Ratingen: Elefantentreffen auf dem Markt

Ratingen: Elefantentreffen auf dem Markt

Auf dem Marktplatz fühlte Pfarrer Martin Schreiber den vier Konkurrenten um das Bürgermeisteramt auf den Zahn.

Ratingen. Wer aus dem Rathaus kommt, ist schlauer. Möglicherweise gilt das auch für jene, die den Marktplatz am Samstag nach dem Elefantentreffen auf der Bühne verlassen haben. Dort stellten sich die vier Bürgermeisterkandidaten den Fragen des Kirchenbeauftragten der Landesregierung, Matthias Schreiber.

Er fühlte Manfred Evers (Linke), Christian Wiglow (SPD/Grüne), Stefan Santelmann (CDU) und Amtsinhaber Harald Birkenkamp (Bürger-Union) auf den Zahn, ohne ihnen wirklich weh zu tun. Dennoch traten die Unterschiede deutlich zutage.

Der Kandidat der Ratinger Linken ist Einzelkämpfer im Rathaus und im Wettbewerb um das Bürgermeisteramt ohne jede Chance. Aber die will er nutzen, indem er zuweilen als eine Art liebenswerter Politclown auftritt, um Sympathiepunkte zu sammeln. Ein wirklich tragfähiges Programm hat der Angestellte bei der Landesjustiz nicht.

Er versucht es mit Basisdemokratie durch Bürgerentscheide und mit den ganz einfachen Wahrheiten beispielsweise, dass der Staat sein Geld nicht den Banken geben, sondern Kindergärten gebührenfrei machen soll. "Dann kommt auch Geld in die Wirtschaft."

Lacher für seine bisweilen flapsigen Sprüche findet Evers in allen politischen Lagern, und seine vermutlich im Bauchgefühl entwickelten Argumente stoßen da und dort auch auf Widerhall. Aber in den Bürgermeistersessel trägt ihn dieses Echo natürlich nicht.

Der Bürgermeisterkandidat der Sozialdemokraten und der Grünen wusste auch am Samstag wieder als kühler, bedachter Diskussionsteilnehmer zu überzeugen. Er vertrat die Positionen der Ratinger SPD und der Grünen mit Nachdruck, aber ohne Affektiertheit.

Bezahlbarer Wohnraum für Familien, Kindergärten, die sich in ihren Öffnungszeiten an der modernen Arbeitswelt ausrichten und mehr Angebote für Jugendliche sind Kernaussagen Wiglows. Er fand Anerkennung für die Arbeit des Amtsinhabers, vergaß dabei aber nicht, die Anteile, die der Rat, also auch seine Partei, daran hat.

Wiglow schloss sich auch am Samstag ausdrücklich nicht der Weltuntergangsstimmung an, die von CDU und FDP verbreitet wird. In dieser Frage setzte Wiglow, in Kenntnis des von ihm mitgetragenen Haushaltes, auf Sachlichkeit. "Es besteht kein Grund zur Panik, aber wir brauchen eine solide Finanzpolitik", sagte er. Wiglow dürfte am Samstag gepunktet haben.

Für den Kandidaten der Christdemokraten war das ein unschöner Nachmittag. Der Leiter des Kölner Sozialamtes wirkte nervös, nicht gut genug vorbereitet und hatte den einigen hundert Zuhörern auf dem Marktplatz kaum mehr zu bieten als Phrasen und Parolen.

Der von ihm angekündigte "Pakt für Bildung" fand ebenso wenig Echo wie der neuerliche Versuch, Ratingen an den Rand des finanziellen Ruins zu argumentieren. Santelmanns Politikentwurf für diese Stadt erschöpfte sich in Apellen zu mehr Miteinander.

Und auch die Erkenntnis, dass Kinder wichtig sind für ein Gemeinwesen, ist nicht neu. Den Versuch, Einzelhandelskunden über ein Rabattsystem nach Bamberger Modell in der Stadt zu halten, konterkarierte er selbst mit seiner Forderung einer besseren Anbindung verschiedener Stadtdteile an Duisburg und Düsseldorf. Kein guter Tag für Santelmann und die Ratinger CDU.

Auf seinen Spezialgebieten Wirtschaftsförderung und Finanzpolitik hatte Bürgermeister Harald Birkenkamp am Samstag wieder leichtes Spiel. Niemand auf dem Podium, selbst der Linke Manfred Evers nicht, wollte dem Amtsträger Erfolge in der Ansiedlung steuerzahlungskräftiger Unternehmen absprechen.

Die Diskussion am Samstag offenbarte aber auch eine Schwäche Birkenkamps. Er ist kein Wahlkämpfer. Er punktete, wenn er Fakten sprechen lässt. Er wirkte unbeholfen, wenn er sich selbst in den Mittelpunkt rückte.

"Wenn ich das anpacke, dann klappt das auch", sagte Birkenkamp etwa zum Thema Kulturzentrum Ostbahnhof. Solch übermütige Sprüche wirken fremd an einem Mann, dessen Erfolge auf Kompetenz und Diskretion fußen.

Lautsprechen zum eigenen Wohl ist Birkenkamps Sache offenbar nicht. Aber dafür wird ein Bürgermeister ja auch nicht gewählt.