Radtour ins Nirgendwo

Radtour ins Nirgendwo

Der Panoramradweg endet in Heiligenhaus vor einem Absperrgitter. Ein erklärendes Hinweisschild fehlt ebenso wie Wegweiser und Papierkörbe.

Kreis Mettmann. Und plötzlich rollt nichts mehr: Wer mit seinem Fahrrad auf dem Panoramaradweg von Heiligenhaus in Richtung Essen-Kettwig fährt, wird von einem Gitter gestoppt. „Vorsicht, Absturzgefahr“, verkündet ein darauf befestigtes Schild.

Ortsunkundige stehen ratlos davor und wissen nicht weiter: „Was soll denn der Blödsinn?“, fragte ein Radfahrer wohl eher rhetorisch. Wer das Verbot ignoriert und weiterfährt, steht wenige hundert Meter erneut — diesmal vor einem schmalen Weg, dessen Waldboden höchstens mit Moutainbikes befahren werden kann.

Friedhelm Reusch, Koordinator für den Panoramaradweg, über die Firma, die die Hinweisschilder aufstellen sollte.

Dabei gibt es eine Alternativstrecke: Sie führt vom Absperrgitter über die Frankfurter Straße in Richtung Ruhrstraße und weiter nach Kettwig. Ein entsprechend verständliche Ausschilderung fehlt, die Umleitung führt über einen steilen, unbefestigten Weg.

Aber nicht nur dort bleiben Nutzer der Trasse ratlos. Auch in Tönisheide fehlten lange Zeit Hinweisschilder, in Wülfrath gab es ebenfalls lange Zeit Irritationen in der Nähe des Zeittunnels. Unwissende radelten einfach weiter in Richtung Wuppertal statt, auf die Höhen von Kocherscheidt zu kommen.

Mangelware sind neben Hinweisschildern auch Papierkörbe: An den „Rastplätzen“ stehen zwar Bänke, aber von Papierkörben fehlt bislang jede Spur. Das Resultat sind auf dem Boden liegende Papiertaschentücher und Verpackungen von Müsliriegeln.

Dass auf dem Panoramaradweg noch längst nicht alles optimal ist, weiß auch Friedhelm Reusch, Projekt-Koordinator beim Kreis Mettmann: „Wir hätten uns das auch alles anderes gewünscht, aber das Unternehmen, das die Hinweisschilder installieren sollte, hat die Termine nicht eingehalten“, sagt er. Eigentlich hatten alle Schilder am 20. Juni aufgestellt werden sollen.

Weil dies aber nicht geschehen ist, seien schon am Eröffnungstag des Radwegs am 16. Juli Vertreter der Stadt unterwegs gewesen, um provisorische Schilder anzubringen. „Leider wurden manche von irgendwelchen Leuten abmontiert.“

Verärgert ist Reusch auch darüber, dass in Haan, Velbert und Wuppertal-Hahnenfurth Menschen buchstäblich in die Irre geführt wurden. „Das Unternehmen hatte zwar einige Schilder aufgestellt — aber so, dass sie genau in die falsche Richtung gezeigt haben.“

Dies sei mittlerweile aber behoben worden. Bis Ende der Woche sollen alle Schilder stehen. „So wurde es mit dem Unternehmen zumindest in der vergangenen Woche abgesprochen“, sagt Reusch und fügt hinzu: „Weiterempfehlen werden wir das Unternehmen jedenfalls nicht.“ Für die 1800 Schilder, die entlang der Trasse den richtigen Weg weisen sollen, zahlt der Kreis rund 25 900 Euro.

Und wann werden die Papierkörbe stehen? „Bis Ende des Monats“, sagt der Projekt-Koordinator, der auch erklären kann, warum zwischen Heiligenhaus und Essen die Trasse mit dem Gitter gesperrt ist. „Dort ist ein Teil er Trasse noch nicht ganz fertig, weil es bei der Stadt Essen, die für diesen Bereich zuständig ist, Verzögerungen gegeben haben soll.“

Peter Parnow, Wirtschaftsförderer der Stadt Heiligenhaus, weiß mehr: „Das Teilstück soll Mitte Oktober fertiggestellt sein.“ Auf die Frage, warum nicht wenigstens eine provisorisches Schild am Gitter angebracht wurde, das Radfahrer auf den Alternativweg aufmerksam macht, antwortet er: „Den Vorschlag nehmen wir gerne auf. Aber Kollegen, die häufiger die Strecke fahren, haben die Rückmeldung gegeben, dass das die Radfahrer eh nicht interessiert, weil sie in den meisten Fällen einfach das Gitter ignorieren.“

Nach WZ-Informationen soll sich der Lückenschluss in Richtung Essen dadurch in die Länge gezogen haben, weil die Stadt nicht, wie zunächst beabsichtigt, die Strecke selbst baut, sondern Fremdfirmen beauftragt.

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