Verbraucher haben die Möglichkeit, die Abschlagszahlungen anpassen zu lassen, wenn man größere Nachzahlungen befürchtet“, so Esper.

Gesetzliche Anforderungen wie ständige Verfügbarkeit und Wasserqualität als Rechtfertigung für die Erhöhung heranzuziehen, erscheine ihr fragwürdig. Ebenso sei das Argument der gerechteren Kostenverteilung schwer nachvollziehbar. Wasser sei ein Lebensmittel, aber nach dem Dafürhalten der Stadtwerke offenbar das Einzige, mit dem nicht mehr sparsam umgegangen werden soll. Die Landesregierung propagiere dagegen Lebensmittel wert zu schätzen.

Nach Informationen der OAGV war das Vorhaben in den Fraktionen besprochen worden, so dass nicht unbedingt davon auszugehen sei, dass ein Ratsbeschluss zur Abminderung des Vorhabens zugunsten von Verbrauchern geführt hätte. Esper zum Entscheidungsverfahren: „Mag sein, dass die Wachsamkeit der Betroffenen unterschätzt wurde.“ Im Aufsichtsrat wurde der Tarif durchgewunken.